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Neersen: Reinhild Köhnke vom Schlossfestspiele-Ensemble im Interview

Neersen: Reinhild Köhnke vom Ensemble der Schlossfestspiele im Interview : Das Arbeitsamt wäre die „allerletzte Wahl“

Interview Reinhild Köhncke gehört zum Ensemble der Neersener Schlossfestspiele. Wie ihre Kollegen trifft sie der Ausfall der Spiele auch finanziell hart. Als „Gutes für die Seele“ bezeichnet sie die Aktion einzelner Zuschauer, die ihre Eintritttskarten nicht einlösen, sondern spenden.

Wie haben Sie von der Absage der Schlossfestspiele erfahren?

Reinhild Köhncke: „Intendant Jan Bodinus hat uns eine ausführliche E-Mail geschickt. Er hat darin erläutert, dass und warum die Schlossfestspiele nicht stattfinden. Das ist vollkommen zu verstehen. Wir hatten innerlich damit gerechnet, weil sich die Absagen verdichteten. Aber als wir das lasen, saßen wir erst einmal total bedröppelt auf dem Sofa. Und einen Moment lang kam bei uns auch die Angst hoch.

Weil mit der Absage auch die eingeplanten, finanziell gesicherten Monate kippen?

Köhncke: Ja, das ist unser Verdienst über den Sommer hinweg, mit der Anstellung bei den Festspielen von Anfang Mai bis Mitte August. Das sind dreieinhalb Monate.

Können Sie und Ihr Mann sich gegenseitig aufbauen?

Köhncke: Ja, man fängt sich wieder. Wenn der eine mal nicht so fröhlich ist, hilft der andere. Wir haben auch noch zu tun. Ich bin über meine Rollen in der Spielzeit hinaus für den Kidz-Club tätig, mein Mann für die Jungen Schlossfestspiele. Ich habe vier Stücke für Grundschulen entwickelt, für die Albert-Schweitzer in Anrath, die Kolpingschule, Im Mühlenfeld und die Willicher Heide. Leider wird es nun keine Vorstellung auf der großen Bühne geben. Aber ich hoffe, dass im Sommer schulinterne Vorstellungen möglich werden. Ich habe die Stücke versandt. Vielleicht können wir uns bald wieder zu Proben treffen.

Wie sieht es mit angekündigten Soforthilfen aus? Helfen sie über die Zeit?

Köhncke: Es gibt die Soforthilfe für Solo-Selbstständige. 9000 Euro. Aber da muss man ausschließlich freiberuflich tätig sein und nicht, wie wir, über die Schlossfestspiele zeitweise angestellt. Wir haben sie also nicht geltend gemacht. Und ob mein Stimmtraining für Grundschüler als Dozentin für das Programm „JeKits“ künftig weiter finanziert wird, weiß ich auch noch nicht.

Intendant Jan Bodinus hat die Neersener dazu angeregt, wenn möglich, ihre bereits gekauften Karten zu spenden, damit Verein und Ensemble zu  unterstützen...

Köhncke: Ja, das würde helfen. Kosten für Planungen, Fotoshooting oder Flyer sind bereits entstanden. Auch wenn das Programm noch nicht sichtbar ist, passiert im Apparat Schlossfestspiele im Hintergrund und im Vorfeld sehr viel, was mit Kosten verbunden ist. Mein Mann und ich stehen im engen Kontakt mit unseren Kollegen Claudia Dölker und Hartmut Scheyhing. Sie sind dem Festspielpublikum aus vergangenen Jahren bekannt. Sie werden ihre Premierenkarten für „Floh im Ohr“ zurückgeben, spenden das Geld, weil, wie sie sagen, es sowieso schon ausgegeben ist. Und dabei müssen sie selbst um ihre Engagements bangen.

Was würde Ihnen eine solche Zuwendung der Festspielbesucher bedeuten?

Köhncke: Sehr viel. Das wäre Gutes für die Seele.

Wenn eine Ihrer Lieblingsfiguren aus den vergangenen Spielzeiten einen Spendenaufruf starten würde, welche wäre es und was würde sie sagen?

Köhncke (lacht laut auf): Da wähle ich die Postbotin aus dem „Weißen Rößl“. Ich würde singen und jodeln, so laut und lang wie ich kann, dass es jeder in Willich hört und die Leute die Fenster aufreißen und rufen: „Ja, schon gut, ich spende!“

Steht jetzt der Gang zum Arbeitsamt an?

Köhncke: Das wäre für mich die allerletzte Wahl. Ich mag dieses Gefühl nicht. Es gibt Pläne für den Herbst, kleinere Auftritte, Lesungen im September. Mal sehen. Sven und ich sitzen viel zusammen, überlegen, was man weiteres machen könnte. Für den Somnmer haben wir eventuell eine Idee, live und in Farbe, aber das sind noch nur kleine Gedanken, fest ist gar nichts. Wir wollen für die von uns entwickelte Sophie-Scholl-Lesung endlich einen Flyer entwerfen.