Grevenbroich: Block "Cäsar" geht bald in die Notreserve

Vorbereitungen für den 1. Oktober laufen : Block „Cäsar“ wird zur Notreserve

Im Kraftwerk Neurath wird ab Oktober die nächste Anlage abgeschaltet. Sie muss vier Jahre in Bereitschaft gehalten werden.

Seit 46 Jahren sorgt er zuverlässig für Strom – jetzt hat er sein Lebensende fast erreicht: Der 300-Megawatt-Block C im Kraftwerk Neurath ist seit 2017 revierweit der fünfte seiner Art, der in die Sicherheitsreserve geschickt wird. Heißt: Ab dem 1. Oktober wird er vier Jahre lang nur noch für extreme Notfälle bereitgehalten. Danach – also im Herbst 2023 – soll „Cäsar“, wie er von den Kraftwerkern genannt wird, endgültig abgeschaltet werden.

Die Blöcke P und Q in Frimmersdorf sind seit 2017 in der Notreserve, E und F in Niederaußem folgten ein Jahr später. „Die Mitarbeiter der Instandhaltung haben also schon ein gewisses Maß an Routine entwickelt, das sie nun an Block C anwenden werden“, sagt Guido Steffen, Sprecher von RWE Power. „Aus diesem Know-how können sie schöpfen.“

„Cäsar“ wird zwar in den nächsten vier Jahren rasten, darf aber in dieser Zeit nicht rosten. „Daher muss fortlaufend dafür Sorge getragen werden, dass bewegliche Teile wie Pumpen, Regler, Schieber und Turbo-Sätze gängig bleiben“, sagt Steffen. Dichtungen dürfen nicht austrocknen, Rohre nicht korrodieren – der Block muss funktionieren, wenn sein Einsatz gefordert ist. Daher werden auch die regelmäßigen TÜV-Termine in den kommenden Jahren bestehen bleiben.

Um die stillgelegten Blöcke aus der nationalen Sicherheitsbereitschaft zu holen, bedarf es lang anhaltender Extremsituationen – etwa eine Kaltwetterfront mit Schnee und Eis, die zu einem Engpass in der deutschen Stromversorgung führen könnte. „Ein solch harter Fall ist bislang noch nicht eingetreten, so dass zum Beispiel die Blöcke P und Q in Frimmersdorf noch nicht aus der Bereitschaft aufgeweckt wurden“, sagt Guido Steffen.

800 bis 1000 Arbeitsplätze
sollen abgebaut werden

Einen Kraftwerksblock über Jahre in der Notreserve zu halten, sei eine aufwendige Sache, die ingenieurtechnisches Geschick erforderte, betont der Unternehmenssprecher. Alles müsse in Bewegung bleiben, der Konservierungszustand der Anlagen müsse ständig überprüft werden – allerdings werde dafür nicht mehr die übliche Personalstärke benötigt. Laut RWE Power sollen im Rahmen der Sicherheitsbereitschaft rund 800 bis 1000 Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut werden. Die andere Seite: Fünf Blöcke in der Reserve bedeute eine Einsparung von rund zwölf Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr.

Im Alt-Kraftwerk Neurath bleiben weiterhin die Blöcke A und B (jeweils 300 Megawatt) sowie D und E (jeweils 600 Megawatt) in Betrieb. Wie lange noch, ist unklar. „Die Gespräche mit der Bundesregierung über das Umsetzen der Vorschläge der Kohlekommission sind noch nicht abgeschlossen“, sagt Steffen. „Daher gibt es noch keine Festlegung auf bestimmte Szenarien.“

Das trifft auch auf die Nachnutzung des Kraftwerks Frimmersdorf zu, das am 1. Oktober 2021 vom Netz gehen wird, wenn die Sicherheitsbereitschaft der Blöcke P und Q endet. Eine Arbeitsgruppe entwirft unter dem Titel „Frimmersdorfer Innovations- und Technologiezentrum“ (kurz „Fritz“) zwar mögliche Ansiedlungsszenarien, hat sich bislang aber noch nicht auf bestimmte Branchen festgelegt. Das Kraftwerksareal ist rund 45 Hektar groß, in seinem Umfeld befinden sich weitere 115 Hektar, die künftig zur Verfügung stehen. „Dieser Industriestandort verfügt über Bahn-, Straßen- und Hochspannungsanschlüsse – er ist ein Filetstück“, sagt Guido Steffen. Dort ließen sich auch großflächige Betriebe ansiedeln, die möglichst viele Arbeitsplätze anbieten sollen“.