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Duschvorhang statt Leinwand: Birgit Pardun in der Wuppertaler Bandfabrik

Kultur : Ein Duschvorhang als Leinwand

Für das Backsteingebäude hat Pardun zwei Bilder gemalt und an die hohen Fenster gehängt, die zum Garten rausgehen. Der Clou der neuen Arbeiten ist das Material.

Ausstellen – das bedeutet für Birgit Pardun nicht nur, ihre Bilder an die Wand zu hängen. Die Künstlerin will „den Raum nutzen und sehen: Was bringt er ein?“ Der Ort ihrer Ausstellung „Mal sehen, was die Zukunft so bringt“ ist die Bandfabrik in Langerfeld. Für das Backsteingebäude hat Pardun zwei Bilder gemalt und an die hohen Fenster gehängt, die zum Garten rausgehen. Der Clou der neuen Arbeiten ist das Material: Statt auf Leinwand prangen die Farben auf transparenten Duschvorhängen. So hat der Betrachter gleichzeitig Kirschbaum und Wiesengrün im Blick, und ähnlich wie bei einem Kirchenfenster entfaltet das eindringende Licht seine Wirkung.

„Haltung zur Lage: Aussitzen“ heißt ein Teil des Diptychons – und den plakativen Titel muss man nicht ernstnehmen. Für die Künstlerin ist „Aussitzen“ keine Option: „Es kommt darauf an, dass man ins Tun kommt.“ Ihre Aktivität hat sie während des Corona-Lockdowns bewiesen. Mit dem Fotografen und Filmemacher Frank N organisierte sie das Projekt „Out and about“, bei dem zeitweise 100 Künstler Plakatwände in Ausstellungsflächen verwandelten. Zuletzt hat sich Pardun mit einem Wandbild an der Umgestaltung des Helene-Weber-Platzes beteiligt.

Auch wenn es um „Kunst für drinnen“ ging, hat sie weiter experimentiert. Neben den Fensterbildern hängen in der Bandfabrik Arbeiten, die mit grafischen Elementen aufwarten und dadurch den Reiz von Wimmelbildern haben. Das Gegenstück zum transparenten Kunststoff ist dunkle Baumschutzfolie, die bei einem anderen Großformat den Hintergrund bildet. „Hier habe ich auch einen Graphitstift verwendet“, verrät Pardun. „Den kann man aber nur sehen, wenn man von der Seite drauf schaut.“

Wie viel Humor in Parduns Schaffen aus dem Zusammenspiel von Komposition und Titel entsteht, hat die Publizistin Anne-Kathrin Reif schon vor einigen Jahren beschrieben. Gerade da, wo die Bilder auf gesellschaftliche Probleme hinweisen, sind Anspielungen und Wortspiele nicht weit – von „Mensch essen Erde auf“ bis „Mit unseren Tränen lassen wir den Wasserspiegel ansteigen“.

Dabei sind es die Zeichnungen, die von der Prägnanz ihres neuen Stils zeugen. „Mal sehen was die Zukunft so bringt“, die der Schau den Namen gibt, stellt zwei Cartoon-artige Figuren in die Bildmitte. Die recken die Hälse steil nach oben, als ob sie sich fragten: Kommt das Gute tatsächlich von oben – oder ist mit dem Gegenteil zu rechnen?

Die Ausstellung ist noch bis Ende des Jahres zu sehen: Schwelmer Straße 133, dienstags 12 bis 15 Uhr und nach Vereinbarung unter

mail@orangsch.de