Investor will Reitanlage Gelpe in Wuppertal ausbauen

Reitsport: Investor will Reitanlage Gelpe in Wuppertal ausbauen

Den  Reit- und Fahrverein entzweit ein Kaufangebot für seine Pachtanlage. Viele befürworten das Projekt, auf der Gegenseite gibt es kritische Stimmen, die Sicherheiten für den Verein fordern.

Als einer von nur noch wenigen Reitvereinen in Deutschland bewirtschaftet der Wuppertaler Reit- und Fahrverein seine Anlage in der Gelpe selbst. 90 000 Quadratmeter, Halle, Freilufthalle, Springplatz, 49 Pferdeboxen, fünf Angestellte und ein mittlerer sechsstelliger Etat im Jahr - für einen Verein, der von einem ehrenamtlichen Vorstand geführt wird, eine mächtige Aufgabe. Doch nun, im 70. Jahr des Bestehens von Wuppertals mit 265 Mitgliedern aktuell größtem Reitverein, gibt es Bestrebungen, das zu ändern. Seit vergangenem Jahr liegt das Angebot eines Investors auf dem Tisch, die Anlage, die der Verein von der Vorwerkschen Grundstücksverwaltung gepachtet hat, zu kaufen, zu modernisieren und auszubauen. Die Frau des Investors (möchte nicht genannt werden) ist selbst Vereinsmitglied, Trainerin A Leistungssport und würde gerne ihre Ponyreitschule, die sie in Schwelm betreibt, mitbringen.

Manche sehen eine Riesenchance, der Vorstand will Sicherheiten

Eine Riesenchance für den Verein und den Reitsport in Wuppertal, sagen die einen im Klub, zu denen auch der langjährige Vorsitzende Rainer Schmitt-Sasse gehört. „Flutlichtanlage für den Springplatz, eine Erweiterung der Freilufthalle auf 60 Meter, eine Führanlage und zusätzliche Boxen, wie sie in Aussicht gestellt worden sind, könnten die Anlage wieder zeitgemäß machen“, so Schmitt-Sasse, „das Spektrum vom Kinderreiten bis hin zu Prüfungen der höchsten  Klasse S erweitern.“

„Bevor wir eine so weitreichende Vereinbarung treffen, brauchen wir Sicherheiten für den Verein“, sagen andere um den Vorstand mit seiner Vorsitzenden Marion Cornelius. Im November hatte es eine  Infoveranstaltung gegeben, auf der der Investor und sein Architekt die Mitglieder über ihre Pläne ins Bild gesetzt hatten. Der Vorstand fühlt sich aber noch nicht umfassend genug informiert. „Wir versperren uns ja Neuerungen nicht, aber wir wollen den Verein und seine Tradition auch nicht verscherbeln, ohne Sicherheiten zu haben“, sagt Marion Cornelius.

Vor drei Jahren hatte sie die Nachfolge von Rainer Schmitt-Sasse angetreten.  „Unser Pachtvertrag läuft noch bis 2028 mit einer Option auf weitere fünf Jahre, da möchte ich schon wissen, welchen Bestandsschutz wir haben.“ Eine vorläufige Bestandsgarantie von zwölf Monaten mit befristeter Preisgarantie für die Einstaller sei ihnen da noch zu wenig, versichern auch ihre Vorstandskollegen Anette May, Margit und Bernd-Dieter Schulz sowie Dr. Anja Rosengarten.

Sie fühlen sich unter Druck gesetzt, seit ihnen ein Brief des Architekten des Kaufinteressenten auf den Tisch geflattert sei, der nach einem Dronenüberflug geschrieben habe, dass das Dach der alten Reithalle, dem ehemaligen Straßenbahndepot in der Gelpe, eventuell einsturzgefährdet sei und eine Erneuerung 200 000 Euro kosten würde. Cornelius: „Das Geld haben wir als armer Verein natürlich nicht, aber sofort einen Dachdecker beauftragt.“ Der habe auch Reparaturbedarf festgestellt, sehe aber keine Einsturzgefahr. Man habe ihm einen Reparaturauftrag erteilt  -  für eine vierstellige Summe. Der Verein ist laut Pachtvertrag verpflichtet, die in die Jahre gekommene Anlage in Ordnung zu halten, hat aber finanzielle Grenzen. Cornelius: „Zum Glück haben wir Sponsoren und erhalten auch Zuschüsse  von der Stadt, die ein Privatmann nicht erhalten würde.“ Die Sorge: der müsste die Stallpreise deutlich erhöhen, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Weitere Sorge: Sind die Ausbaupläne hier im Landschaftsschutzgebiet überhaupt genehmigungsfähig? „Unser erster Entwurf war das nicht, aber wir haben die Signale, dass unsere modifizierten Pläne realisierbar sind“, sagt die Frau des Investors, die den neuen Plan dem Vorstand auch im Januar vorgelegt, aber für ein Gespräch keinen Termin bekommen habe. Für sie sei klar, dass der Verein, der hier seit 70 Jahren bestehe, auch bleiben solle. Doch vorerst  habe ihr Mann nach den Widerständen die Lust verloren, das Projekt weiterzuverfolgen, sagte sie nun.

„Darüber müssen die Mitglieder entscheiden“, findet Rainer Schmitt-Sasse. Im Verein waren bereits 58 Unterschriften für die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gesammelt worden, die der Vorstand aber bisher ablehnte. „Vorher müssten wir genau wissen, worüber wir abstimmen“, begründet das Marion Cornelius. Auch die neue Vorlage aus dem Januar sei  ihr zu vage. Am kommenden Montag gibt es nun eine neue Infoveranstaltung  zum aktuellen Stand.

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