Grevenbroich: Fast alle Fichten in der Stadt sind tot

Trockenheit und Schädlinge : In Grevenbroich stirbt die Fichte aus

Die Trockenphase als auch Schädlinge machen dem Nadelbaum den Garaus. Viele tote Bäume werden nun gefällt.

. Hätte ihm jemand vor einigen Jahren gesagt, dass der Wald mal gegossen werden müsste – Frank Wadenpohl hätte ihn ausgelacht. Nun aber hat der Stadtförster einen seiner Mitarbeiter für einen Dauereinsatz abgestellt. Er muss dafür sorgen, dass vor allem die jungen Bäume im Grevenbroicher Stadtgebiet genügend Wasser bekommen. Denn die leiden ganz besonders unter der anhaltenden Trockenheit. „Schon in der vierten Woche läuft dieser Einsatz“, sagt Wadenpohl. Und ein Ende ist noch nicht abzusehen.

Die Männer vom Forstbauhof haben sich Unterstützung bei der Feuerwehr geholt. Deren Chef Udo Lennartz hat ihnen Druckschläuche mit einer Gesamtlänge von 500 Metern zur Verfügung gestellt. Damit werden nun die jungen Kulturen versorgt. Das Wasser kommt aus mehreren 3000-Liter-Fässern, die auf einem Heuanhänger transportiert werden, oder es wird direkt aus Gräben in die Schonungen gepumpt. „Mit dieser Ausrüstung ziehen wir zurzeit quer durch die Stadt“, schildert Wadenpohl.

Überall dort, wo nach dem verheerenden Orkan „Ela“ (2014) junge Bäume gesetzt wurden, muss gegossen werden – insbesondere an den Stellen, wo sie auf sensiblen Böden stehen, also auf solchen mit hohem Sandanteil. „Viele dieser Bäume wurden damals von Grevenbroicher Bürgern gespendet, rund 15 000 Euro kamen seinerzeit zusammen. Das gilt es zu retten“, betont Wadenpohl. Für die flachwurzelnde Fichte kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Nicht nur die Trockenheit hat ihr stark zugesetzt, sondern zusätzlich auch Borkenkäfer und Kupferstecher. „Und zwar so stark, dass diese Baumart im Stadtgebiet fast zu 100 Prozent tot ist “, sagt der Stadtförster. Vor zwei Jahren wuchs der Nadelbaum noch auf einer Fläche von etwa fünf Hektar, heute sind es keine 100 Quadratmeter mehr.

Eschen sind von
Rußrinden-Krankheit betroffen

„Die Bestände im Gustorfer Bend, auf dem Welchenberg in Neuenhausen, am Türling in Orken und an der Feilenhauerstraße in Grevenbroich sind komplett abgestorben“, sagt Wadenpohl beispielhaft. „Dort hat man den Eindruck, durch einen Geisterwald zu gehen.“ Wo Fichten an Wohngebiete grenzen, sind die Männer vom Forstbauhof ebenfalls im Einsatz, um für Verkehrssicherheit zu sorgen. Heißt: Tote Bäume müssen gefällt werden, bevor sie in Gärten oder gar auf Häuser stürzen.

Während aktuell drei Waldarbeiter mit dieser Aufgabe beschäftigt sind, kündigt sich bereits die nächste Baustelle an. Eschen sind von der Rußrinden-Krankheit betroffen, im Wevelinghovener Stadtpark fielen daher bereits einige Exemplare der Motorsäge zum Opfer werden. „Wir beobachten jetzt, wie sich das entwickeln wird“, sagt Wadenpohl. Während gegossen und gefällt werden muss, kommen andere, ebenfalls wichtige Aufgaben im Stadtwald momentan zu kurz. „Wir sind jetzt in der Freischneide-Saison“, sagt Wadenpohl. „Die Forstpflanzen, die in den vergangenen fünf Jahren gesetzt wurden, müssen von Hopfen, Brombeere und Disteln befreit werden.“ Dass diese Arbeiten derzeit in nicht ausreichendem Maße in Angriff genommen werden können, sei „ein echtes Problem“, sagt der Stadtförster.

Die Niederschläge der vergangenen Tage hätten dem Wald nichts gebracht, betont Frank Wadenpohl. Die Böden, deren Wasserspeicher nach dem vergangenen Winter nicht gefüllt wurden, seien trocken. „Was uns fehlt, ist ein guter, zwei- bis dreiwöchiger
Landregen.“

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