„Song Factory“: Wuppertaler Jugendliche präsentieren bewegende Musik

Konzert : „Song Factory“: Wuppertaler Jugendliche präsentieren bewegende Musik

Jugendliche sangen selbstgeschriebene Lieder mit professioneller Begleitung.

„Nicht weniger als eine Weltpremiere“ erwartete die rund 80 Besucher des Live Club Barmen am Donnerstagabend: Sichtlich stolz präsentierten sechs Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren erstmalig selbst erarbeitete Songs und eröffneten bei einer enormen musikalischen und inhaltlichen Bandbreite Einblicke in das eigene Seelenleben. Die Lieder entstanden im Rahmen des Projekts „Song Factory“, das Musiker und Musikpädagoge Björn Krüger in Kooperation mit dem Verein Planet K – Kultur für alle leitet. Unterstützung erhielten die jungen Songwriter von professionellen Musikern, die sonst mit Künstlern wie Bosse, Rea Garvey und Horst Wegener auftreten: Björn Krüger am Schlagzeug, Theo Fotiadis am Bass, Thorsten Sala an der Gitarre und Niklas Nadidai am Keyboard.

Seit einem Jahr treffen sich Joy, Giulia, Lilly, Chiara, Rojin und Rabi wöchentlich im Haus der Jugend zur Arbeit an den eigenen Texten. Aber wie wird aus einer Idee ein Song? „Ich stell meistens einfach nur Fragen“, erklärt Krüger, der mit wohlwollenden Worten durch den Abend führte, den Schaffensprozess. „Ist der Song schnell oder langsam? Wie soll sich das anfühlen, für den, der ihn hört?“ Die Teilnehmer greifen sich auch gegenseitig unter die Arme: Als Rojin, die erst vor drei Jahren aus Syrien nach Deutschland kam, sich noch nicht frei genug in der deutschen Sprache bewegen konnte, um den Text selbst zu schreiben, erdachte Joy für die leidenschaftliche Tänzerin Zeilen wie „Wenn ich unter mir den Boden verlier, dann schließ ich meine Augen und tanz‘“.

Ein Rap-Part entstand erst
ganz kurz vor dem Auftritt

Am Montag konnten die Nachwuchsmusiker ihre Lieder erstmalig mit Bandbegleitung erleben. „Das war ein ganz tolles Gefühl“, erinnert sich Joy. Innerhalb von drei Tagen arrangierten die Musiker die insgesamt 13 deutsch-, englisch- und italienischsprachigen Lieder, deren Themen von Einsamkeit, Freundschaft und Liebe bis hin zu Politik reichen: „Ihr seid keine Alternative für Deutschland, ihr seid ein Albtraum für Deutschland“, rappt der aus Afghanistan stammende Rabi und füllt den Zuschauerraum im musikalischen Aufarbeiten seiner Lebensgeschichte zunächst mit bedrücktem Schweigen und schließlich mit begeistertem Applaus.

Zum Ende des Konzerts kommen alle Jugendlichen zu Wort, um sich bei den Initiatoren zu bedanken. Lilly fasst zusammen: „Musik bedeutet alles für mich und anders hätte ich nicht die Möglichkeit, das ansatzweise professionell zu machen.“ Die emotionalen Worte seiner Schützlinge lassen Björn Krüger sprachlos zurück. Besonders stolz ist er auf die Entwicklung, die sie innerhalb des vergangenen Jahres durchlaufen haben. „Die gehen hier heute Abend alle einen halben Meter größer raus“, sagt er über das neu gewonnene Selbstbewusstsein der Jugendlichen und ihre Selbstverständlichkeit gegenüber der Bühnenerfahrung: Rabi, so verrät Krüger, schrieb den Rap-Part für den gemeinsamen letzten Song der Truppe spontan hinter der Bühne – kurz vor dem Auftritt. Auch weiterhin steht im Haus der Jugend jeden Dienstag von 16 bis 18.30 Uhr für die Songwriter von morgen die Tür offen.

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