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Künstler machen den Wuppertaler Zoo zur Bühne

Kultur : Künstler machen den Zoo zur Bühne

Im Rahmen des „Somma’21“-Festivals sind 13 Kulturschaffende zwischen Vögeln und Raubtieren aufgetreten.

Die großen und kleinen Zoo-Besucher merkten schnell, dass am vergangenen Sonntag etwas Besonderes los war. Kaum hatten sie die Kasse passiert, kam ein Gesang zu ihnen herübergeweht, der definitiv nicht aus einem der Vogelhäuser stammte. Tatsächlich gehörte die volle Stimme Annette Konrad. Während die Künstlerin sonst mit ihrer „Swing Kabarett“-Band auftritt, sang sie jetzt solo unter freiem Himmel – quasi als Begrüßungsmusik – Evergreens der 20er bis 40er Jahre.

Damit war Konrad nur eine von 13 Kulturschaffenden, die das gesamte Zoo-Areal zu ihrer Bühne machten. Diesen Beitrag zum „Somma‘21“-Festival haben sich Eckehard und Tine Lowisch von der Kunststation in Vohwinkel ausgedacht. Es biete sich an, so die beiden Initiatoren, den „beliebten Klassiker“ Zoo-Besuch zu erweitern – „um experimentelle, künstlerische Formate“, die im Rahmen der Infrastruktur und dem Sicherheitskonzept des Zoos abliefen.

Kurze Performances
den Tieren zuliebe

Entsprechend setzten Musiker und Tänzer auf kurze Performances, um die Tiere nicht zu stören. So wartete Solist Andreas Bär, der sich bei den Raubtiergehegen aufhielt, bis Konrad ihren Part gesungen hatte. Erst dann griff er zu seinem Saxophon und spielte – was hätte besser passen können? – eine Melodie aus dem „Dschungelbuch“-Film. Gerald Hacke und Nicola Hammer vertraten das Sinfonieorchester Wuppertal und musizierten gemeinsam am „Aralandia“, der größten Freiflug-Voliere für Papageien in Europa.

Thusnelda Mercy und Pascal Merighi von der Barmer „Tanzstation“ hatten ihren Pop Up-Auftritt in einem Waldstück zwischen den Gehegen. Da wurde eine Baumgruppe zur Kulisse für ausdrucksvolle Drehfiguren und Sprünge. Auf der Bühne der „Konzertmuschel“ konnte man Sänger und Schriftsteller Max Christian Graeff erleben – aber auch hier nur, wenn man den richtigen Moment erwischte. Denn feste Auftrittszeiten gab es nicht.

Dann gab es da noch Künstler, die die Gehwege zu ihrem Parcours machten. Zum Beispiel Lore Duwe, die eine Kittelschürze trug und sich als Putz- und Toilettenfrau vorstellte. Sie habe viel zu tun, erklärte die Schauspielerin, schließlich müsse sie noch den „ganzen Zoo abstauben“.

Besucherin Birgit Evers ließ sich von ihr gern in ein Gespräch verwickeln und hörte amüsiert zu, als Duwe die vielen Oberbürgermeister aufzählte, denen sie schon persönlich begegnet sei. Überhaupt fand Evers den Zoo als Kulturort „sehr interessant“. Als sie aus den Medien vom Programm erfuhr, hatte sie sich direkt für einen Besuch entschieden. Was für Evers, die eine Jahreskarte für den Zoo hat, eine echte Ausnahme ist: „Ich geh sonntags eigentlich nie hierhin.“

Damit Duwe ihre Rolle glaubhaft darstellen konnte, hatte ihr Eckehard Lowisch ein Toilettenhäuschen eingerichtet. Allerdings eines der besonderen Art – unter anderem mit von ihm gefertigten Duwe-Büsten. Mehr von Lowisch konnte man an der Emu-Wiese sehen. Ihm gefiel die Anlage so gut, dass er dafür aus Marmor und Kalkstein gleich mehrere Werke schuf – schwarz und weiß wie ein Zebra.

„Für mich ist das hier so idyllisch“, sagte der Künstler. „Das hat etwas von einem Skulpturenpark.“ Das Löwengehege wiederum hat Katharina Maderthaner und Christian Schreckenberger vom „Neuen Kunstraum Düsseldorf“ zu einer Open Air-Ausstellung inspiriert.

Kunstwerke sollen
länger im Zoo bleiben

Die gezeigten Objekte, Skulpturen und Installationen, so ist die gemeinsame Hoffnung der Bildenden Künstler, sollen über den Tag der Veranstaltung hinaus im Zoo verbleiben – je nach ihrer jeweiligen Beschaffenheit und Ausformung und in Absprache mit den Vertragspartnern.