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Die Erfahrung von Verzicht und Gewinn

Die Erfahrung von Verzicht und Gewinn

Fastenteilnehmer in der Kreuzkirche begleiteten sich durch die Passionszeit.

Lank. Sieben Wochen ohne — so heißt eine Aktion des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik in der Passionszeit, an der sich in diesem Jahr auch eine Gruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Lank beteiligt hat.

Im Mittelpunkt stand dabei das Fasten („Keine Ausreden mehr!“), doch war jedes der wöchentlichen Treffen einem Motto untergeordnet: Verantwortung übernehmen, eigene Fehler eingestehen oder sich einer Herausforderung stellen — diese Themen wurden von den bis zu 25 Teilnehmern an sieben Mittwochabenden in der Kreuzkirche diskutiert.

Einer, der durchgehalten hat, ist Karsten Wellnitz. „Ich verzichte seit Jahren in der Passionszeit auf Alkohol und Süßigkeiten. So leicht wie in diesem Jahr ist es mir noch nie gefallen.“ Das Glas Rotwein am Abend wegzulassen, sei in den Vorjahren eher das kleinere Problem gewesen, „aber keine Schokolade oder Erdnüsse zu essen, da musste ich mich sonst immer ziemlich quälen“, erzählt Wellnitz. Sogar den Geburtstag seiner Frau habe er abstinent und süßigkeitenfrei geschafft.

Positiver Nebeneffekt: Der austrainierte Läufer hat zwei Kilogramm verloren. „Doch das war natürlich nicht der entscheidende Grund, mitzumachen“, sagt der Lanker, der sehr den „netten Austausch“ in der Gruppe genossen hat. „Wer wie Verzicht geübt hat, war ganz verschieden. Der eine hat kein Fleisch gegessen, der nächste den Fernseher gemieden.“

Die sieben Wochen hätten zudem ökumenische Qualität gehabt, „denn Katholiken waren auch dabei“.

Zwei Nougateier will sich Wellnitz Ostern gönnen, ansonsten tendiere er dazu, das Fasten ein bisschen zu verlängern. „Die große Schlacht am Büffet wird es nicht geben. Die Ernährung umzustellen, alles etwas zu reduzieren, das macht auch im Alltag Sinn.“

Sieben Wochen auf Alkohol verzichtet hat auch Uschi Schumeckers — und nach eigener Aussage „fast durchgehalten“. Ihr geht es ohnehin eher darum, in der Passionszeit den Kopf wieder frei zu bekommen. „Genau zu überlegen, was man sagt und was man tut, das ist mindestens genauso wichtig“, sagt sie.

Darüber hinaus findet Schumeckers es legitim, den durch das Fasten auferlegten Verzicht auf Gebrauchsgegenstände auszuweiten. „Den Computer mal auszulassen oder das Handy zu ignorieren, einfach zu erkennen, dass man auch ohne diese Dinge auskommt: Das kann befreiend wirken“, sagt sie, freut sich aber dennoch darauf, jetzt wieder ein Glas Wein trinken zu dürfen — „und das ohne Schuldgefühle“.