August-Jung-Weg: Hängepartie um Neubaupläne

Wuppertal : August-Jung-Weg: Hängepartie um Baupläne

Auschuss für Stadtentwicklung vertagt die Entscheidung zur Offenlage. BV und Investor ärgern sich über Verzögerung.

. Die Ampel stand auf Grün — jetzt dreht der Bebauungsplan August-Jung-Weg eine Warteschleife: Der Stadtentwicklungsausschuss hat in seiner Februar-Sitzung die Entscheidung über die Offenlage vertagt. Und das, obwohl die Bezirksvertretung Uellendahl-Katernberg bereits mit deutlicher Mehrheit dafür gestimmt hatte. „Beratungsbedarf“ heißt es offiziell, wie der Ausschussvorsitzende Michael Müller (CDU) gegenüber der WZ die Verschiebung erklärt.

Hinter vorgehaltener Hand ist allerdings von einigen Beteiligten zu hören, dass es sich eher um Geplänkel zwischen CDU und Verwaltung bzw. SPD handele: Das für den B-Plan zuständige Ressort wird bekanntlich von Frank Meyer (SPD) geführt. Auch bei anderen, scheinbar längst ausdiskutierten Verfahren, gebe es auf einmal wieder Redebedarf.

Dass es um den Plan für den August-Jung-Weg, der den Bau von laut Investor maximal 18 Häusern vorsieht, viele Diskussionen gab, ist kein Geheimnis. Anwohner lehnen die Neubauten ab, haben bereits angekündigt, notfalls klagen zu wollen. Dabei steht schon seit langem fest, dass die Fläche nicht auf Dauer frei bleiben wird. Sogar ein Ausflugslokal war dort einmal Thema — und jetzt eben Wohnen.

Die Verwaltung hatte regelmäßig dessen Wichtigkeit hervorgehoben, mehrfach erklärt, dass der B-Plan oberste Priorität genieße — und dafür andere Pläne aus Personalgründen erst einmal auf Eis gelegt (die WZ berichtete).

BV hatte schon über den Plan positiv entschieden

Insgesamt geht es um ein Areal von 24 000 Quadratmetern, bebaut würden nur 13 000 Quadratmeter. Immer noch ein dicker Batzen, räumen auch Befürworter des Projektes ein. Allerdings ist die Verwaltung ja sogar angewiesen, neues Bauland zu schaffen. 110 Hektar stehen im Raum, den Auftrag segneten CDU und SPD — damals noch in der Groko verbandelt — im vergangenen Jahr ab. Dabei ginge es aber um eher langfristige Planungen, erläutert Klaus-Jürgen Reese, Fraktionssprecher der SPD im Rat und stellvertretender Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses. Die Verwaltung müsse aber auch kurzfristig Wohnraum schaffen und da sei der August-Jung-Weg ein Klassiker, so Reese, der betont, dass die SPD hinter dem Plan stehe. „Wir brauchen Wohnangebote für jedes Klientel.“ Dass die CDU geschoben habe, „ist nicht nachvollziehbar“. Über Gründe könne man nur spekulieren.

Völlig überrascht war nach eigener Aussage auch Bezirksbürgermeisterin Gabriela Ebert (SPD). „Wir hatten doch schon entschieden“, ärgert sie sich. Die Entscheidung werde teuer für den Investor. Auch der 2. Bezirksbürgermeister Hans-Joachim Lüppken (CDU) wundert sich. „Aus unserer Sicht ist da eine Bebauung möglich.“

Dem widerspricht Michael Müller gegenüber der WZ nicht. „Wir sind nicht grundsätzlich dagegen.“ Aber es gebe nun mal Bedenken. Zum einen, was die Mindestgrundstücksflächen angehe, die auf 900 Quadratmeter festgelegt werden sollen. Zum anderen beim Thema Verkehr. Die Gesamtsituation vor Ort sei nicht gut, so Müller. Aus seiner Sicht sei zum Beispiel zu klären, wie es in Sachen Bürgersteig weiter geht. Der müsse deutlich über das eigentliche neue Wohngebiet hinausgehen. „Wer zahlt den dann?“, fragt Müller. Die Verwaltung habe darauf aber „nicht zufriedenstellend geantwortet“, so der Ausschussvorsitzende. Daraufhin habe man sich für die Vertagung des Themas entschieden.

Reese sieht das anders. Das Verfahren laufe schließlich schon länger, die Fragen zum Beispiel zum Bürgersteig seien sehr wohl in der Vergangenheit geklärt worden. Das bestätigen gegenüber der WZ Verwaltungskreise — und der Investor selbst. „Wir zahlen den durchgehenden Bürgersteig“, sagt Matthias Gülich von der Arealcon GmbH. Vom eigenen Gelände weiter bis zur Einmündung Hosfelds Katernberg, gegenüber dem Gasthaus Karpathen. Auch ein neuer Spielplatz errichte der Investor, der auch für die bereits bestehenden Wohngebiete zur Verfügung steht. Dafür verzichte er auf eine 800 Quadratmeter große Parzelle.

Man würde sehr gerne weitere Projekte in Wuppertal realisieren, sagt Gülich, könne aber nicht parallel planen. Deshalb sei die erneute Verzögerung ärgerlich. Es gebe Interessenten, fünf hätten schon Verträge unterzeichnet. Für ihre Grundstücke hätten sie aber maximal 250 Quadratmeter Wohnfläche vorgesehen, sagt Gülich, und versucht Anwohnern die Sorge vor „dicken Klötzen“ in der neuen Nachbarschaft zu nehmen,

Die Häuser und Grundstücke seien schon „gehobene Preisklasse für Doppelverdiener“, heißt es von der Arealcon. „Aber solche Angebote brauchen wir auch in Wuppertal“, betont Reese noch einmal. Bei Mindestgrundstücksgrößen von 900 Quadratmetern werde es dann aber zu teuer.

Zur nächsten regulären Sitzung kommt der Stadtentwicklungsausschuss erst am 9. Mai zusammen. Allerdings gibt es am 11. April eine außerordentliche Zusammenkunft — eigentlich zu einem anderen Thema. Der August-Jung-Weg könnte aber auf die Tagesordnung genommen werden — wenn der Ausschussvorsitzende zustimmt.

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