Vertrags-Ärger in Vorst: Dem KFC Uerdingen droht ein Platz-Verbot

Fußball : Vertrags-Ärger in Vorst: Dem KFC Uerdingen droht ein Platz-Verbot

Die Drittligaprofis des KFC Uerdingen trainieren seit November regelmäßig auf dem Naturrasen des SV Vorst. Diese „Nachbarschaftshilfe“ verstößt aber gegen den gültigen Pachtvertrag zwischen dem Sportverein und der Stadt Tönisvorst. Nun muss die Politik entscheiden.

Sportlich läuft es nicht rund beim KFC Uerdingen. Jüngster Beleg dafür war das 0:3 des Drittligisten gegen die Zweitvertretung des FC Bayern München am Sonntag. Aber auch bei der Suche nach Trainingsmöglichkeiten gab und gibt es immer wieder das eine oder andere Problem. Nach dem verkorksten Trainingslager in Italien droht nun Ärger in Vorst.

Den Rasenplatz des SV Vorst nutzt der Proficlub seit Herbst regelmäßig für Trainingseinheiten – nach Absprache mit dem SV. Der Tönisvorster Verein freut sich über diese Zusammenarbeit mit den von Manager Stefan Effenberg geführten Profis. Nun musste sich aber die Stadt Tönisvorst zu dieser Kooperation äußern. Der SV Vorst verstoße bei der Platzvergabe an den KFC gegen den geltenden Pachtvertrag mit der Stadt Tönisvorst. Das Problem liegt darin, dass die Nutzung des Platzes sich ausschließlich auf Vereine beschränken müsse, die in Tönisvorst ansässig sind. Das geht aus einem Brief hervor, den der Verein nun an Bürgermeister Thomas Goßen (CDU) und alle Ratsfraktionen geschickt hat.

 Laut Aussage des 2. Vorsitzenden des SV, Michèl Laskowski, gab es jüngst ein Gespräch mit Vertretern der Verwaltung.  Bei diesem Termin wurde seitens der Stadt „hervorgehoben, dass eine verstärkte Nutzung der Rasenfläche vor allem im Winter zu erheblichen Mehrkosten in der Platzpflege bzw. in den Betriebskosten kommt“. So steht es in dem Brief, der der WZ vorliegt. Demnach fürchtet die Stadt bei einer dauerhaften Nutzung „erheblich teurere Reparaturen, die am Ende über die Abwicklung des Betriebskostenzuschusses an der Stadt haften bleiben“.

SV Vorst will das Thema im Rat am Mittwoch behandelt haben

Vertraglich ist die Nutzung der Sportanlage sinngemäß so geregelt, dass der SV Vorst sich als Pächter der städtischen Anlage um die Platzpflege kümmert. Ebenso ist im Vertrag geregelt, dass der Verein von der Kommune einen Zuschuss zu den Betriebskosten bekommt. Ähnliche Regelungen gibt es mit dem Spielverein St. Tönis, aber auch in anderen Kommunen – zum Beispiel in Grefrath.

Zurück nach Vorst: Zum aktuellen Ärger wollte Michèl Laskowski am Dienstag auf Anfrage der WZ nicht allzu viel sagen. Er warte nun die Reaktion von Bürgermeister und Fraktionen ab. Womöglich ist der Pachtvertrag schon am Mittwochabend in der Sitzung des Stadtrates Thema. Einen entsprechenden Antrag hat der Vereinsvertreter jedenfalls am Montag gestellt.

Nach Angaben von Laskowski trainiert der KFC Uerdingen derzeit „maximal zweimal pro Woche“ auf dem Vorster Naturrasen. Eine Platzmiete oder ähnliches zahlt der KFC aber nach Angaben von Laskowski nicht. „Sollten aber Mehrkosten für den SV Vorst anfallen, ist der KFC Uerdingen dazu bereit, diese über eine entsprechende Zahlung von Aufwandsentschädigungen komplett zu übernehmen“, schreibt Laskowski an den Bürgermeister.

Zudem habe sich der Proficlub unter der Führung des russischen Investors Mikhail Ponomarev bereit erklärt, ein Freundschaftsspiel gegen das Vorster Bezirksligateam auszutragen. Die Gewinne, die sich der SV von diesem Ereignis verspricht, sollen zu 100 Prozent in die Vereinsarbeit gesteckt werden, heißt es im Schreiben des SV an die Politik. Ein ähnliches Angebot über ein Testspiel hatte vor rund einem Jahr Teutonia St. Tönis vom KFC bekommen. Die Uerdinger, die damals die vereinseigene Anlage der Teutonia in St. Tönis fürs Training nutzten, wollten im Gegenzug gegen die Teutonia zu einem Freundschaftsspiel antreten. Dann sagten die Profis das Spiel aber kurz vor dem Termin ab, um stattdessen einen Tag früher ins Trainingslager in die Türkei zu reisen.

Der SV Vorst will auf keinen Fall, dass die „positive Kooperation“ mit den Profis aus Krefeld nun scheitert. Nach Angaben von Laskowskis ist diese Zusammenarbeit ein Gewinn für den Verein. So sei auch schon vereinbart, dass Kinder aus der Vorster Jugend am 8. Februar mit den Profis des KFC ins Stadion in Düsseldorf einlaufen dürfen. Die Uerdinger tragen ihre Heimspiele in der Landeshauptstadt aus, weil die heimische Grotenburg nicht genutzt werden kann. Zudem sind die Trainingsverhältnisse dort zu schlecht. Daher weichen die Profis auf Rasenplätze in der Umgebung aus. „Aus unserer Sicht ist das eine Nachbarschaftshilfe“, so Laskowski, der sein „gutes Verhältnis zu Herrn Effenberg“ betont.

KFC-Profis tadellos: Kabine sei stets „besenrein“

Gegenüber der WZ ging der 2. Vorsitzende zudem auf das „tadellose Verhalten“ der KFC-Profis in Vorst ein. Es herrsche ein gutes Miteinander und die Kabine würde „besenrein“ hinterlassen. Mitarbeiter des KFC würden alles aufräumen. Der SV Vorst hofft nun, dass die Politik in der Stadt Tönisvorst sich als Vertragspartner mit der KFC-Kooperation einverstanden erklärt. „Ich möchte Sie, den Bürgermeister und den Rat der Stadt Tönisvorst, bitten, dem SV Vorst eine entsprechende Ausnahmeregelung für den Rest der Saison 2019/2020 zu erteilen, damit der Trainingsbetrieb des KFC Uerdingen auf der Platzanlage des SV Vorst weitergehen kann“, heißt es in Laskowskis Brief an Politik und Verwaltung.

Nach einer WZ-Anfrage bei der Stadt scheint es aber fraglich zu sein, ob der Antrag am Mittwochabend behandelt wird. Dies könne bei kurzfristigen Anträgen nur geschehen, wenn „eine hohe Dringlichkeit“ vorliegt, heißt es aus dem Rathaus. Zuständig für dieses „nicht-öffentliche“ Vertrags-Thema sei der Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing, Gebäudemanagement und Liegenschaften (WiStaGeLi). Der hat seine nächste Sitzung am 25. Februar (Veilchendienstag).

Nach Angaben der Stadtverwaltung liegt es in der Hand der Politiker im WiStaGeLi-Ausschuss über eine vertragliche Änderung zu entscheiden. „Unsere Aufgabe ist es, auf eine Gleichbehandlung aller Vereine und das Einhalten von Verträgen zu achten“, lautet die offizielle Stellungnahme aus dem Tönisvorster Rathaus. Vertragliche Details wollte die Stadt nicht veröffentlichen. Eins liegt aber auf der Hand: Im Moment wird gegen den Vertrag verstoßen und der KFC Uerdingen darf nicht auf dem Vorster Rasen trainieren.