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Info-Abend: Wird mein Kind missbraucht ?

Info-Abend: Wird mein Kind missbraucht ?

Arbeitskreis „Sexueller Missbrauch“ klärt Eltern auf.

Sprockhövel. Viele können sich nicht vorstellen, dass auch in kleinen Städten wie Sprockhövel, Kindern etwas zustößt. Doch Ina Klitzsch von Pro Familia warnt: "Gerade in ländlichen Regionen wird die Gefahr unterschätzt." Die meisten Vorfälle von sexuellem Missbrauch kämen aus dem familiären Umkreis. "Für viele ist es nicht vorstellbar, dass es der eigene Bruder oder Onkel ist, der ihrem Kind zu nahe kommt", weiß auch Polizeihauptkommissar Reinhard Wilke.

Um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen und Eltern aufzuklären, hat der Arbeitskreis "Sexueller Missbrauch" am Donnerstag Eltern zu einem Informationsabend geladen.

Ebenso wurde das Vorurteil, dass ausschließlich Mädchen Opfer sexueller Übergriffe werden, schnell vom Tisch geräumt: Nur weil Jungen nicht dem klassischen Bild eines Sexualopfers entsprechen, sei es falsch zu glauben, sie seien nicht gefährdet, meint Klitzsch. Nicht immer wird ein sexueller Übergriff am eigenen Kind erkannt: Die Merkmale seien ganz unterschiedlich, kleine Anzeichen, aber auch starke Charakterveränderungen wie plötzliche Aggressivität oder extreme Zurückhaltung können Anzeichen sein.

Meistens unternehmen Kinder zaghafte Anlaufversuche, sich mitzuteilen. Diese werden jedoch oft im Stress der Eltern überhört. "Opfer geben sich die Schuld, dass ihnen so etwas passiert ist", weiß Anwältin Heike Tahden-Farhat. Die Schuld liege aber grundsätzlich nicht bei dem Opfer, auch Selbstvorwürfe bei den Eltern seien fehl am Platz. Eltern können ihre Kinder aber aufklären und somit einem sexuellen Übergriff vorbeugen.

Die Initiative des Projektes geht vom Jugendamt und den Grundschulen in Sprockhövel aus. Drei Wochen zuvor hatten die Eltern bereits die Möglichkeit, ein Theaterstück über den sexuellen Missbrauch von Kindern anzuschauen. Der Titel: "Mein Körper gehört mir".

Auch wurde den Schülern ein Workshop angeboten, der ihnen das Thema näher brachte. In den kommenden Jahren wird das Projekt in allen dritten Klassen der Grundschulen von Sprockhövel fortgesetzt.