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Vorster Tafelsilber: Restaurant-Küche kalt, Team kreativ

Gastronomie in der Corona-Krise : „Tafelsilber“ in Vorst: Küche kalt, Team kreativ

Koch David Lünger und sein Restaurant-Team vom „Tafelsilber“ in Vorst haben seit Mitte März Zwangspause. Emotional sei es schwierig. Trübsal blasen sie aber nicht.

„Liebe Gäste! Wir verabschieden uns in unsere Betriebsferien. Ab dem 4.3.2020 sind wir wie gewohnt und mit neuer Kraft für Sie da! Euer Restaurant Tafelsilber Team.“ Dieser Hinweis auf zwei Wochen kalte Kochplatten in David Lüngers Küche ist ein Schreiben aus einer anderen Welt.

„Danach hatten wir noch zwei erfolgreiche Wochen – bis zum 15. März“, sagt Lünger. Es war ein Sonntag. Der letzte Tag mit voll besetztem Parkplatz an der Anrather Straße. Mit eingedeckten Tischen in einem Raum voller Gäste, die es sich mit Gerichten und Getränken gut gehen ließen. Ausgehzeit vor Corona. Die nächste neue Speisekarte war fix und fertig. Alles war abgestimmt für den neuen Gastgeber-Rhythmus ab Wochenmitte. „Da aber durften Restaurants schon nur noch bis 18 Uhr bewirten. Wir aber öffnen immer erst um 17 Uhr.“ David Lünger zog die Reißleine und schickte sein Team nach Hause - 20 Mitarbeiter, davon vier, die wie er am Donnerstag das Neunjährige feiern konnten.

Seitdem ruht das Tafelsilber zu 100 Prozent. Die Sorgen tun es nicht, auch wenn Lünger Optimismus formuliert: „Es geht immer weiter.“ Emotional sei es schwierig. Er denke oft an „die Jungens“. So nennt Lünger kumpelhaft sein gesamtes Team. „Wir sind täglich in Kontakt, schauen gegenseitig, dass es uns gut geht.“ Nichts geht zurzeit im Restaurant. Auch kein Lieferservice. „Das war keine Option für uns“, sagt Lünger. „Wir haben uns über neun Jahre Qualität und einen Namen erarbeitet.“ Ein Tafelsilber-Gericht in Plastikschale – das sehe er nicht. Spargel? Wie solle das Königsgemüse auf den Punkt gegart auf dem Teller beim Kunden angeliefert werden? „Beim Tafelsilber zählt die Gesamtkonstruktion.“ Das Essen. Das Ambiente. Der Service. Das Team.

Kühlung abgeschaltet und Jalousien runter gelassen

Der schlimmste Moment sei gewesen, an jenem Mittwoch nicht mehr aufzuschließen. Die eingekauften Waren unter den Mitarbeitern aufzuteilen. Die Kühlung auszuschalten, abzuschließen. Jalousien runter. Bis auf weiteres. Die Betriebsferienwochen waren genutzt worden, um in die Küche zu investieren, ein neues Kühlhaus zu bauen, neu zu fliesen. „Damit war das erarbeitete finanzielle Polster aufgebraucht.“ In dieser Zeit der Einnahme von Null sitzt Lünger nach dem ersten Kaffee des Tages am PC. Er telefoniert mit dem Steuerberater, der Bank, dem Arbeitsamt, sichtet Emails. Die Anträge auf die NRW-Soforthilfe hat er nach erfolglosen Versuchen nach Freischaltung nachts gestellt, um durchzukommen. „Zwölf Stunden später gab es Antwort. Die erste Hilfe war getan.“

Kurzarbeitergeld hat er für seine Leute beantragt. Für sie gibt es 60, mit Kindern 67 Prozent ihres Gehalts. Nun heißt es haushalten, bis es weiter geht. Damit rechnet Lünger frühestens Anfang Mai. „Dann werden vielleicht die großen Vorgaben gelockert, heruntergefahren, bis wieder Normalität eintritt.“ Sicher erwartet er dann wieder seine Gäste, ein volles Haus. Viele tragen ihn und das Team durch aufmunternde Grüße durch die Krise.

 Lünger weiß, dass die Corona-Krise weit über die Schließungszeit im Frühjahr hinaus nachwirken wird. „Unser Weihnachtsfeiergeschäft besteht bei uns zu 80 Prozent aus dem Mittelstand. Ich kann nachvollziehen, dass das viele in diesem Jahr der Einschnitte nicht mehr so machen können, wie zuvor.“ Fragezeichen bleiben. Aber kein Trübsal blasen. Lünger und seine Crew nutzen die Zwangspause kreativ. „Wir probieren Neues aus, üben und kommen gestärkt zurück.“ Nur das Datum kann er an die Ankündigung nicht heften.

Blumen gießen und nach der Post sehen

Lünger schaut im Tafelsilber täglich nach dem Rechten. Er gießt die Blumen in den Kästen, holt die Post rein. Auf den Moment, wo er die Jalousien wieder hochziehen kann, um den Raum für Gäste startklar zu machen, freut er sich. Und auf neue Kartoffeln und Spargel, der so vielseitig zuzubereiten ist. „Der Spargel, vor allem der weiße, ist in jedem Jahr etwas ganz Besonderes.“ Dessen Saison endet am 24. Juni. Lünger ist optimistisch, dass seine Saison als Koch und Gastgeber bis dahin begonnen hat.