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Düsseldorfer Mode-Label „Wunderwerk“ setzt auf Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit : Düsseldorfer Label „Wunderwerk“ setzt auf Nachhaltigkeit

Weder Mensch noch Natur sollen für die Kleidung von Heiko Wunders „Wunderwerk“ leiden. Teurer als gängige Marken sind seine Jeans nicht.

Heiko Wunder wollte es richtig machen. Bei seinem eigenen, nachhaltigen Modelabel sollte die Nachhaltigkeit nicht beim Stoffeinkauf aufhören. Auch der Produktionsweg soll umwelt- und ressourcenschonend sein. Und das betrifft eben auch die Weiterverarbeitung. Er glaubt, dass nachhaltige Mode die Zukunft ist. Bei seinem Label jedenfalls hat sich der Erfolg schnell eingestellt. Wunder betreibt eigene Geschäfte in Düsseldorf, Berlin und Frankfurt und beliefert auch Läden im EU-Ausland. Einen Onlineshop hat er auch.

Doch der Weg zum eigenen Label war nicht einfach. „Die Idee, etwas Eigenes zu machen, hatte ich eigentlich schon mit Anfang 20“, sagt er. Auch den Namen habe er damals schon im Kopf gehabt – Wunderwerk, wegen des eigenen Nachnamens. Doch bis es so weit war, hat es noch eine ganze Weile gedauert. Als Produktspezialist und Manager arbeitete Heiko Wunder viele Jahre bei namhaften Modefirmen, darunter Esprit, Tom Tailor oder O’Neill. „Da habe ich gut verdient – das hinter sich zu lassen und neu anzufangen, ist nicht leicht gewesen“, sagt er. Doch die Produktionsbedingungen, auf die er während seiner Arbeit immer wieder in Fernost gestoßen ist, haben irgendwann zur Entscheidung geführt, sich davon zu verabschieden.

Wunderwerk und die zugrundeliegende Rheinstoff GmbH gibt es seit 2013. Die Räume der Zentrale an der Ackerstraße – hinter dem eigentlichen Laden – sind in schlichtem Industriestil gehalten, die Kleidung hängt an Stangen von der Decke oder liegt auf rustikalen Holztischen. Wunder selbst sitzt an einem dieser Tische und geht sein eigenes Outfit durch. Hemd, Jeans, Kapuzenpulli – alles von der eigenen Marke. Zufall sei das, sagt er, er trage auch andere Sachen. Auch wenn er in manchen seiner Jeans regelrecht wohne.

Die Jeans scheinen eine Art Steckenpferd des Labels zu sein – obwohl es hier quasi alles vom schlichten T-Shirt über den lockeren Anzug bis zur Regenjacke gibt. Doch bei den Jeans gibt es offenbar besonders viel Bedarf, Nachhaltigkeit einziehen zu lassen. Färben, waschen, bleichen, den typischen „used Look“ herstellen – all das verbrauche riesige Mengen Wasser und Chemie, die nicht nur die Umwelt belastet, sondern auch die Menschen, die am Kleidungsstück arbeiten müssen. Doch das war Heiko Wunder wichtig: Dass bei der Herstellung seiner Kleidung Mensch, Tier und auch die Umwelt nicht leiden müssen.

Eine gebleichte, konventionell hergestellte Jeans verbrauche zum Beispiel 160 bis 180 Liter Wasser. Mal abgesehen davon, dass das Abwasser dann voller Chemikalien sei – meist kommen Chlor und Kaliumpermanganat zum Einsatz – ist das eine ziemliche Menge. Die Wunderwerk-Jeans verbrauchen, so Heiko Wunder, weniger als zehn Liter. Grund dafür sei eine spezielle Waschtechnik, die das Wasser eher auf die Hose sprühe, als sie zu durchfließen. Seine Jeans kosten 99 bis 149 Euro. Also vergleichbar mit dem, was auch die gängigen Marken mit konventioneller Herstellung aufrufen. Ein Pullover für Damen kostet bei ihm schon etwa 100 Euro, ein Mantel etwa 280. Ein Herrenhemd liegt ebenfalls bei 100 Euro.

Es gebe von vielen Firmen gute Ansätze, sich zu verbessern, sagt Wunder. Doch was nütze die Biobaumwolle, wenn sie hinterher mit Chemie behandelt werde, die dann wieder in irgendeinem Fluss entsorgt wird? Heiko Wunder will das anders machen. Er sucht nach vernünftigen Stoffen und Garnen, die nachhaltig produziert werden, nach Farben, die zertifiziert sind, nach Produktionswegen, die weniger Wasser und keine Chemie verbrauchen und nach Material, das ohne Plastik auskommt. So tragen die Jeans Knöpfe aus Steinnuss oder Metall, die in Augsburg und Wuppertal hergestellt werden, die Reißverschlüsse kommen von einem kleinen Hersteller in Ostdeutschland. Abstriche bei der Mode, beim Look der Kleidung, kommen für den langjährigen Experten dabei nicht in Frage.

Dass es für den Kunden schwierig sein kann, den Überblick zu behalten und herauszufinden, welche Label wirklich nachhaltig sind und welche nur erste Schritte machen, das kann Heiko Wunder nachvollziehen. Trotzdem sieht er den Verbraucher am längsten Hebel, wenn es darum geht, an Produktionsbedingungen und Nachhaltigkeit der Mode zu verändern. „Der Druck muss vom Verbraucher ausgehen“, sagt er. Seiner Erfahrung nach seien die auch oft schon weiter, als etwa die Einkäufer großer Ketten. Insgesamt, so glaubt er, wird sich die Mode aber in eine wesentlich nachhaltigere Richtung entwickeln, als es heute der Fall ist.