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Mit der Straßenbahn ging es einst direkt zur Wuppertaler Stadthalle

Stadtgeschichte : Die Straßenbahn fuhr einst bis vor die Stadthalle

Das riesige Straßenbahnnetz ist Stück für Stück zurückgebaut worden.

Mit der Straßenbahn zum Konzertbesuch bis vor die Stadthalle zu fahren - das war bis vor 50 Jahren auf der Strecke zwischen Elberfeld und Cronenberg möglich. Doch nach der letzten Fahrt am 6. April 1970 wurden die Schienen aus dem Boden gerissen und damit das Ende der 1900 in Betrieb genommenen „Elektrischen Straßenbahn Elberfeld - Cronenberg - Remscheid“ besiegelt. Das Foto von Kurt Keil zeigt den Abbau der Gleise 1970, und lässt erahnen, wie komfortabel die Anreise mit der Straßenbahn zum Johannisberg aus beiden Richtungen einst gewesen ist

Mit der Verbindung von Elberfeld nach Cronenberg fiel eine der Hauptstrecken des Straßenbahnnetzes weg. Das Netz wies nach dem Krieg eine Gesamtlänge von 175 Kilometern auf und war damit das sechstgrößte in Deutschland. Von 1948 bis zur Stilllegung 1987 wurde das Straßenbahnnetz in Etappen ausgedünnt - ein Tod in Raten. 1984 verschwanden die Linien zwischen dem Berliner Platz und der Weiherstraße, Heckinghausen - Lenneper Straße, Werléstraße - Dieselstraße, Alter Markt - Bahnhof Oberbarmen - Rauentaler Brücke sowie die Linie zwischen der Loher Straße und dem Klinikum Barmen. Am 30. Mai 1987 war dann Schluss für die Linien 601 (Heckinghausen - Wieden) und 611 am Robert-Daum-Platz.

Nicht überall folgte der Stilllegung einer Strecke der zeitnahe Abbau der Schienen. Und das ist vielen Wuppertalern bis heute in unliebsamer Erinnerung geblieben. Besonders auf der Talsohle ließ der Rückbau von Schienen und Gleisköpern noch Jahre nach dem Ende der Straßenbahn auf sich warten. Bei Regen, Schnee und Eis konnte insbesondere für Zweiradfahrer die Fahrt über die Friedrich-Engels-Allee in Unterbarmen zur gefährlichen Rutschpartie werden. Wo es die Breite des Straßenraums zugelassen hatte, war die Strecke auf der Talachse auf einer Länge gut ausgebaut. Nach der Stilllegung der Straßenbahn war der Bahnkörper aber zum trennenden Fremdkörper geworden.

Schnelle Lösungen waren zunächst nicht in Sicht, denn die Stadt plante Mitte der 1980er Jahre einen ganz großen Wurf mit der Umgestaltung der Talachse. Die Pläne sahen zum Beispiel vor, den Autoverkehr unter den Alten Markt und unter den Döppersberg zu führen, fanden aber keine Mehrheit im Wuppertaler Stadtrat.

Dem Oberbarmer Geschäftsmann Friedrich Döll dauerte das alles viel zu lange. Er forderte schnelle Lösungen für die Berliner Straße, die auf ganzer Länge durch die ungenutzten Schienen der Straßenbahn in zwei Hälften geteilt wurde. Eine Trennung, die von der Geschäftswelt in Oberbarmen insgesamt stark kritisiert wurde, denn der Schienenstrang in der Mitte der stark befahrenen B7 bildete bis auf die wenigen Fußgängerüberwege ein fast unüberwindliches Hindernis für die Passanten.

Nach energischen Protesten der Oberbarmer Händler nahm die Stadt den ersten Angriff des Umbaus der B7 zwischen Berliner Platz und dem Geschwister-Scholl-Platz in Angriff. Der trennende Bahnkörper wurde zurückgebaut, die Straße erhielt ihr heutiges Gesicht. Allerdings endete an der Werther Brücke der Umbau der B7. Eine verpasste Chance, denn während zum Beispiel in Düsseldorf in diesen Jahren der Rheinufertunnel mit Landesmitteln gebaut wurde, herrschte in Wuppertal städtebaulicher Stillstand.

So gingen 20 Jahre ins Land, bis mit dem Umbau des Döppersbergs einige Ideen aus den 1980er Jahren wieder aufgenommen wurden. Doch damals stieß der Gedanke, die Menschen raus dem Tunnel zu holen und die Autos unter die Erde zu verbannen, noch auf taube Ohren.

Es dauerte Jahrzehnte, bis das Straßenbahnnetz aus allen Stadtteilen tatsächlich verschwunden war. Einen vorerst letzten Gruß der Straßenbahn fanden die Bauarbeiter an der Nevigeser Straße im Jahr 2016. Unter einer Asphaltschicht tauchten die rostigen Metallstränge zwischen Pflastersteinen auf. Sie landeten auf dem Schrott.