Neues Projekt vereint Wuppertaler

Ob zugezogen oder einheimisch, im August-Bünger-Haus sind alle willkommen. Viele Vereine haben dort neue Räume für ihre Arbeit gefunden.

Barmen. „Eigentlich brauche ich gar nichts mehr zu sagen“, meinte Iris Colsman, Geschäftsführerin der „Färberei“, gestern Nachmittag im August-Bünger-Haus an der Wichlinghauser Straße. Dessen neu gestaltete Räume waren Momente vorher erfüllt worden vom Gesang der Women of Wuppertal. Der Chor unter der Leitung seiner marokkanischen Leiterin hatte genau das gezeigt, was das Projekt „Verein(t) in Wuppertal“ prägen soll — die Vielfalt Wuppertals.

Im Gebäude an der Wichlinghauser Straße 38, sozuagen eine „Filiale“ der Färberei in Oberbarmen, sollen auf der ersten Etage verschiedene Migrantenselbstorganisationen ihren sozialen Tätigkeiten nachgehen. Gefördert und unterstützt werden sie dabei sowohl vom Land NRW als auch vom städtischen Ressort für Zuwanderung und Integration.

Stefan Kühn nannte „Verein(t) in Wuppertal“ ein Leuchtturmprojekt Wuppertals, das bundesweit Aufmerksamkeit erregen und in dem dokumentiert werde, dass die Menschen in dieser Stadt Wuppertals wichtigstes Kapital sind. „Wir wollen auch zeigen, dass Wuppertal eine fantastische Stadt ist“, so Stefan Kühn.

Projektleiterin Petra Lückerath stellte die Vertreter der einzelnen Vereine in lockerer Interview-Form vor. Einer von ihnen ist Samir Jomaa, Vorsitzender des Islamischen Vereins AL Birr („Wohltätigkeit“), der vornehmlich den Arabisch sprechenden Neubürgern die Integration erleichtern soll, sie auf den Wegen zu Ämtern, Ärzten und auch Sportvereinen begleitet. Nachdem Jomaa die Gäste mit „Salem Aleikum“ (Friede sei mit Euch) begrüßt hatte, erläuterte er, dass der Sport beim Miteinander eine sehr wichtige Rolle einnimmt, schließlich sind beispielsweise die Regeln beim Fußball auf der ganzen Welt gleich.

Auf 600 Quadratmetern bietet die erste Etage den Vereinen viel Platz, beispielsweise zum Tischtennisspielen oder kickern. Doch zu den wichtigsten Möglichkeiten im August-Bünger-Haus gehören die wohnlich hergerichteten Unterrichtsräume, in denen in Zukunft die deutsche Sprache vermittelt werden soll. 50 Schüler nutzen das Angebot bereits regelmäßig.

Von der Wichlinghauser Straße aus soll auch Schwimmunterricht organisiert werden, wie Karin Glowienka vom städtischen Ressort für Zuwanderung und Integration, versichert. Außerdem solle es Angebot zur Selbstverteidigung für Flüchtlingsfrauen geben.

Mit seinen Bildungsaktivitäten will der Bergische Geschichtsverein, der mit seinem Büro auf der ersten Etage ebenfalls eine neue Heimat gefunden hat, auch eine sinnvolle Ergänzung der Gruppenarbeit leisten, wie Vorstandsmitglied Heiko Schnickmann betonte. Noch ist nicht alles fertig, wie der Baulärm aus dem Gebäude akustisch bezeugt, was Stefan Kühn zu dem vielbelachten Spruch „Wir sind hier nicht im Rathaus. Hier wird gearbeitet“ inspirierte.

Mit Staunen und Anerkennung besichtigten die zahlreichen Eröffnungsgäste im Anschluss an die kurze Feier die Räume und nahmen mit Freude zur Kenntnis, dass im Wuppertaler Osten in dem einstigen Fabrikgebäude neues Leben eingekehrt ist, das offensichtlich dabei ist, den Alltag in Oberbarmen und in ganz Wuppertal zu bereichern.