Der WSV hat wieder einen regulären Vorstand - nächsten Jahre werden schwierig

Mitgliederversammlung : Der WSV hat wieder einen regulären Vorstand - nächsten Jahre werden schwierig

Der WSV hat wieder einen regulären Vorstand. Doch wie geht es weiter? Ein entscheidender Meilenstein dürfte die außerordentliche Mitgliederversammlung am 28. Mai sein.

Der formal wichtigste Akt der mehr als fünfstündigen Mitgliederversammlung des Wuppertaler SV vollzog sich um kurz vor 1 Uhr auf der Bühne der Hako-Event-Arena, als schon so gut wie alle der gut 500 Teilnehmer den Saal verlassen hatten. Da trug der eben erst gewählte neue Verwaltungsrat den bisherigen Interimsvorständen Alexander Eichner und Melanie Drees die regulären Vorstandsposten für die nächsten zwei Jahre an. Und beide nahmen an.

Das WSV-Schiff ist in schwerer See also nicht führerlos. Wo es hinsteuert und ob es die zahlreichen Klippen finanzieller Art, die sich aus einer Schuldenlast von im Sommer wohl 1,4 Millionen Euro, gefährdeter Gemeinnützigkeit, Unwägbarkeiten der Horst-Buhtz-Stiftung, dem Auslaufen von Bürgschaften und verlorenem Sponsorenvertrauen ergeben, überhaupt umschiffen kann, werden erst die nächsten Wochen zeigen.

Ein entscheidender Meilenstein dürfte die außerordentliche Mitgliederversammlung am 28. Mai sein. „Wir müssen wissen, wo wir hinlaufen sollen“, sagte Vorstandssprecher Alexander Eichner und zählte eine Insolvenz (die hält er in Wuppertal nicht für erfolgversprechend), einen Schmalspuretat von 350 000 Euro für die erste Mannschaft oder einen „Wuppertal-Weg“ als drei mögliche Alternativen auf. Wie der Wuppertaler Weg aussehen könnte, ließ er offen, nannte aber Modelle anderer Vereine, die sich auf einen oder mehrere Großsponsoren stützen, teilweise auch Gesellschaften gründeten.

Melanie Drees wusste trotz der vielen Glückwünsche zur Wahl nicht recht, ob sie sich freuen sollte: Seit dem Amtsantritt müsse sie das erste Mal in ihrem Leben jeden Tag schauen, ob das Geld reicht „oder ob wir schon untergegangen sind. Das ist ein unangenehmes Gefühl“, so die Finanzfachfrau.

Gleich am Dienstag gab es den nächsten Banken-Termin, bei dem es um die Horst-Buhtz-Stiftung ging. Erlöse daraus waren und sind für die Jugendabteilung eingeplant, doch noch ist sie nicht gegründet. Drees wird sich auch um Mittelverwendungsbelege seit 2012/13 kümmern müssen, die es bisher nicht gab. Das Finanzamt will dem Verein sonst die Gemeinnützigkeit aberkennen.

Drees hatte zuvor wie auch Horst Willich die Etatzahlen aus den vergangenen Jahren erläutert sowie die „All-In-Mentalität“ der Vorstände Lothar Stücker und Manuel Bölstler, gegen deren fast „symbiotische Verbindung intern kein Ankommen war“, wie er meinte.

Deren Konzept WSV 2020 sei schon im vergangenen Sommer quasi gescheitert gewesen, als man mit einem Verlust von gut 700.000 Euro aus der Saison gegangen sei und nur ein Überbrückungskredit der Sparkasse den Verein vor der sofortigen Insolvenz bewahrt habe. Dennoch sei mit Zustimmung des Verwaltungsrats der Etat für die neue Saison nochmal erhöht worden.

Die Forderung der Sparkasse für die erneute Hilfe war, so Willich, die Einschaltung einer Unternehmensberatung (Hahn Consultants) fürs Controlling. Zudem wurde Lothar Stücker die Zuständigkeit für Finanzen entzogen, diese ging auf Manuel Bölstler über, der die brisante Aufgabe im September wie „eine heiße Kartoffel“ an die neue Vorstandsfrau Maria Nitzsche weitergegeben habe. Sie habe dann Hahn Consultants nur unzureichend mit Daten versorgt, sei offenbar überfordert gewesen.

Fast schon logisch, dass Stücker und Bölstler für ihre Amtsführung (bis 30. Juni 2018, deshalb stand Nitzsche noch nicht zur Abstimmung) vom Plenum nicht entlastet wurden, der WSV sich also Schadenersatzansprüche vorbehält. Auf die Frage eines Mitglieds: „War das Größenwahn, Dummheit oder haben sich Leute bereichert?“ antwortete Alexander Eichner. „Da sind einige Dinge hochgekommen, die man nicht so recht beurteilen kann.“ Wenn beispielsweise 90 Prozent der Spieltransfers über zwei Vermittler abgewickelt worden seien, habe das ein gewisses Geschmäckle. Das zu verfolgen sei aber schwer.

Oberbürgermeister Mucke wollte sich auf WZ-Nachfrage zur Versammlung nicht äußern. Er sagte: „Mein Herz schlägt für die WSV-Mannschaft.“ Er hoffe, dass sie sich durch die Vorgänge nicht zu sehr beeinflussen lasse: „Gespielt wird auf dem Platz.“ Er kündigte an, die Mannschaft beim Spiel gegen Monheim im Stadion anzufeuern: „Es wäre ein schönes Zeichen, wenn das Stadion voll wird.“

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