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Vom Leben im kleinsten Kloster Deutschlands

Vom Leben im kleinsten Kloster Deutschlands

Pater Gerard Vos und Bruder Dirk gehören zu den letzten Kreuzherren, die noch im eigenen Kloster leben.

Beyenburg. Kreuzherren — das klingt nach vergangenen Zeiten. Tatsächlich gibt es heute in Deutschland nur noch wenige Kreuzbrüder. Und die gehören dem einzigen verbliebenen Kloster des Ordens an: in Beyenburg. Zwei Kreuzherren leben dort, wenige in der näheren Umgebung.

Vom Leben im kleinsten Kloster Deutschlands
Foto: Julia Klinkusch

Der stimmungsvolle, kleine Klosterhof lässt kaum erahnen, wie wechselvoll die Geschichte von Kirche und Kloster war. Erst 1964 erhielten die Kreuzherren Kloster und Ländereien zurück, die sie während der Säkularisation unter Napoleon 1804 verloren hatten. In den 1960er-Jahren kam auch Pater Gerard Vos nach Beyenburg. Er war als Pfarrverweser von St. Suitbertus in Elberfeld nach Beyenburg versetzt worden, ein Amt, das nur vorübergehenden Aufenthalt bedeutet.

Doch Pater Vos ist geblieben — bis heute. Als Pfarrer und als Angehöriger des „Ordo sanctae crucis“ (Orden vom Heiligen Kreuz). In dieser Funktion war er wie geschaffen für das Kloster in Beyenburg, die Tradition lebte nach knapp 160 Jahren unter seiner Führung wieder auf. „Kardinal Frings hat die Kreuzherren bereits in den 1950er-Jahren wieder nach Deutschland eingeladen“, erinnert sich der heute 88-Jährige.

Vos war nie ein Mann, der sich hinter den Klostermauern verschanzt hat. Er nahm aktiv am Gemeindeleben teil, knüpfte auch Kontakte zu den Nachbarorten: „Ich bin zum Beispiel über viele Jahre in der Prozession der Gemeinde St. Josef in Radevormwald-Vogelsmühle mitgegangen.“ Bereits zu Beginn seines Wirkens hatten die Gemeindeglieder Wünsche an den „Neuen“ im Kloster. Vos war auch Vorsitzender im Kirchenvorstand. Mit einem engagierten Team hinter sich brachte man Kloster und Kirche wieder auf die Beine. „Als ich ankam war vieles verfallen“, erzählt er.

Ein neuer Kindergarten wurde gebaut, später das Pfarrhaus restauriert. Dort hatte Pater Vos in den ersten Jahren gewohnt. „Mein Vorgänger hat sogar Hühner im Keller gehalten“, erzählt er schmunzelnd.

2002 ist Vos mit 75 Jahren in den Ruhestand gegangen. Beyenburg wurde zur Heimat des gebürtigen Niederländers. Heute lebt er mit Bruder Dirk im Klostergebäude. Das Leben ist beschaulich geworden, im kleinsten Kloster Deutschlands. Morgens treffen sich die Kreuzbrüder zum Gebet. Danach geht Bruder Dirk seinen Aufgaben in der Krankenpflege nach. Ab und zu kommen die auswärts lebenden Brüder zu Besuch. Dann sind alle letzten Kreuzherren wieder vereint.