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Social Media: Wenn Vereine sich im Netz verheddern

Social Media : Wenn Vereine sich im Netz verheddern

Das Internet bietet für Sportvereine Chancen, aber auch Risiken. Das erlebt gerade der VSTV.

Wer neben dem sportlichen Angebot keinen modernen Internetauftritt hinlegt, gilt heute auch in der Welt der Sportvereine als veraltet. Viele nutzen inzwischen die vielfältigen Möglichkeiten der Sozialen Medien von Facebook über What’s App bis Twitter, um im Mannschafts- und Vereinskreis untereinander zu kommunizieren, sich aber auch nach außen darzustellen.

Die Chancen sind groß, doch auch die rechtlichen Risiken, vor allem seit die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die im Mai 2018 in Kraft trat, die Regeln zum Schutz persönlicher Daten enger gezogen hat. Hinzu kommt, dass das „Netz nichts vergisst“, mögliche Verfehlungen also auch nach Jahren noch bitter aufstoßen können. Das musste jetzt der Vohwinkeler STV erfahren, dem über einen Leipziger Anwalt eine Zahlungsauforderung über rund 1700 Euro ins Haus flatterte, wegen angeblich nicht beachteter Bildrechte. „Wir haben 2011 im Zusammenhang mit dem damaligen Bürgerbad ein frei nutzbares Agenturbild in unserer Vereinszeitschrift verwendet, den Namen der Fotografin aber nicht direkt neben dem Bild, sondern an anderer Stelle genannt“, berichtet Sigrun Leisner, hauptamtliche Geschäftsführerin des fast 2000 Mitglieder starken Vereins aus Wuppertals Westen.

Ein Abmahnanwalt
schaltete sich ein

Das wäre wohl nicht weiter aufgefallen, hätte man nicht die Vereinszeitschriften als Service für die Mitglieder auch in digitalisierter Form ins Internet gestellt. Dort fand sie offenbar ein Leipziger Anwalt, der für Abmahnverfahren bereits bekannt ist. Beim VSTV hofft man nun, mit einem Vergleich glimpflich davonzukommen. „Das war ja nur ein kleiner formaler Fehler, es gibt keinen Geschädigten“, sagt Sigrun Leisner. Konsequenzen hat ihr Verein dennoch gezogen. „Wir haben alle Vereinszeitschriften aus dem Netz genommen, das war ein Zehn-Jahres-Archiv. Ich habe nicht die Zeit, alle auf derartige Fehler durchzuschauen“, so Leisner. Auch dulde der Verein inzwischen nicht mehr, dass die Abteilungen im Internet ein Eigenleben führen. Leisner: „Es gibt nur die Vereinshomepage, auf die die Abteilungen auf Unterseiten Zugriff haben.“ Bei Facebookauftritten empfehle man, nur selbst gemachte Bilder zu verwenden und vorher abzuklären, ob die abgebildeten Personen einverstanden seien.

„Grundsätzlich sollte jeder Vorstand darauf bedacht sein, dass es eine zentrale Überprüfung der Inhalte im Sinne des Gesamtvereins gibt, denn letztlich sind sie verantwortlich“, rät Volkmar Schwarz, Geschäftsführer des Stadtsportbunds. Generalisieren könne man dabei freilich nichts: „Das sind dann Einzelfälle, die einer juristischen Prüfung bedürfen“, so Schwarz, der darauf hinweist, dass Stadtsportverband und Landessportbund im Zuge der Datenschutzgrundverordnung auch zu rechtlichen Themen viele Beratungsangebote gemacht habe. Die Frage ist allerdings, welcher Ehrenamtler sich durch teilweise seitenlange Vorschriften wühlt. „Einen gewissen Schutz vor Fahrlässigkeit hat der Gesetzgeber für das Ehrenamt auch eingebaut“, weiß Kurt Reinarz, der sich mit um die Vereinszeitschrift des ASV kümmert.

„Die Vereinsseiten leben von der Aktualisierung, das bedeutet aber Aufwand, und es ist immer schwierig, Leute dafür zu finden“, sagte Thomas Janssen, Vorsitzender des SSV Germania auf dem Neujahrsempfang des ASV, als es um das Thema Neue Medien und Sportverein ging. Auch er findet es ganz wichtig, die Interessen des Gesamtvereins zu wahren, ohne dass einzelne Abteilungen, die möglicherweise einen sehr regen Administrator haben, ihr unkontrolliertes Eigenleben führen. Wohin das führen kann, wusste der Handballkreisvorsitzende Werner Kanetzky zu berichten. Die Mannschaft eines bergischen Vereins habe auf Facebook umfangreiche Ankündigungen die nächsten Spiele gemacht. Dabei seien wohl zum Teil auch Beleidigungen der Gegner gepostet werden, was für viel Ärger sorgte. Und wie schwierig es ist, Inhalte wieder löschen zu lassen, weiß jeder, der sich mit Facebook näher beschäftigt.