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Bildmanipulationen treffen in Wuppertaler Galerie auf Malerei

Ausstellung : Bildmanipulationen treffen auf Malerei

Bei Friedrich und Ebert sind derzeit und noch bis 14. November Werke des Hamburger Künstlers Thorben Eggers zu sehen.

Die aktuellen Arbeiten des in Hamburg lebenden Malers Thorben Eggers, einem Meisterschüler von Eberhard Havekost an der Kunstakademie Düsseldorf, zeigen am Rechner als Bildverschiebungen und sich digital überschneidende Fenster zerstückelte und komprimierte Bilder, die später auf Leinwand übertragen einen physisch haptischen Eindruck hinterlassen. Die Galerie Friedrich + Ebert an der Wuppertaler Friedrich-Ebert-Straße 236 präsentiert die 15 Kunstwerke samstags, jeweils von 12 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung, bis 14. November.

Orientiert an Fotovorlagen ergeben sich bei den Formleinwänden sehr flache, cleane Oberflächen. Hier ist es neben den Verschiebungen die Entgrenzung der Leinwand, die den Künstler interessieren. „Bei den Arbeiten von 2018 oder 2019 habe ich die Form selbst bestimmt. Bei den Bildverschiebungen in Photoshop setzt ein Algorithmus die Bilder selbstständig zusammen“, beschreibt Thorben Eggers die Herangehensweise der aktuellen Arbeiten.

Er definiere lediglich die Bildbereiche, ehe bis zu 70 Varianten am Rechner entstehen. Die Übertragung dieses kreativen Planungsprozesses auf Leinwand in Öl sei eher nüchtern: „Das ist sehr unromantisch und hat nichts mit dem malenden Künstler, der mit einem Glas Rotwein vor seinem Werk sitzt, zu tun“, sagt Eggers mit dem Hinweis der Fokussierung aufs Digitale. Das Bedürfnis, dies individuell und authentisch umzusetzen, interessiere ihn gleichwohl.

Das Konzeptuelle an seiner Kunst interessiert auch Galerist Steffen Peter: „Eggers untersucht die Möglichkeiten von Malerei in Zeiten allgegenwärtiger digitaler Bildproduktion und -manipulation. Mit dem Pinsel lässt er zuvor am Computer erstellte Kompositionen Wirklichkeit werden.“

Neben einem Stick, der ein Zitat eines ursprünglichen Kunstwerkes von Robert Rauschenberg in Form einer ausradierten Zeichnung von Willem de Kooning, sozusagen der homöopathischen Potenz des Werkes mit dem Titel „Erase erase de Kooning“ beinhaltet, stellt sich die Frage: Ist auch die vernichtete Zeichnung noch ein Kunstwerk?

Es stellt sich die Frage: Sind virtuelle Freunde existent?

Weitere Arbeiten in Öl auf Holz, etwa „Wallpaper 1 – 4, stellen werksmäßig aufgespielte Bildhintergründe dar, während der Künstler bei seinen drei Arbeiten mit dem Titel „Geste“ die Entgrenzung des Bildrahmens mit dem Akt des Malens paart, einem großen Pinselstrich gleich.

„Interior“ aus 2020 ist die Weiterentwicklung der Formleinwandgeschichte, wobei sich eher subtil eine Inneneinrichtung durch einzelne Pflanzenelemente als pixelartige Artefakte und Verwischungen erschließt. Die fein abgestimmten Ränder, etwa in gelber, rosa und monochromer Farbe gehalten, überführen durch feine Risse und Strukturen in die Haptik.

Mit der Arbeit „Freunde“, die die auf Farben und Flächenformate reduzierte ehemalige Facebookoberfläche zeigen, scheint der Maler zu fragen: Was sind virtuelle Freunde, sind sie existent? Das Werk „cloud2“, das als Cyanotopie, einer Technik der Fotobelichtung, zu sehen ist, offenbart auf den zweiten Blick die am Computer vorausgegangene Bildmanipulation. „Ich wäre gern aus Hamburg angereist, doch coronabedingt hätte ich mich bei meiner Rückreise in Quarantäne begeben müssen. Darauf hatte ich keine Lust“, entschuldigte sich der Künstler beim Telefonatfür sein Fernbleiben.

friedrichundebert.de