Wuppertaler Schwebebahn: Orange-blaues Glück für die Realschule Vohwinkel

Wuppertaler Schwebebahn : Orange-blaues Glück für die Realschule Vohwinkel

Am Samstagmorgen wurde der alte Schwebebahnwagen vom Gleis genommen.

An diesem Morgen ist Muskelkraft gefragt. Acht Mitarbeiter schieben das noch auf den Schienen liegende Vorderteil des Wagens 24 in Richtung des großen Rolltors im Boden. Durch den über 15 Meter langen und vier Meter breiten Schacht soll es an Spezialkränen nach unten transportiert werden. Für die Demontage der einzelnen Wagenteile war im Vorfeld das Trennen der elektrischen Leitungen notwendig. Das Fahrgestell führt jetzt keinen Strom mehr. Daher muss kräftig angepackt werden, um das 12 Tonnen schwere A-Teil über das Rolltor zu bekommen.

Am Samstagmorgen um kurz nach 7 Uhr herrscht in der Vohwinkeler Schwebebahnwerkstatt bereits Hochbetrieb. Während das Stadtteilzentrum noch im Dunkeln liegt, wird in den großen Hallen der Abtransport der alten Schwebebahnen vorbereitet. Gleich zwei Wagen sollen in den kommenden Tagen einen neuen Besitzer bekommen. Dazu gehört die Realschule Vohwinkel, wo Schüler, Lehrer und Eltern schon lange sehnsüchtig auf das Wuppertaler Wahrzeichen warten. Für die zuständigen WSW-Mitarbeiter bedeutet die Auslieferung viel Arbeit und eine Sonderschicht am Wochenende. Auch wenn die Schwebebahn derzeit nicht fährt, gibt es einiges zu tun.

„Allein für ein Wagenteil brauchen wir in der Regel einen ganzen Tag“, erklärt Torsten Schröder. Er ist seit mehr als zwei Jahrzehnten im Geschäft und kennt die Abläufe beim Abnehmen der Wagen von der Schiene genau. Das sogenannte „Abgleisen“ ist auch bei der alle sieben Jahre stattfindenden Hauptuntersuchung notwendig. Vorher müssen Innenverkleidung, Decke und die ziehharmonikaartige Außenfaltenbälge mit Mittelteil des Wagens entfernt werden. Anschließend stehen der Ausbau der Batterien und das Trennen der Leitungen an.

Am 21. Februar wird die Bahn
in der Realschule aufgebaut

Dafür ist Andreas Kube zuständig, der bei fast 60 Kabelsträngen die Übersicht behalten muss. „Die Erfahrung hilft“, sagt Kube. Er ist seit 1992 für die Stadtwerke tätig und ebenfalls bestens mit allen Abläufen rund um die Schwebebahn vertraut. Nachdem sich die Klappe im Boden geöffnet hat – es handelt sich um eines der größten begehbaren Rolltore überhaupt — wird es spannend. Das A-Teil muss in die richtige Position gebracht werden, damit es beim Herunterlassen nicht aneckt und dadurch Schäden entstehen.

Zwischen dem Blech der Türmechanik und dem Schacht wird es richtig eng. „Ein kritischer Punkt ist auch das Risiko, dass die Achslager am Schienenträger hängenbleiben können“, erläutert Torsten Schröder. Daher ist Maßarbeit gefragt. Bevor die Kräne das Fahrgestell anheben, wird das Schwebebahnteil mit Gewichten in die richtige Position gebracht. Was zunächst nach einer Schieflage aussieht, begradigt sich, wenn die Bahn frei in der Luft hängt.

Danach beginnt die knifflige Fahrt nach unten. Langsam senkt sich der Wagen, während laute Kommandos durch die Wagenhalle schallen. Jetzt kommt es auf jeden Zentimeter an. Um möglichst präzise steuern zu können, sind die Kräne einzeln und parallel bedienbar. Schließlich kommt die Schwebebahn ohne Zwischenfälle ein Stockwerk tiefer an und wird auf einer Lore gelagert. Alle Beteiligten atmen erleichtert auf. Auch wenn vieles Routine ist, bleibt bei ihnen doch ein Kribbeln im Magen. „Es ist eben etwas ganz Besonderes, mit einem Fahrzeug zu arbeiten, dass es nur einmal auf der ganzen Welt gibt“, sagt Torsten Schröder.

Die Arbeit von ihm und seinen Kollegen ist aber noch längst nicht beendet. Jetzt geht es an die Demontage der Fahrgestelle und auch dabei gibt es einiges zu beachten. Vorsicht gilt etwa bei der durch die Mechanik auf starker Spannung gehaltenen Feder. Diese gleicht bei der Fahrt ähnlich wie ein Stoßdämpfer Unebenheiten aus und kann bei unsachgemäßer Behandlung schnell ein Eigenleben führen. Wenn alles fertig ist, werden die drei Teile der Schwebebahn auf Tieflader verfrachtet und treten ihren Weg zum Zielort an. Bis zum Sommer werden noch zehn der 25 alten Wagen ausgeliefert.

An der Realschule Vohwinkel wird die Bahn am 21. Februar in den frühen Morgenstunden ankommen. Die Wagenteile sollen mit zwei Spezialkränen im Schulgarten an der Blücherstraße einschweben. Unter anderem entstand ein Fundament mit einem Stahlgerüst, auf dem die Waggons an vier Stellen aufliegen. Für die komplexe Umsetzung wurde die Schule unter anderem von einem Architekt, einem Baustatiker und einem Landschaftsbauunternehmen unterstützt.

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