„Lumpis“ Baby-Jubel

Kapitän Andreas Lambertz ist beim 3:0-Sieg gegen Union Berlin der überragende Fortune.

Düsseldorf. An die „Babyschaukel“ hatte Andreas Lambertz erst gar nicht gedacht. Vielleicht war der Fortuna-Kapitän zu überrascht, wie leicht es ihm die Berliner bei seinem Treffer zum 2:0 zehn Minuten vor der Pause gemacht hatten — Union-Pass abgefangen, einen Dreher in den Strafraum, flach ins linke Eck und ab zum Jubeln. „In der Jubeltraube habe ich meine Arme dann hin und her geschwungen, als ob ich mein Kind schaukle, aber das hat wohl keiner mehr gesehen“, sagte Lambertz, der den Treffer mit dieser Geste seinem Tage zuvor geborenen zweiten Kind Caitlin widmete.

Zudem trat der Zweitliga-Fußballer gegenüber seinem Trainer Norbert Meier den Beweis an, dass werdende oder frisch gebackene Väter eben doch zu sportlichen Höchstleistungen fähig sein können. Meier hatte das im Fall des jüngst wieder Vater gewordenen Thomas Bröker als Grund für einen Platz auf der Ersatzbank angeführt.

Bei Lambertz sah das ganz anders aus: So hatte der 26-Jährige schon in Oberhausen „auf Abruf“ gespielt, stand über Betreuer Aleks Spengler am Spielfeldrand in Verbindung zu seiner Frau Steffi im Krankenhaus. Die ständigen Kontaktaufnahmen störten seine Leistung nicht sonderlich, und nach dem 2:1 im Oberhausener Niederrheinstadion kam er gerade noch rechtzeitig zur Geburt, um die Nabelschnur durchzuschneiden.

Eine knappe Woche später spielte „Lumpi“ gegen Union Berlin wie entfesselt auf, sorgte im Mittelfeld neben den ebenfalls bärenstarken Oliver Fink und Adam Bodzek für etliche Ballgewinne. „Das war fantastisch, wie die Jungs die Bälle geholt haben. Das hat uns so richtig ins Spiel gebracht“, sagte Stürmer Ken Ilsö, der bei seinem Treffer zum 3:0 davon profitierte. Wieder hatte Lambertz aufgepasst, diesmal rechtzeitig auf den Dänen gespielt und mit der Tor-Vorlage seine überragende Leistung gekrönt.

Fortuna spielte Union in Grund und Boden. „So muss das auch sein, wir wollten so auftreten wie in unserer eigentlichen Heimat“, sagte Lambertz. Die Gewöhnung an die „Lena-Arena“ war mit dem zwölften Heimspiel ohne Niederlage in Folge schnell und richtig gut gelungen. Die Fortsetzung soll gegen Arminia Bielefeld folgen. Vielleicht dann vor ausverkauftem Haus. Denn wenn es etwas zu bemängeln gab, dann die Tatsache, dass mehr als 1000 Plätze leer geblieben und die Erwartungen beim Zuschaueraufkommen nicht erfüllt worden waren.

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