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Wuppertaler Krisenstab schränkt Besuchszeiten im Krankenhaus ein

Corona-Inzidenzwert weiter hoch : Krisenstab in Wuppertal streicht Besuchszeiten bei Kurzzeitpatienten im Krankenhaus

Steigende Zahl der Corona-Infektionen hat weitere Konsequenzen für die Wuppertaler.

212 Personen wurden innerhalb der vergangenen sieben Tage in Wuppertal positiv auf Covid-19 getestet. Am Montag befanden sich 3130 Wuppertaler in Quarantäne, davon 2901 Personen in behördlich angeordneter. Das sind mehr als doppelt so viele Personen in Quarantäne als im Frühjahr beim bisherigen Höhepunkt der Corona-Pandemie.

Entwarnung ist nicht in Sicht. Aufgrund der steigenden Fallzahlen beschloss der Krisenstab der Stadt gemeinsam mit den Leitungen der Wuppertaler Kliniken, die Besuchsregeln in den Krankenhäusern zu vereinheitlichen und zu begrenzen. Demnach sollen Patienten vorerst in den ersten sieben Tagen ihres Klinikaufenthalts keinen Besuch erhalten. So soll das Risiko, dass Corona-Infektionen in die Krankenhäuser getragen werden, weiter minimiert werden.

Unter den rund 3000 Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen gibt es aktuell drei positiv Getestete, eine einstellige Zahl von Mitarbeitern befindet sich in Quarantäne. „Das Risikomanagement und die Ausstattung in den Altenheimen wurde im Vergleich zu den ersten Monaten der Pandemie verbessert“, erklärt Sozialdezernent Stefan Kühn. „Der Gesundheitszustand der Bewohner wird intensiv beobachtet und dokumentiert. Zurzeit haben wir in den Altenheimen eine relativ entspannte Situation.“

Test-Teams kommen
in die Altenheime

Entsprechend den Vorgaben müssen seit Überschreiten des Inzidenzwerts 50 alle Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen alle 14 Tage getestet werden – in Wuppertal insgesamt 18 000 Menschen. Für die Tests der Bewohner werden Teams aus Feuerwehr und Hilfsorganisationen in die Heime gehen, dort rollierend bei allen Bewohnern Abstriche nehmen, kündigt Johannes Slawig, der Leiter des Krisenstabs, an.

Zurzeit deute wenig auf eine schnelle Entspannung der Lage hin, sagt Kühn. Fünf Tage in Folge müsste der Wert unter 50 liegen, bevor über eine Lockerung der Maßnahmen nachgedacht werden könne. Slawig befürchtet, dass die Zahlen zunächst noch steigen werden. Es brauche mindestens eine Woche, bis die Maßnahmen Wirkung zeigen können.

Er lobt die Vereinbarung der Kanzlerin mit den Oberbürgermeistern der elf größten Städte. Danach müsse ein Anstieg der Infektionszahlen innerhalb von zehn Tagen gestoppt werden. Ansonsten seien weitere Auflagen zu verhängen, um öffentliche Kontakte zu reduzieren. „Das wäre Anfang nächster Woche“, so Slawig. Er begrüßt diese klare Ansage.

Es soll zwei
Walk-In-Teststationen geben

Die Gefahr, dass Wuppertal diese Hürde reißen wird, ist ebenfalls groß, denn inzwischen liegt die Stadt bereits den siebten Tag im roten Bereich. „Wir werden sehr aufmerksam verfolgen, wie sich die Werte entwickeln“, so Kühn.

Anteil am rapiden Anstieg der Fallzahlen hatten unter anderem Infektionen in einer Großwäscherei und einem Gemüsehandel. Diese wurden daraufhin vom Gesundheitsamt kontrolliert. „Wir haben nirgendwo Leichtsinn angetroffen, alle Regeln wurden in den Betrieben umgesetzt, der technische Stand der Belüftung war in Ordnung“, sagt Kühn. Offizielle Beanstandungen gab es auch bei einer Reihe privater Feiern nicht, die aber massiv zum Anstieg der Fallzahlen beigetragen hätten. Die Beschränkung auf 25 Personen bei privaten Feiern und auf fünf Personen im öffentlichen Raum sei daher die Antwort auf die reale Ausbruchssituation, so Kühn.

Der Krisenstab fürchtet den Kontrollverlust, denn eine Eindämmung der Fallzahlen ist nur möglich, wenn Infektionsketten gestoppt werden können. Das wirksamste Mittel dafür ist die Quarantäne bei begründeten Verdachtsfällen und eine schnelle Testung.

Die Kapazität der Testungen will die Stadt ab Anfang und Mitte kommender Woche durch zwei „Walk-In-Teststationen“ ausbauen. Eine soll auf dem Parkplatz am Schauspielhaus stehen, eine weitere im Umfeld des Barmer Rathauses. Ein privater Betreiber werde damit 1200 Test pro Tag vornehmen und auswerten können, so Slawig. Innerhalb von 24 Stunden sollen Ergebnisse vorliegen. Die Teststation der Stadt auf Linde werde winterfest gemacht. „Das ist ein großer Schritt nach vorn“, freut sich Slawig.

Stefan Kühn erklärt: „Die Zahl der Kontakte ist aktuell wesentlich höher als im März oder April, als die Wuppertaler in Kurzarbeit waren und die Kitas und Schulen geschlossen.“ 30 Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sind allein mit Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten beschäftigt. Personell wird diese Abteilung um Studierende und Helfer der Bundeswehr aufgestockt. Zehn Soldaten sollen am Dienstag kommen, Slawig wünscht sich aber noch 20 weitere. 

Slawig hält kürzere Öffnungszeiten in der Gastronomie für unnötig

Unterstützung wird dringend gebraucht, auch was die Organisation der Tests von Schülern angeht, die sich in angeordneter Quarantäne befinden. Mehrfach haben Eltern der WZ schon berichtet, dass sie sich schlecht informiert fühlen. Slawig will nicht ausschließen, dass es bei dem umfassenden Aufwand zu Fehlern kommt: „Da kann ich nur um Verständnis bitten.“

Slawig erklärt mit Bezug auf die vom Land geplanten Vorschriften für Städte mit einem Inzidenzwert über 50: Die Begrenzung auch privater Feiern bestätige Wuppertal in seinem Vorgehen. „Für eine Begrenzung der Öffnungszeiten in der Gastronomie sehen wir aber keinen Bedarf.“ Das wurde in Düsseldorf diskutiert. In Wuppertal sei das nicht nötig, so Slawig. Sollte das Land das aber beschließen, müssten sie dem folgen.