Büderich: Erste-Hilfe-Kurs für Reiter und Pferdefreunde - Wenn das Pferd Bauchweh hat

Büderich: Erste-Hilfe-Kurs für Reiter und Pferdefreunde - Wenn das Pferd Bauchweh hat

Besuch auf dem Schultenhof: Was für viele Entspannung bedeutet, erlebt Silke Hilgers als Berufung.

Büderich. "Da darf auch schon mal gern dran gefummelt werden." Mit diesen Worten beschreibt Silke Hilgers scherzhaft die Ausgeglichenheit ihrer 16-jährigen Haflingerstute Ronja. Diese "ruhige Seele" eignet sich zum Therapiepferd und macht auch als Übungspatientin beim ersten Erste-Hilfe-Kurs für Reiter und Pferdefreunde auf dem Schultenhof in Büderich eine gute Figur.

Einstaller, deren so genannte Reitbeteiligungen und externe Interessenten sind auf Einladung der Reitstallbesitzerin gekommen, um innerhalb von vier Stunden in die Anatomie des komplexen Vierbeiners vom Halswirbel bis zum Hufbein einzusteigen und das nötige Fingerspitzengefühl für eine Kurzdiagnose zu üben.

Mit Handwerkszeug aus der Humanmedizin wie dem Stethoskop erforschen die staunenden Praktikanten erstmals Herz- und Darmgeräusche und üben sich in differenziertem Hören. Die einzige für den Menschen nicht geeignete Ausnahme im medizinischen Werkzeugkasten ist das Fieberthermometer: Beim Messen am Pferd sollte es ein Rückholband besitzen, damit es nicht im Körper verloren gehen kann.

Bis ein Pferd sich aufgrund einer Erkrankung hinlege, sei schon viel passiert, erläutert Hilgers. Das natürliche Symptom für eine Unregelmäßigkeit sei beim Fluchttier Pferd gewöhnlich Hektik. "Der Sommer mit Wechseltemperaturen ist echtes Bauchwehwetter", sagt Hilgers, "aber auch mit Koliken wird das Pferd nur etwas Unruhe zeigen. Es kann sich nicht mal durch Erbrechen äußern." Deshalb seien die Erfahrung und eine erlernte Einfühlsamkeit des Reiters oder Halters so wichtig.

"Sehr spannend unter Anleitung", urteilten Kursgäste wie die erfahrene Tierärztin Cornelia Grosewitz. Neben dem Einüben von Wundversorgung sei für die meisten das Tasten des Pulses an der Ganasche, also im dickfelligen Kieferwinkel des Tieres, eine "tolle Erfahrung" gewesen, erzählt Silke Hilgers.

Silke Hilgers bietet auf dem Hof In der Issel auf vier Hektar Weide klassische und therapeutische Reitstunden und ein dickes "Rundum-sorglos-Paket", wie sie es nennt. Das bedeutet: Sie schaukelt den Service für derzeit 25 Einstaller, gibt Praktikanten Orientierungshilfe auf dem Weg zum Pferdewirt und bringt nebenbei auch ihrer einjährigen Tochter schon das Reiten bei.

Ausmisten, Urlaubsbetreuung, Malerarbeiten und Gärtnern erledigt Silke Hilgers im etwas größeren Stil, teilt sich den Hof mit fünf Stallkatzen, einem Ehemann und dem Australian Sheperd-Hundemädchen Abby. All das macht nicht Mühe, sondern rundet das vitale Leben der Hofherrin ab, die überzeugt ist, dass es für jeden Menschen das richtige Pferd gibt. "Stetes Renovieren, pferdegerechte Gestaltung und täglicher Dienst von 6 bis 22Uhr", strahlt Hilgers - das ist Berufung.

Einmal pro Jahr möchte sie den Erste-Hilfe-Kurs künftig anbieten und hofft auf rege Teilnahme in der Büdericher Issel. Auch die Tiere ungeprüfter Freizeitreiter blieben nicht verschont von spontanen Zipperlein, die entschlossenes und sicheres Handeln erforderten.

Neu auf dem Schultenhof sind gerade der große und überdachte Longierzirkel, wo Pferdeerziehung im Allgemeinen und Bodenarbeit im Speziellen angeboten wird. Bald soll ein Kursus Zirkuskunststücke vermitteln. Dabei spielen die zwei neuen Haflingerfohlen keine Rolle: Sie wurden zur Auffrischung der eigenen Zucht angeschafft.

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