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Hatzfeld: Jugendliche fürchten um ihre Kirche

Hatzfeld: Jugendliche fürchten um ihre Kirche

Der Jugendgottesdienst ist eine Erfolgsgeschichte. Doch die Hatzfelder Kirche steht vor dem Aus. Ehrenamtler sehen auch ihre Arbeit bedroht.

Hatzfeld. Die Stühle sind bis zur hintersten Reihe komplett besetzt. Das Licht geht aus, die Band fängt an zu spielen. Eine Mischung aus Rock und Kirchenmusik bekommt der Zuhörer geboten. Wer das erste Mal dabei ist, könnte denken, es handele sich bei dieser Szene um eine Show. Richtig ist aber, dass Jugendliche zum Jugend-Gottesdienst in die Hatzfelder Kirche geladen haben. Das Abendmahl wird thematisiert. „Lass dich bedienen“ ist mit Hilfe eines Beamers an die Wand projiziert. „Ein Abendmahl ist doch was anderes, als sich einen Cheeseburger bei McDonalds reinzuziehen“, kündigt Sabrina Reinecke (23) an.

Die Gemeindeglieder stellen sich in einem großen Kreis auf, fassen sich an den Händen und genießen das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Doch genau das könnte verlorengehen, fürchten viele. Denn die Kirche in Hatzfeld soll geschlossen werden. Auch für die Jugendarbeit bedeutet das eine unsichere Zukunft. „Als wir davon gehört haben, waren wir fassungslos“, sagt Katharina Lange (18). „Dass nicht erkannt wurde, was wir hier reinstecken“, fügt Florian Kierstein (25) hinzu.

35 Jugendliche engagieren sich ehrenamtlich in der Gemeindearbeit. Ein Team kümmert sich um die Konfirmandenarbeit, ein anderes veranstaltet den Jugendgottesdienst. „Es gibt keine Grüppchen. Wir arbeiten alle zusammen und helfen uns gegenseitig“, beschreibt Maike Lorey (18) die gemeinsame Arbeit. Nach zehn Jahren werden jetzt die Früchte geerntet. „In anderen Gemeinden ist die Kirche nur zu Weihnachten so voll“, sagt Gemeindeglied Susanne Stieglitz.

Ganz anders in Hatzfeld. Besondere Lichttechnik, die moderne Musik der Band und auch verschiedene Darstellungsformen wie Filme oder Schwarzlichttheater machen den Gottesdienst für Jugendliche wieder attraktiv. „Hier herrscht keine steife Atmosphäre. Es gibt keine Kirchenbänke, sondern Stühle — und wir können das Licht den verschiedenen Stimmungen anpassen“, sagt Reinecke.

Auch die Konfirmandenarbeit hat sich an die heutige Zeit angepasst. „Wir haben einmal im Monat samstags zusammen Konfi-Tag“, erklärt Maike Lorey. Bewusst wählt sie das Wort „Tag“. Denn es handelt sich hierbei nicht um einen frontalen Unterricht, sondern um ein gemeinsames Treffen, welches von Jugendlichen organisiert wird. „Wir spielen zusammen, essen, beten und lernen natürlich auch ein bisschen.“ Praktisch für die Arbeit ist, dass die Kirche eine multifunktionale ist. Die Stühle können zur Seite geräumt werden und auch das Gemeindehaus ist direkt angeschlossen.

Doch das Aus ist besiegelt. Dabei steigen — obwohl es die kleinste Gemeinde und dazu auch noch ein Randbezirk ist — die Besucherzahlen kontinuierlich. „Man diskutiert mehr über Gebäude und nicht darüber, was darin passiert“, ärgert sich Dennis Schormann (23). Oft wurde das Argument genannt, dass die Hatzfelder Kirche nur ein hässlicher Betonbau sei. „Aber hier ist das Gemeindeleben nicht tot, sondern lebendig.“

Auch für das Leben im Stadtteil würde mit der Schließung der Kirche ein großer Teil wegbrechen. „Die meisten Jugendlichen aus meiner Siedlung treffe ich hier wieder“, sagt Katharina Lange. Kneipen, Supermärkte oder andere soziale Treffpunkte gebe es nicht.

„Die Jugendlichen sind hier fast jeden Tag“, sagt Gemeindeglied Sabine Lange. Aber eins ist klar für die jungen Christen. Wenn es den Standort Hatzfeld nicht mehr gibt, soll die Jugendarbeit nicht einfach abbrechen. „Wir wollen die Qualität halten“, sagt Carsten Mathea (26).