Diese Wuppertaler Läden bieten nachhaltige Kleidung

Einkaufen : Diese Wuppertaler Läden bieten nachhaltige Kleidung

Wer in Wuppertal ökofair einkaufen will, hat ein paar Läden zur Auswahl. Wir stellen zwei Beispiele vor.

Nachhaltig produzierte Kleidung ist in Wuppertal gar nicht so leicht zu bekommen. Zumindest nicht, wenn man auf Läden aus ist, die sich Nachhaltigkeit zum Prinzip gemacht haben. Wer Greenpeace fragt, wird auf eine Liste mit Second-Hand-Läden verwiesen – eine für Läden mit nachhaltiger Kleidung gibt es nicht. Aber solche Geschäfte gibt es trotzdem – kleine Läden mit kleiner Auswahl. Keine Konkurrenz zu den Ketten in der Innenstadt, aber doch Gegenbeispiele für anderen Konsum.

Wer bei Jennifer Isenberg in das Ladenlokal kommt, wird erstmal von den Hunden begrüßt – Wolle und Milli. Dahinter eröffnen sich Farben- und Musterwelten abseits des Trends. Isenberg verkauft nachhaltige Mode für Kinder und deren Mütter, ein paar Sachen auch für Männer. Ihr Laden heißt Frau Wunder und liegt an der Luisenstraße 85.

Ihr Sortiment bestehe zu 100 Prozent aus nachhaltiger Kleidung für Kinder, zu 80 Prozent bei der für Erwachsene, sagt Isenberg. Das entspricht einem Trend in Teilen der Gesellschaft. Aber ihren Laden gibt es seit zwölf Jahren – Eintagsfliegen sehen anders aus. Für sie ist es wichtig, nachhaltige Produkte anzubieten, sich mit der Produktion zu befassen, zu wissen, wo die Sachen herkommen und sicher sein zu können, dass die Dinge, die sie anbietet, ohne Schadstoffe hergestellt werden.

Klar sind die Sachen damit ein wenig teurer als bei den großen Modeketten. Bodys für Kinder gibt es für rund 20 Euro, Pullover für knapp 70. „Für Markensachen anderswo zahlt man das auch“, sagt Isenberg. Für Frauen gibt es etwa Kleider für 69,95 Euro oder T-Shirts ab 29,95 Euro. Alle Sachen sind zertifiziert. Der Markt wachse, sagt Isenberg. Aber eben in einem gesunden Maß. Auch weil man sich bei höheren Preisen nicht so viele Sachen kauft. Das ist auch Teil des Prinzips. „Wir brauchen nicht so viel“, sagt Isenberg generell zum Konsum. Also lieber weniger kaufen, länger tragen.

Auch Greenpeace stimmt ein: „Für eine wirkliche Verbesserung für Mensch und Umwelt braucht es eine Konsumwende, das heißt weniger Kleiderkäufe und dafür aus nachhaltiger Produktion und in besserer Qualität“, sagt Stephanie Walter von Greenpeace Wuppertal.

Das sieht auch Paul Suski vom Wuppertal Institut so. Der Doktorand aus der Abteilung Nachhaltiges Produzieren und Konsumieren sieht zwar viele Möglichkeiten für „alternative Handlungsmuster“ in Sachen Kleiderkauf, weil viele Firmen und Initiativen sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Aber ob das wirklich Engagement ist oder „Greenwashing“, das stehe auf einem anderen Blatt. Gleichzeitig stellt er generell den Konsum in Frage: Wie oft muss ich Neues kaufen? Wie lange will ich das tragen? Ständig den Kleiderschrank den neuen Trends anzupassen, könne nicht nachhaltig sein. Er rät zu zeitlosem und hochwertigem Konsum.

Das Wuppertal Institut habe mal eine Umfrage gemacht, wie viele Kleidungsstücke Menschen hätten. „Die Leute sind erschrocken gewesen“, sagt Suski. Wie viel man habe, sei einem oft gar nicht bewusst. Als die Teilnehmer dann gesehen hätten, dass sie etwa 70 Paar Socken haben, hätte das schon die Frage aufgeworfen, ob man die alle braucht.

Auch wer 70 ökologisch produzierte Paar Socken hat, verbraucht Ressourcen. Deswegen ist Nachhaltigkeit nicht nur Bewusstsein für den „richtigen“ Konsum, sondern auch in Teilen zumindest Zurückhaltung. Dass das auch Gewerbetreibende wie Jennifer Isenberg so sehen, spricht für sich.

Auch Johannes Wächter von der Manufaktur „Mit Hand und Herz“ vom Ölberg sieht das so. Er ist Siebdrucker. Also Teil einer Branche, die nicht durchgehend für Nachhaltigkeit bekannt ist. Er wollte es anders machen. Er und seine Geschäftspartnerin Bea Meder setzen auf Nachhaltigkeit durch die ganze Produktpalette. Die Baumwolle ist bio, die Kleidungsstücke sind alle zertifiziert, die Farben für den Druck auch. Das Abwasser wird gefiltert, bevor es im Abfluss landet. Und der Kaffee kommt von der Gepa. Auf der Homepage steht dazu: „Wir haben unsere Prinzipien.“

Für Wächter geht es um einen ganzheitlichen Lebensstil, der sich im Laden bei Produkten von T-Shirts (ab 17 Euro) über Jutebeutel (ab 12 Euro) bis zu Bambus-Zahnbürsten spiegelt. Aber Moralpostel wolle er nicht sein. „Ich habe auch Sachen, die nicht öko sind“, sagt er. Aber er trage die Sachen eben auch, bis sie kaputt seien. „Für mich ist das kein Trend“, sagt er. Und darin liegt am Ende das Geheimnis. Denn Trends sind selten nachhaltig.

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