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Wuppertal: Viele Wünsche nach Corona-Tests werden nicht erfüllt

Wuppertal : Corona: Viele Wünsche nach Tests werden nicht erfüllt

Die Kapazitäten sind begrenzt, das Gesundheitsamt ist telefonisch nur schwer erreichbar.

Atessa Sadrai (54) und ihrem Mann Bernd Struck (60) geht es schon wieder besser. Sie kamen Anfang März aus dem Südtirol-Urlaub krank zurück - da galt die Region noch nicht als Risiko-Gebiet. Sie wurden krank geschrieben, blieben zu Hause, waren aber einkaufen. Auf das Coronavirus wurden sie nicht getestet. „Was ist, wenn wir jemanden angesteckt haben?“, fragt sich Atessa Sadrai. Wie ihr geht es vielen, die gern Gewissheit hätten. Aber wegen der begrenzten Test-Kapazitäten werden nur ganz bestimmte Personen getestet.

Stadtsprecherin Martina Eckermann erläutert: „Es gelten nach wie vor die Kriterien des Robert-Koch-Instituts.“ Danach müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die Person muss Symptome haben und entweder in einem Risikogebiet gewesen sein oder Kontakt mit jemandem gehabt haben, der nachgewiesen infiziert ist. Das Petrus-Krankenhaus weist auch noch mal darauf hin, dass Patienten ohne diese Kriterien erst dann im Krankenhaus vorstellig werden sollen, wenn sie schwere Symptome wie Luftnot oder starke Kreislaufbeschwerden haben.

Die Kriterien erfüllten Atessa Sadrai und ihr Mann bei ihrer Rückkehr nicht. Als Südtirol einige Tage später zum Risikogebiet erklärt wurde, wollten sie nachfragen, ob für sie auch Quarantäne gelte. Aber drei Tage lang kam sie telefonisch nicht durch, erst eine Mail ans Gesundheitsamt brachte Erfolg. Eine Ärztin erklärte dann, sie könnten sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Es soll einen Test geben, aber einen Termin hat das Paar noch nicht.

Geschäftspartner verlangt Negativ-Bescheinigung

Einen Test wollte auch Projektentwickler Uwe Dinsing machen. Er hat Grippesymptome und sagt, er habe ständig Kontakt mit Kunden aus aller Welt, etwa Italien, Spanien, Frankreich, auch China. „Ich war nicht in einem Krisengebiet, aber ich habe Krisenkunden“, erklärt er. Beim Gesundheitsamt habe man ihn gefragt, ob er nachweisen könne, dass einer dieser Kunden infiziert ist. „Woher soll ich das wissen?“, fragt Dinsing empört. 

Jetzt fragt er sich, ob er wichtige Termine absagen soll. Etwa ein Treffen mit einem Partner aus Dänemark, bei dem es um ein sehr großes Projekt gehe. Doch der wolle nur kommen, wenn Dinsing ihm bescheinigt, dass er nicht infiziert ist. Dass er nicht getestet wird, „finde ich einen ziemlichen Scherz“, sagt Dinsing. Er denkt sogar darüber nach, einen Anwalt einzuschalten.

Auch in kleinerem Rahmen gibt es solche Sorgen. Die Mutter eines jungen Bankangestellten findet es unverantwortlich, dass ihr Sohn mit Erkältungssymptomen nach einigen Tagen Krankschreibung am Montag wieder arbeiten soll. „Da kommen lauter alte Menschen“, sagt sie. Die könne ihr Sohn doch anstecken. Aber auch ihrem Sohn wurde beim Gesundheitsamt erklärt, dass er die Test-Voraussetzungen nicht erfüllt. Die Mutter berichtet, nur bei hohem Fieber und starken Gliederschmerzen könnte der Hausarzt einen Test veranlassen. 

Auch eine Krankenschwester ärgert sich. Sie hat Husten und Fieber, brauchte viel Geduld, bis sie jemanden erreichte. Ihr wurde ein Test zugesagt, aber einen Termin hat sie noch nicht. Sie beklagt: „Ich weiß, dass unheimlich viel zu tun ist. Aber sollte ich positiv getestet werden, wäre es ja von Vorteil, es zeitnah zu wissen, da ich ja Kontakt zu Patienten hatte, die zur Hochrisiko-Gruppe gehören.“ Auch ihre Kollegen müssten informiert werden. „Ich verstehe nicht, dass das so schlecht organisiert ist.“