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Fahrradhändler aus Tönisvorst: Krisen-Ideen statt Hochkonjunktur

Lokale Wirtschaft : Fahrradhändler aus Tönisvorst: Krisen-Ideen statt Hochkonjunktur

Interview: Frühling, Ostern, Kommunion – in normalen Zeiten ist Fahrradhändler Tim Nettelbeck voll ausgelastet. Auch der St. Töniser muss nun improvisieren. Der Verkauf läuft kontaktlos. Der Hol- und Bringdienst ist kostenlos.

Eins, zwei, drei – Fahrradwetter! Der Frühling mit viel Sonne und blauem Himmel lockt sicher den einen oder anderen auf den Drahtesel – trotz der Corona-Krise. Doch eben jene macht den Kauf eines neuen Fahrrads beim örtlichen Händler etwas schwieriger. Und auch in Sachen Reparatur ist bei den Unternehmern viel Einfallsreichtum gefragt. Ein Gespräch mit dem St. Töniser Zweiradhändler Tim Nettelbeck.

Herr Nettelbeck, Frühlingswetter, dazu die Geschenke-lastigen Feste Ostern und Erstkommunion vor der Tür – in einem normalen Jahr hätten Sie jetzt Hochkonjunktur, oder?

Tim Nettelbeck: Ja das ist richtig. In der Regel haben wir, als inhabergeführter Meisterbetrieb in zweiter Generation, ab März Hochsaison. Das Wetter wird schöner und wärmer, die Leute wollen wieder rauf aufs Rad! Das heißt für uns viele Beratungen und Probefahrten für neue Fahrräder und E-Bikes. Und auch die Werkstatt ist in der Regel mit Inspektionen und sonstigen Reparaturen voll ausgelastet. Unser Leistungsspektrum umfasst normalerweise den Verkauf von Fahrrädern, Pedelecs, E-Bikes und Motorfahrzeugen sowie den Ersatzteil- und Zubehörverkauf. Außerdem sind wir Fachwerkstatt und Dekra-Stützpunkt. Durch die Krise haben wir in diesem Jahr viel weniger Kunden.

Radfahren dürfen die Menschen bekanntlich noch. Hilft Ihnen das zumindest?

Nettelbeck: Uns hilft natürlich, dass wir zumindest den Werkstattbetrieb noch weiter aufrecht erhalten können. Viele Leute fahren noch Fahrrad oder E-Bike und wollen trotz Kontaktverbot zumindest mal an die frische Luft – einfach, um eine Tour zu machen oder ihre regelmäßigen Einkäufe weiterhin mit ihrem Bike zu tätigen.

Sie mussten Ihr Geschäft an der Krefelder Straße aufgrund der Corona-Auflagen schließen, bieten aber einen Service- und Lieferdienst an. Was umfasst dieser genau?

Nettelbeck: Wir holen die Fahrzeuge zur Reparatur beim Kunden ab und bringen sie nach Fertigstellung wieder zurück. Einfach anrufen oder eine E-Mail schicken. Das Ganze ist momentan kostenlos.

Sie machen mit bei der Aktion „Tönisvorst liefert“. Wie ist die Resonanz?

Nettelbeck: Die Resonanz ist sehr gut, viele Leute rufen an oder schreiben uns eine E-Mail und möchten unseren Hol- und Bringservice nutzen. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle an Andreas Kaluza von Concept Tomorrow und an die Stadt Tönisvorst, die das Konzept nach vorne gebracht haben.

Ärgern Sie sich darüber, dass große Märkte, die Lebensmittel verkaufen, weiterhin auch Räder anbieten dürfen?

Nettelbeck: Nein, denn auch wir dürfen Fahrzeuge weiter anbieten – aber halt nur online, per Mail oder Telefon. Die Probefahrt bzw. der Kauf erfolgt dann „kontaktlos“.

Glauben Sie, dass sich die Kunden so an den neuen Service gewöhnen werden, dass sie auch nach der Krise nicht mehr aufs Liefern verzichten möchten?

Nettelbeck: Der Service ist ja nicht neu: Wir bieten schon seit vielen Jahren einen Hol- und Bringdienst an, jedoch bisher nicht kostenlos.