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Bazon Brock gibt Wuppertalern Denkanstöße zum Karfreitag

Philosophie : „Karfreitag begründet das vernünftige Sprechen von Gott“

Bazon Brock gab in der Galerie Grölle Denkanstöße zum Osterfest.

Für Wuppertaler Hobbyphilosophen wurde das Osterwochenende in Jürgen Grölles Galerie pass:projects eingeläutet: Bereits zum siebten Mal lud Grölle, ehemaliger Student Bazon Brocks, den emeritierten Ästhetikprofessor zu einem freien Vortrag in seine Räume an der Friedrich-Ebert-Straße ein – in Anlehnung an die „Denkerei“ in Berlin unter dem Motto „Denkerei mobil“. Mit rhetorischem Geschick näherte sich Brock verschiedenen Themen an – nicht nur dem christlichen, sondern auch den griechischen Göttern, dem römischen ebenso wie dem Dritten Reich – um den Feiertag als modellbildend für das Sprechen über Gott zu erklären.

Zu den Festlichkeiten der Saturnalien um die Wintersonnenwende tauschten die Römer die Rollen mit ihren Sklaven, die sich ausnahmsweise bedienen lassen durften. „Wieso riskiert eine Gesellschaft ihren Untergang durch dieses Umkehren der Verhältnisse?“, fragte sich Bazon Brock am Freitagmittag. Alle denkbaren Gründe dafür laufen für ihn auf das zyklische Modell des Karfreitags zurück, auf die Menschwerdung Gottes, auf das Aufsteigen des im Stall Geborenen zum Weltherrscher. Doch erst die Sterblichkeit Jesu beweise seine Menschlichkeit, ebenso wie das Verbrennen künstlerischer Werke im Dritten Reich die Wichtigkeit der Kunst bewiesen habe, so Brock. Gerade das Verschwinden der Götter sei ein Beweis ihrer Existenz: „Man muss sich jeden Sonntag die leeren Kirchenbänke ansehen und sich denken: Wie grandios hat dieses theologische System gewirkt?“ Die Auferstehung sei die logische Konsequenz aus der Erfahrung der Sterblichkeit – ebenso wie Bibliotheken und Museen Autoren und Künstler nach ihrem Tod auferstehen lassen: Durch das Sterben legen die Sterblichen schließlich ihre Sterblichkeit ab.

„Ich kann nur etwas glauben,
was ich radikal bezweifle“

„Ich kann nur etwas glauben, was ich radikal bezweifle“, so Brock. Mit dem Beweis des Menschseins durch die Sterblichkeit werde Gott für den Menschen erst erfahrbar. „Karfreitag begründet das vernünftige Sprechen von Gott“, folgert Bazon Brock. Mehr noch: „Wenn man vom Menschen spricht, spricht man immer auch von Gott.“ Das sei unvermeidlich, da die christliche Vorstellung Gottes schließlich eine von Menschen erdachte sei. Kühe, vergleicht Brock, würden sich ihren Gott schließlich auch in Kuhgestalt ausmalen, wenn sie es überhaupt täten. Das Sprechen über Gott, vielmehr das Sprechen im Allgemeinen unterliegt nach Brock jedoch einigen Differenzen. Denn Gedanken verändern, indem sie ausgesprochen und damit für ein Gegenüber erfahrbar werden, ihre Gestalt. „Wann ist wirklich gesagt, was gedacht ist?“, lautet Brocks Frage. Nur in der Mathematik sei eine hundertprozentige Übereinstimmung möglich, außerhalb dessen unterlägen Denken und Sprechen einer ästhetischen Differenz, von der Möglichkeit des Lügens ganz zu schweigen.

Zur Erfahrung der Sterblichkeit und damit auch der Menschlichkeit Gottes erinnert Bazon Brock an den Vorhang vor dem Tempel Jerusalems, der im Moment des Todes Jesu zerrissen sein soll. „Machen Sie das zu Hause“, lautet sein abschließender Vorschlag für das Osterwochenende. „Nehmen Sie einen Duschvorhang und sagen Sie: Ich bin der neue Mensch! Wer mit mir spricht, spricht vernünftig über Gott!“