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Dorfstraße 13: Alle unter einem Dach

Dorfstraße 13: Alle unter einem Dach

Im ehemaligen Schulgebäude sind die Freiwilligenbörse, der Klöntreff und eine Vinothek untergebracht.

Publicity ist alles, nur kein sonderlich schönes Wort. Was das denkmalgeschützte Haus Dorfstraße 13 in Haßlinghausen auch eher braucht, ist nach Ansicht von Christa Bardolatzy so etwas wie den guten alten Aushang. Darauf stünde dann "Vinothek Dorfstraße 13", Klöntreff, Freiwilligenbörse und in Zukunft noch eine lange Liste weiterer Angebote, die sich unter dem Dach der ehemaligen Kapellenschule einfinden.

Für heute aber steht erst mal der Klöntreff auf dem Programm und damit für Christa Bardolatzy auch das eigentliche Zugpferd des neuen Haßlinghauser Bürgertreffs. Die Börse sei eine glänzende Idee, aber gewiss nichts für sie. "Brauchen wir nicht", sagt sie kategorisch. Wenn sie selbst etwas nicht schaffe, dann habe sie ja immer noch ihren Mann. Der steht seinerseits Spalier, um Mitbürger im Rahmen der Freiwilligenbörse kostenlos zu unterstützen. "Wir haben mittlerweile einen Handzettel, auf dem aufgelistet ist, was wir nicht machen", sagt Ehefrau Christa. Schließlich bleiben viele Leistungen dem ausgebildeten Fachmann vorbehalten.

Doch nicht das zwangsweise eingeschränkte Angebot setzt Hürden. Die Klippen sind vielmehr psychologischer Natur. Menschen, die dringend Hilfe benötigen würden, trauen sich oft nicht, in der Freiwilligenbörse anzurufen. "Das war ja früher auch alles anders", erinnert sich Christa Bardolatzy. "War doch selbstverständlich, dass wir als Kinder den Älteren geholfen haben."

Bis sich die Börse etabliert hat, läuft der Telefondienst noch auf Sparflamme. Und der Klöntreff bleibt eine reine Frauenangelegenheit. "Mein Mann? Woher denn, der geht doch hier nicht rein", winkt Erika Langewiesche ab. Sie ist überrascht, wie hell und freundlich die Räume gerade bei Sonnenschein sind. Da macht das Klönen im lockeren Damenverbund so richtig Spaß. "Eine halbe Tasse vielleicht noch, ist ja noch Zeit bis zum Schlafengehen." In der Tat, noch nicht einmal Mittag. Dabei bemerkt Anneliese Stuckmann, dass das "Café 50 plus" in der Haßlinghauser Sporthalle leider am gleichen Wochentag stattfindet und sie nun regelmäßig ihre Wahl treffen muss.

Dass Entscheidungen und Abstriche nötig sind, weiß Bärbel Mays vom Seniorenbüro der Stadt Sprockhövel, die sich um den Bürgertreff kümmert. Helfer und Hilfesuchende gebe es in der Freiwilligenbörse bereits erstaunlich viele, sagt sie. Jetzt hoffe sie darauf, dass auch Bürger in Niedersprockhövel das Angebot wahrnehmen und so den Treff weiter beleben. Mit "WieenN" (Wohnen in enger echter Nachbarschaft) und "Trau dich raus" (aktiv sein mit Behinderung) haben aber zwei etablierte Gruppen das Haus Dorfstraße 13 bereits als Knotenpunkt entdeckt.

Jetzt geht es ganz gewiss darum, dass sich die einzelnen Gruppen auch untereinander austauschen. Denn der Blick über den Tellerrand ist für manchen noch ungewohnt. So rätselt auch Waltraud Meyer beim Klöntreff, was denn eigentlich eine Etage höher in der Vinothek passiere. "Das kennt ja kein Mensch", meint sie. Das beste Gegenmittel: Einfach mal vorbeischauen bei Ralf Sondermann, dem Koch, Konditor und Inhaber von Feinkost Huwer, der in der ersten Etage des einstigen Schulgebäudes gute Weine und mediterrane Küche serviert. Schließlich gehört auch gepflegte Gastlichkeit zum Miteinander.