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Schulden: Immer mehr Wuppertaler suchen Hilfe

Schulden: Immer mehr Wuppertaler suchen Hilfe

In die Verbraucherzentrale kommen Leute, die oft wegen Rechtsstreit, Schulden oder Gewinnspiel-Abzocke am Telefon nicht mehr weiterwissen.

Wuppertal. Frau E. hat keine Versicherungen, sie geht nie ins Kino, Sport treibt sie nicht. Sie meidet Dinge, die Geld kosten. Frau E. lebt in der Elberfelder Innenstadt, dort, wo junge Menschen am Vormittag Latte Macchiato trinken. Frau E. war schon lange nicht mehr in einem Café. Sie sagt, das mache nichts, bleibe sie eben zu Hause. Frau E. führt ein Leben als Zuschauerin.

Sie ist 53 Jahre alt. Vor zehn Jahren übernahm sie mit ihrem Mann ein Geschäft - und ging pleite. Mit einem Auto- und Verbraucherkredit hatte sie dann insgesamt 100.000 Euro Schulden. Briefe machte sie nicht mehr auf, beim Klingeln schreckte sie zusammen, sie wurde depressiv.

Niemals wäre sie in der Lage gewesen, die Schulden zu begleichen. Werner Bergmann und Heike Obereiner von der Verbraucherzentrale rieten Frau E. zur privaten Insolvenz. Mit dem, was nach der Pfändung ihres Gehalts einer Vollzeitstelle übrig bleibt, kommt sie zurecht. 2012 wird sie schuldenfrei sein. Frau E. ist kein Einzelfall. Bankenkrise, Firmenpleite und Kurzarbeit wirken sich auch im Bergischen aus. Im bundesweiten Vergleich sind Wuppertaler Haushalte überproportional oft verschuldet - das wirkt sich auf den Beratungsbedarf aus: allein 1860 Menschen suchten im vergangenen Jahr in der Schuldnerberatung der Verbraucherzentrale Rat.

Ein anderes Angebot, was derzeit sehr gefragt ist, ist die Rechtsberatung im Gesundheitswesen von Rechtsanwältin Hildegunde Bettecken. Nötig wurde die durch die Gesetzesnovelle von 2007: Seitdem sind gesetzliche wie private Krankenkassen verpflichtet, Menschen, die zeitweise nicht oder noch nie versichert waren, als Kunden aufzunehmen. "In den Köpfen der Verbrauchern ist nicht, dass sie häufig vom Zeitpunkt der Gesetzesänderung an rückwirkend Beiträge zahlen müssen", sagt Bettecken.

Problematisch gestalte sich, so Bettecken, ebenso die Nachweispflicht für die Wiederaufnahme in eine Krankenversicherung: "Wie soll eine 80 Jahre alte Frau beweisen, dass sie während ihrer Berufstätigkeit in den 50er Jahren Kundin einer Versicherung war?

Seelisch belastet suchte auch ein 71 Jahre alter Mann rechtlichen Rat. Immer wieder erhielt er unerwünschte Lotterie- und Gewinnspielversprechen am Telefon. Nicht genug: 15 Anbieter buchten ungefragt jeweils 60 Euro im Monat von seinem Konto ab. Das macht monatlich 900 Euro, was bei ihm mit einer Rente von gut 700 Euro Existenzangst auslöste. Auf Rat ließ er bei der Bank Rückbuchungen veranlassen - der Verbraucher hat sein Recht eingefordert.