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Theater: Verbotene Liebe in der NS-Zeit

Theater: Verbotene Liebe in der NS-Zeit

Elke Schmidt spielt „Hannes und Paul“ im Wasserturm.

Lank. Seit 20 Jahren spielt Elke Schmidt vom Seifenblasen-Figurentheater mit ihren Puppen — vorzugsweise für Kinder. In diesem Frühjahr hat sie sich jedoch an ein heikles Thema für Jugendliche und Erwachsene herangetraut.

Nach dem Vorbild von „Pyramus und Thisbe“ führt sie für den Verein Wasserturm das Stück „Hannes und Paul“ auf.

Es ist eine Liebeskomödie, zurückversetzt in die 30er Jahre. Die zwei 16-jährigen Schüler Hannes und Paul sind schon lange befreundet. Im Lateinunterricht sollen sie als Pyramus und Thisbe auftreten. Und sie merken schnell, dass ihre Gefühle füreinander das Freundschaftliche übersteigen.

Doch eine homosexuelle Liebe hat in der Zeit des Nationalsozialismus keine Chance. Hitlers „Homosexuellen-Paragraph 175“ verbietet den beiden, zu ihrer Liebe zu stehen. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Hannes’ Mutter, die sich 1945 während eines Bombenangriffes an ihren Jungen erinnert.

Das rund 70-minütige Stück über unerlaubte Liebe und eine hilflose Mutter, umgesetzt durch eine Kombination aus Schauspiel und Puppentheater, stimmt nachdenklich. „Ich veranstalte kein Unterhaltungstheater, sondern versuche meine Aussage auf den Punkt zu bringen. Homosexualität ist leider auch heutzutage unter Jugendlichen noch oft verpönt“, erklärt Schmidt.

Unterstützend wird originales Tonmaterial aus der Zeit des Nationalsozialismus eingesetzt. Ulli Wetter, Vorsitzender des Vereins Wasserturm, der die Inszenierung bereits vorab gesehen hat, erinnert sich: „Man spürt die Beklemmung und die Enge förmlich.“