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Schwebebahn-Züge: Es drohen Mehrkosten von 30 Millionen Euro

Schwebebahn-Züge: Es drohen Mehrkosten von 30 Millionen Euro

Die Geschichte der Mehrkosten beim Umbau reichen bis in die 90er Jahre zurück. Aus Sicht der Aufsichtsratsspitze führt aber an kein Weg an der nächsten Zug-Generation vorbei.

Wuppertal. 100 Millionen Euro sind für die 33 neuen Züge der Schwebebahn und ihr Betriebssystem veranschlagt. Das aus Sicht der Stadtwerke realistischste Angebot liegt nach WZ-Information allerdings ein Drittel über dieser Summe — und fügt der Geschichte millionenschwerer Mehrkosten ein weiteres Kapitel hinzu.

Neue Züge für 130 Millionen Euro? „Jetzt muss es darum gehen, alle Möglichkeiten zu prüfen“, erklärt Johannes Slawig — Stadtdirektor, Kämmerer und Vorsitzender des Aufsichtsrates der WSW mobil GmbH — auf Nachfrage der WZ. Von der WSW-Geschäftsführung erwarte man eine intensive Untersuchung aller Alternativen, um die Kosten für die neuen Züge im Rahmen zu halten. An ihrer Anschaffung führe jedenfalls kein Weg vorbei. Auch beim Zeitplan sieht Slawig kaum Spielraum. „Wir brauchen eine Entscheidung — und haben volles Vertrauen in die Geschäftsführung der WSW.“

Weitere Fördermittel für den Umbau-Endspurt bis 2015 zu bekommen, erscheint nicht nur angesichts leerer Kassen beim Land fraglich: In das Wuppertaler Wahrzeichen sind seit dem Ratsbeschluss zu dessen Umbau 1997 bereits etliche Förder-Millionen geflossen — und der jahrelange Streit um Landesmittel im Zeichen eklatanter Kostensteigerungen und des Denkmalschutzes ist allen Seiten noch bestens in Erinnerung.

Die Zahlen: Als das Stahlbauunternehmen Lavis 1996 den Zuschlag für den Stahlbau bekam, ging man dort seinerzeit von Kosten in Höhe von 220 Millionen D-Mark aus. Vier Jahre später war bei Lavis bereits von 380 Millionen Mark die Rede — und parallel zu den Kostensteigerungen verschoben sich immer wieder auch die Zeitpläne, was im Mai 2000 zur Neufestsetzung der Gesamtkosten auf 744 Millionen Mark führte.

Im Zeichen der Kostenexplosionen und Firmen-Insolvenzen folgte nach einer Prüfung des Landesrechnungshofs im Jahr 2003 der Baustopp — und beim straff geplanten Weiterbau eine neue Gesamtkostenhöhe von 483 Millionen Euro.

Auch bei der Vorstellung der Bilanz der Verkehrssparte präsentierten die WSW 2010 deutliche Zahlen: Von den gut 492 Millionen Euro, die bis dato in den Umbau des Wahrzeichens investiert worden sind, stammten 350 Millionen vom Land NRW.

Schwer wiegt mit Blick auf Mehrkosten auch das jährliche Minus der WSW-Verkehrssparte. Das summierte sich 2010 auf fast 50 Millionen Euro und wird über Erträge aus der Versorgungssparte aufgefangen. Wie sich diese in den nächsten Jahren entwickeln, ist ebenfalls offen.

Bei der nächsten Zug-Generation werde man „nichts übers Knie brechen“, fügt Slawig hinzu. Dennoch müsse man beim Rest-Umbau bald zum Ende kommen.