Initiative seilbahnfreies Wuppertal warnt vor Nachteilen für die Studenten beim Bau der Seilbahn

Seilbahnprojekt : Initiative Seilbahnfreies Wuppertal kritisiert Votum des Studentenparlaments

In einer geheimen Abstimmung hatten sich die gewählten Vertreter der Studierenden knapp für das Seilbahnprojekt ausgesprochen.

In einer geheimen Abstimmung hat sich das Studierendenparlament (Stupa) der Bergischen Universität Anfang des Monats mit knapper Mehrheit für das Seilbahnprojekt der Wuppertaler Stadtwerke ausgesprochen. Der Plan der WSW sieht vor, eine Seilbahn mit einer Talstation am Döppersberg, einer Mittelstation in Höhe der Mensa der Universität und eine Bergstation am Schulzentrum Süd zu bauen.

Grundlage für die Abstimmung war ein von der Hochschulgruppe der Jusos eingebrachter Antrag. Dem Stupa gehören 21 Mitglieder an. An der geheimen Abstimmung nahmen 18 Mitglieder teil, zehn stimmten für den Antrag, sieben stimmten dagegen, bei einer Enthaltung.

Die Initiative Seilbahnfreies Wuppertal hat mit einer Stellungnahme auf das Abstimmungsergebnis reagiert. Mit knapper Mehrheit habe das Studierendenparlament für den Bau der teuersten Seilbahn der Welt in Wuppertal gestimmt, „um das momentane Chaos am Busbahnhof zu Stoßzeiten in Zukunft“ durch eine Verkürzung der Fahrzeit von 13 auf 3 Minuten ad acta zu legen“, wie Juso-Sprecher Yannik Düringer erklärt habe. Die Juso-Hochschulgruppe lasse dabei außer Acht, dass die Seilbahn in der fünften Etage der Seilbahn-Talstation abfahren wird. Weiterhin müssten erhebliche zusätzliche Fußwege auf dem Uni-Gelände zurückgelegt werden müssen, da die Mittelstation weitab der zentralen Uni-Einrichtungen an den Rand des Campus platziert wäre, so die Initiative.

Die Initiative kritisiert, das Votum sei auch ein Votum für weitere Streichungen des Busverkehrs in der Südstadt, die das ÖPNV-Angebot für die darauf angewiesenen Menschen nachhaltig schwächten. Es sei ein Votum für zusätzlichen Autoverkehr, der das fehlende ÖPNV-Angebot ausgleichen müsse und die damit verbundenen zusätzlichen Schadstoff- und Lärmbelästigungen. Es sei ein Votum für höhere Gas- und Stromkosten, durch die weiter steigende Bau- und Betriebskosten finanziert werden müssen.

Ein Vergleich zeige, dass die Anreise mit der Seilbahn sogar länger dauern würde. Die Reisezeit mit dem Uni-Express vom Hauptbahnhof zum Audimax werde bei etwa 14 Minuten liegen. Mit der Seilbahn würden es durch Treppensteigen oder Aufzugsfahrten in der Talstation, Einstiegs- und Fahrzeiten der Seilbahn sowie Fußwege auf dem Uni-Gelände 13 Minuten sein. Kommen Wartezeiten an der Seilbahn hinzu, sei die Busverbindung sogar schneller. Die Sinnhaftigkeit der Seilbahn sei damit weiterhin ungeklärt.

Das angesprochene „Chaos“ am Busbahnhof sei indes hausgemacht: Mit der Eröffnung des Busbahnhofs hab die WSW die Anzahl der Fahrten vormittags um ein Viertel reduziert. Die seltene Anbindung des Hauptbahnhofs durch die Uni Express-Busse rundet das negative Gesamtbild zusätzlich ab. Dabei schien das ÖPNV-Angebot vor Eröffnung des Busbahnhofs durchaus angemessen, standen besonders in der Spitzenzeit ausreichend Plätze in Bussen zur Verfügung. Durch eine Seilbahn wird das Angebot in der Spitze erheblich reduziert. Hier räche es sich nun, dass andere Lösungen als die Seilbahn gar nicht in Betracht gezogen wurden, so die Initiative Seilbahnfreies Wuppertal.

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