1. NRW
  2. Wuppertal

Ritter Arnold ist heimgekehrt

Ritter Arnold ist heimgekehrt

67 Jahre nach der Zerstörung im Krieg steht das Standbild wieder am Elberfelder Rathaus.

Elberfeld. Mit Tüchern verdeckt steht er auf dem Neumarkt, bereit für den letzten Teil seiner Reise - Ritter Arnold ist zurück. Ganze 67Jahre war Elberfelds sagenhafter Gründer nicht an seinem angestammten Platz am heutigen Verwaltungshaus zu sehen. Doch in der Nacht zu gestern wurde der Ritter hoch zu Ross wieder auf sein Podest über dem Haupteingang gehoben - ein Kraftakt, für den der Neumarkt drei Stunden lang gesperrt werden musste - von 0.30 bis 3.30 Uhr.

Tieflader, Kranwagen sowie 20Mann sind nötig, um den Ritter nach Hause zu bringen - schließlich ist der erneuerte Arnold drei Meter hoch, wiegt 1,5 Tonnen und soll in sieben Metern über dem Markt thronen. Auf dem Platz ist es kalt und dunkel, als Arnold eintrifft, nur wenige Schaulustige haben sich mitten in der Nacht dorthin verehrt. Nur das Podest am Verwaltungshaus ist von Scheinwerfern angestrahlt. Hier stand der Ritter, als er 1943 den Bomben des Krieges zum Opfer fiel.

Viele Wuppertaler Bürger vermissten die Bronzestatue. So auch Hans-Joachim Camphausen. Er ist der Initiator dieses Projekts. "Ich bin ein alter Elberfelder Bürger. Ich kannte das Rathaus noch mit dem Ritter Arnold. Er hat einfach gefehlt.", sagt er. Deshalb beschloss er, die Figur zurückzubringen. Vor allem auch wegen dessen Bedeutung. Nach einer alten Legende gilt Ritter Arnold als Symbol für Treue - in diesem Fall zwischen dem Rat der Stadt und den Bürgern sowie umgekehrt.

Es geht los. Der Kranwagen schiebt seine Gabeln vorsichtig unter den Bauch des Pferdes. Die Männer gurten Arnold fest. Eine letzte Sicherheitsprobe, dann verlässt er den Boden. Vorsichtig fährt der Kranwagen auf die Fassade des Rathauses zu. Der bronzene Ritter erzittert. Langsam und mit Bedacht wird er in die Höhe gehievt. Ein spannender Moment, denn der Kranführer sieht nun nicht mehr, was über ihm vor sich geht - er ist auf die Anweisungen der Kollegen angewiesen. Camphausen steht gespannt am Zaun und beobachtet die letzten Meter der langen Reise. Vier Jahre war er mit dem Projekt Ritter Arnold beschäftigt.

Die meiste Zeit verbrachte Camphausen er damit, geeignete Vorlagen für einen Neu-Guss zu finden. Nach langer Recherche stieß er in Gera auf die Vorlagen des Künstlers Heinrich Günther, der den Ritter 1901 für das Elberfelder Rathaus erstellt hatte. Die Düsseldorfer Gießerei Kayser übernahm die Wiederherstellung des 270000 Euro teuren Standbildes. Jetzt kommt der spannende Moment: Passt die Statue in die Fassade?

Keine Frage, sagt Hans-Uwe Flunkert, Leiter des Gebäudemanagements: Nicht nur, dass das Podest vor Beginn der Rekonstruktion genau vermessen wurde, auch die Tragfähigkeit der Gebäudenische wurde genau geprüft: "Der Sockel der Statue passt genau auf das Podest."

Die Arbeiter steigen in die Feinarbeit ein, rufen Anweisungen, während Arnold zentimeterweise auf den Sockel zuschwebt. Ein paar Millimeter Korrektur noch, dann endlich passt alles. Arnold wird abgesetzt, die Gurte werden entfernt - die Reise ist zu Ende. Für die Elberfelder sichtbar ist er allerdings noch nicht: Noch in der Nacht wurde Arnold wieder verhüllt. Erst am Samstag um 13 Uhr wird Camphausen den Ritter feierlich der Stadt und den Bürgern übergeben.