Füttern von Enten und Schwänen in Grevenbroich verboten

Hunderte Brötchen, Pizzen oder ganze Brote : Füttern bringt Tiere in Lebensgefahr

In Grevenbroich gilt ein Fütterverbot. Der Ordnungsdienst achtet auf dessen Einhaltung.

Die heran watschelnde Ente, die sich den hin geworfenen Brotkrumen nähert, ist so niedlich – Kind oder Enkel können den Vogel aus nächster Nähe ansehen. So denken viele – zu viele. Die Menge an Brot, Brötchen und anderem, die an Enten, Schwäne, Teich- und Bleßhühner verfüttert wird, summiert sich und richtet viele Schäden an. Die Stadt weist jetzt darauf hin, dass „das Füttern von Wasservögeln, ebenso wie von Fischen und Tauben, untersagt ist“, erklärt Stadtsprecher Stephan Renner. Der Ordnungs- und Servicedienst (OSD) achte bei seinen Kontrollgängen auf die Einhaltung des Fütterungsverbots.

Umweltbeauftragter Norbert Wolf weiß, welche Dimensionen die Fütterung annimmt. „Es gibt mehrere Hotspots – etwa im Stadtpark und am Neurather See –, wo Enten und andere Wasservögel auf die Besucher zu rennen. Wir haben an den Gewässern schon ganze Brote, manchmal sogar noch in der Plastiktüte gefunden – aber auch schon 15 bis 20 Pizzen“, schildert Wolf. Er erinnert sich auch an Hunderte Brötchen, die mal auf dem Neurather See schwammen. „Man kann Verständnis haben für Eltern oder Großeltern, die den Kindern die Natur näher bringen wollen“ – doch das Füttern von Wasservögeln sei falsch verstandener Tierschutz.

Der von Menschenhand reich gedeckte Tisch schadet nämlich Tier und Umwelt. „Viele verfütterte Stoffe sind schädlich für die Vögel. Salz, Gewürze, Farb- und Konservierungsstoffe gehören nicht auf ihren Speiseplan“, betont Stephan Renner. Durch energiereiche Lebensmittel würden die Vögel
verfetten.

Stockenten etwa fressen normalerweise Pflanzen, aber auch Schnecken und Würmer. Brot mit Salz und Treibmitteln dagegen „ist für Wasservögel absolut ungeeignet, führt zu organischen Schäden“, sagt Wolf. Mancher wolle offensichtlich beim Füttern altes, schimmeliges Brot entsorgen. Das gefährde Tiere und „geht schon in Richtung illegaler Abfallentsorgung“. Ein weiteres Problem: „Die Tiere ändern ihr Verhalten und verlernen die selbständige Nahrungsaufnahme.“

Gefahr besteht nicht nur für Ente und Co. Durch nicht gefressene Futterreste im Wasser können laut Renner Gewässer überdüngt werden und „umkippen“. „Am Ende wird aus der artenreichen Wasserlandschaft ein stinkender, toter Tümpel“, beschreibt Renner mögliche Folgen. Futterreste an Land ziehen auch ungebetene Gäste an – Ratten. „Im Stadtpark haben wir alle paar Monate Hinweise auf massives Auftreten von Wanderratten“, weiß Norbert Wolf. Dann sind Bekämpfungsaktionen nötig und verstärkte Kontrollen der Einhaltung des Fütterungsverbots.

Auf das Verbot weist die Stadt mit Schildern hin, doch die haben oft „eine Halbwertzeit von etwa einer Woche, dann sind sie weg“, berichtet der Umweltbeauftragte. Bei seinen Kontrollgängen weist der Ordnungs- und Servicedienst Passanten auf das Fütterungsverbot hin. Wenn sich aber „jemand wiederholt uneinsichtig“ zeige, werde ein Bußgeld fällig, sagt Renner. In extremen Fällen kann dies vierstellig ausfallen.

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