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Hydranten unter Trümmern: Von der Feuerwehr nach dem Krieg

Hydranten unter Trümmern: Von der Feuerwehr nach dem Krieg

Karl Flanhardt begann seinen Dienst bei der Barmer Feuerwehr in den Nachkriegsjahren.

Barmen. Nach dem Krieg gab es nur wenige Feuerwehrleute in Wuppertal. „Noch während der Ausbildung wurde ich zu Einsätzen herangezogen — anfangs hatte ich nicht einmal Stiefel“, erzählt Karl Flanhardt, der 1945 bei der Wache Barmen anfing. Auch Gerät und Fahrzeuge konnten nur mit Mühe in Gang gehalten werden. „Wir rückten mit einer uralten Holzleiter aus — sie war auf Zugspannung ausgerichtet und durfte nicht angelehnt werden“, erinnert sich der 90-Jährige. Im dichten Qualm allerdings war schwer zu erkennen, wo genau die Hausmauer begann. Auch die Kameraden in ihren dunklen Uniformen bekamen häufig einen Guss ab.

Bevor gelöscht werden konnte, mussten die Einsatzkräfte erst einen Hydranten finden. Mühsam gruben sie diese unter Trümmern aus, während die Flammen den kostbaren Wohnraum auffraßen. Die Wohnungsnot sorgte immer wieder für Brände: „Die Leute machten einfach ein Loch in die Wand und legten das Ofenrohr hinein — allerdings oft in den Luftschacht statt in den Abzug, dann begann das Fachwerk zu glimmen.“ Der Hunger plagte die Feuerwehrleute dabei ebenso wie die mangelhafte Ausrüstung: „Wir hatten immer nur 24 Stunden frei und konnten deshalb nicht hamstern fahren“, bedauert Flanhardt noch heute. Mehrmals pro Woche wurde die Feuerwehr zu Pferden gerufen, die vor Entkräftung zusammengebrochen waren. „Wir haben dann Pferdewesten gefertigt, mit denen wir die Tiere hochgezogen haben.“

Flanhardt wohnte damals über der Wache an der Werther Brücke und sprang deshalb auch an dienstfreien Tagen ein. Andere freie Kollegen wurden bei größeren Einsätzen per Taxi herbeigeholt. Einen schwer beladenen Lastwagen beförderten die Feuerwehrleute mit viel Geschick und Fantasie am Langerfelder Berg von den Schienen — Hydraulik-Kräne und -Scheren bekamen sie erst viel später.

Für die Beyenburger Feuerwehr setzte der Bastler einen Pkw-Motor in einen kaputten Lastwagen ein. „Der fuhr zwar nur 40 Stundenkilometer, aber für Beyenburg reichte das“, findet Flandhardt. Bis Dortmund klapperte er Autofriedhöfe ab, um Ersatzteile zu besorgen. Benzin holte er in Fässern aus Düsseldorf.

Die Freiwilligen Feuerwehren wurden erst nach und nach aufgebaut. Am Wochenende fuhr Flanhardt oft aufs Land, um die Bauern in der Feuer-Abwehr zu unterrichten. „Das war nicht schlecht, da kriegte ich ordentlich etwas zu essen.“ Im Laufe der Jahre entspannte sich die Situation dann und es konnte neues Gerät angeschafft werden. In den 70er Jahren präsentierte die Feuerwehr stolz ein ultramodernes Tanklöschfahrzeug, das sowohl Schaum als auch Wasser transportieren konnte.