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Musik spontan: Erste Probe am Morgen, Konzert am Abend

Musik spontan: Erste Probe am Morgen, Konzert am Abend

Beim Projekt „Ten Sing“ im CVJM-Haus proben Jugendliche spontan für ein Konzert.

Oberbarmen. Kevin Sieper steht mit einer E-Gitarre auf der Bühne und probt — soweit nichts Ungewöhnliches. Doch dass er am Abend ein Konzert geben soll und das Instrument gerade zum ersten Mal in den Händen hält, das könnte man als Herausforderung bezeichnen.

Genauso wie er sind am vergangenen Samstag einige Jugendliche zum CVJM Oberbarmen gekommen, um einen Blick in das Projekt „Ten Sing“ (kurz für: Teenager singen) zu werfen. „Wir bieten Jugendlichen hier einen Raum, in dem sie sich künstlerisch ausprobieren können“, sagt Doro Messinger, Leiterin der „Ten Sing“-Gruppe. Das Besondere: „Die Jugendlichen organisieren das alles unter sich.“ So gibt es eben nicht nur eine Band, sondern auch einen Chor sowie eine Theater- und eine Tanzgruppe.

Was in den Gruppen passiert, ist nicht vorgegeben, und die Jugendlichen können ihren Alltagserfahrungen so auf ganz verschiedenen Wegen Ausdruck verleihen. Dass dabei durchaus ein spannendes Programm entstehen kann, demonstrierte einen Abend zuvor die „Ten Sing“-Gruppe aus Bochum, die beim CVJM Oberbarmen auftrat.

Auch heute sollen die „Neulinge“ schon kreativ mitbestimmen, was am Abend Freunden und Verwandten in dem kleinen Konzert vorgestellt wird — nach nur ein paar Stunden Probe, wohlgemerkt. Die Tanzchoreographie wird ebenso immer wieder verändert wie das kleine Theaterstück. Die sechs Mädchen spielen die Szenen immer wieder durch und rufen sich dabei Regieanweisungen zu. „Das haben sie sich alles heute selbst ausgedacht“, sagt Messinger.

„Wir machen eine Krimikomödie“, erklären die Teenies. Die Handlung: Zwei Mädchen schauen fern, zunächst einen Werbespot über ein soziales Netzwerk und leere Versprechungen der Werbeindustrie. Und dann geht der Krimi los. Es wird ein Handy geklaut, der Raub beobachtet und dann der falsche Zeuge getötet. Das Stück endet mit einer Verfolgungsjagd. „Ich finde das sehr mutig. Die Jugendlichen sind einfach gekommen, ohne zu wissen, was sie hier erwartet. Und dann stellen sie so was auf die Beine“, lobt Messinger.

Kevin und seine Bandkollegen üben gerade den Song „Tik Tok“ von Kesha — es hört sich alles noch etwas holprig an. Aber dafür, dass die meisten kaum bis keine Erfahrung mit ihrem Instrument haben, klingt das Lied schon großartig. Um Perfektion geht es auch gar nicht. „Ich mag einfach Musik und hier kann ich das ausleben, wozu hin mich hingezogen fühle“, sagt Kevin.