Premiere: Die Grönholm-Methode - Der Wolf im Schafspelz unter den Managern

Premiere: Die Grönholm-Methode - Der Wolf im Schafspelz unter den Managern

„Die Grönholm-Methode“ in René Heinersdorffs „Theater an der Kö“.

Düsseldorf. Vier Alphatiere in einem Raubtierkäfig - das kann nur tragisch enden. In der Tat: Drei Männer und eine Frau haben Blut geleckt. Die Versuchskaninchen, die sich im Theater an der Kö um einen Managerposten bewerben, brüllen wie die Löwen, schlagen Haken wie die Hasen, wandeln sich wie ein Chamäleon - und machen sich bei alledem doch nur zum Affen.

Wer im Büro eines Großkonzerns der Wolf im Schafspelz ist, wüsste nicht nur das Publikum allzu gern. Auch die Figuren, für die sich Autor Jordi Galceran "Die Grönholm-Methode" ausgedacht hat, wollen einen Maulwurf entlarven. Sie haben es in die letzte Runde geschafft und sollen im Assessment-Center einen eingeschleusten Mitarbeiter der Personalabteilung enttarnen.

Wer ist der Maulwurf? Die Frage führt zu viel tiefer gehenden Überlegungen. Wie viel Menschlichkeit geben Spitzenverdiener im Kampf um den Traumjob auf? Und taugt einer, der depressiv war, zur Führungskraft? Oder soll man jemanden einstellen, der eine Geschlechtsumwandlung plant?

Intendant René Heinersdorff hat sich einen fesselnden Stoff ausgesucht. "Die Grönholm-Methode" ist kein oberflächliches Boulevardstück, kein Schenkelklopfer und keine Tür-auf-Tür-zu-Posse. Die hoch dramatische Geschichte von Jordi Galceran, 2003 in Barcelona uraufgeführt, setzt da an, wo Urs Widmers "Top Dogs" aufhört: beim Versuch, den Arbeitsmarkt wieder für sich zu erobern.

Die absurde Vorstellungsrunde ist eine Farce auf die Ellenbogengesellschaft, die reale Auswahlverfahren erschreckend entlarvend auf die Spitze treibt. Regisseur Folke Braband macht aus dem Erfolgsstück ein dichtes Kammerspiel und gibt den Figuren genug Zeit, den Clown zu spielen oder intime Geheimnisse zu beichten, ohne dass die überraschenden Wendungen allzu aufgesetzt wirken.

Zu den undurchschaubaren Charakteren - Thomas Gimbel bleibt als Trickser schön undurchsichtig, auch Max Herbrechter gibt seiner Rolle ein facettenreiches Profil - passt die Bühne von Tom Presting, der ein kühl-funktionales Büro zwischen Pink und Grau arrangiert.

Wie das Katz-und-Maus-Spiel am Ende ausgeht, wird nicht verraten, denn der subtile Psychokrieg ist spannend bis zur letzten Minute. Und nicht nur angesichts der aktuellen Diskussion um Managergehälter bleibt die Frage, wer hier die Schlange ist und wer das Kaninchen.

2 1/4 Std., 1 Pause, bis 9. März, Karten: Tel. 0211/ 32 23 33