Gratis-Bus soll in Grevenbroich Wahlkampfthema werden

Nach Vorstoß in Monheim : UWG fordert kostenlose Busse

Monheim macht’s vor: Claus Schäfer möchte Busfahren auch in Grevenbroich kostenfrei machen.

Vor zwei Jahren konnten die Grevenbroicher kurze Zeit kostenlos mit Linienbussen zum Feierabendmarkt fahren. Was als Testballon gedacht war, würde Claus Schäfer (UWG) gern als dauerhafte Lösung sehen. Seit Jahren macht sich der Südstädter für den Gratis-ÖPNV stark, verweist auf Vorbilder im Ausland. Enttäuscht ist er, dass das Projekt in Grevenbroich nicht vorankommt – zumal nun eine andere Kommune vorprescht.

Der Rat der Stadt Monheim hat beschlossen, in den kostenlosen Busverkehr einzusteigen. Voraussichtlich ab April 2020 soll freie Fahrt für alle Monheimer in ihrer Heimatstadt und Langenfeld gelten.

Monheimer bekommen einen Pass, der in Bus und Bücherei gilt

Der Anlass für das auf drei Jahre angelegte Projekt: „Wir wollen das innerstädtische Klima verbessern, die Straßen entlasten und mehr Menschen in die Busse bringen“, sagt Stadtsprecher Thomas Spekowius. 2020 sollen die Einwohner einen Monheim-Pass erhalten, der nicht nur als Ticket, sondern auch als Büchereiausweis und für andere Angebote gelten soll. Spekowius betont, dass die Stadt die ersten Schritte getan hat: „Wir haben Linien erweitert, den Takt verbessert, neue Busse beschafft.“ Der Preis sei nur ein Baustein, um Menschen zum Umsteigen zu bewegen.

Klar, dass auch in Monheim der ÖPNV bezahlt werden muss. Die Stadt rechnet mit einem Erlösausfall zwischen 2,5 und drei Millionen Euro. Sie will aus ihrem Haushalt die erforderlichen Tickets bei ihrer Tochtergesellschaft, den Bahnen der Stadt Monheim, erwerben. Die Kommune ist beim Etat, wie Spekowius erklärt, „gut aufgestellt“.

Claus Schäfer wirbt seit gut zehn Jahren für die Idee des Gratis-Busses, sein Blog „schlaubus.de“ hat mehr als 100 000 Zugriffe. Der Südstädter, der Mitglied der UWG ist, will dafür sorgen, dass der kostenlose ÖPNV Thema des Kommunalwahlkampfs wird – „damit wir vorankommen“. Er selbst ist überzeugt, dass damit nicht nur etwas Gutes für die Umwelt getan werden kann: „Auch der Handel wird profitieren – das hat das Beispiel in der belgischen Stadt Hasselt gezeigt.“ Infolge der Gratis-Busse hätten viele ihre Autos abgeschafft, das Geld sei in den Konsum geflossen.

Geld für den Nachtbus soll für
das Projekt verwendet werden

Rund eine Million Euro würde ein solches Projekt in Grevenbroich kosten, hat Schäfer errechnet. Um klein anzufangen, schlägt er vor, die 50 000 Euro, die von der Stadt in den Nachtbus investiert werden, für kostenlose Busse zu verwenden: „Die könnten dann ein Jahr lang zu den Feierabendmärkten und jeden Samstag in die Innenstadt fahren.“

Die Stadt selbst hat das Thema derzeit nicht auf dem Schirm. „Um einen kostenfreien ÖPNV zu realisieren, müsste der Einnahmeausfall ausgeglichen werden“, sagt Sprecherin Claudia Leppert. Momentan sehe die Stadt aufgrund der finanziellen Situation dafür „keine Möglichkeit. Grundsätzlich sind die Gremien der Verkehrsverbünde für die Einnahme- und Ausgabenkalkulation zuständig“, sagt Leppert.

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