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Die WZ singt in St.Tönis: „Alle Jahre wieder“ ein Genuss

Singen mit der WZ : „Alle Jahre wieder“ ein Genuss

Seit fast 20 Jahren bittet die WZ zum Singen von Weihnachtsliedern nach St. Tönis.

Man darf es ohne Übertreibung sagen: So viele Menschen  wie noch nie seit fast 20 Jahren haben dem WZ-Singen in der St. Töniser Fußgängerzone ihre Stimme geschenkt. Die Männer vom Shanty-Chor Linn 1859, die zum dritten Mal die Tradition am Donnerstag vor Heiligabend auf der Hochstraße mit vorbereitet haben, waren von dem stimmlich wie zahlenmäßig  beeindruckenden Spontanchor begeistert.

Wobei: Spontanchor stimmte auch nur zur Hälfte. Denn schon ab 10.45 Uhr bildeten sich Grüppchen vor dem Caféhaus Stinges,  Liederhefte früherer Jahre in der Hand, bereit, auch diesmal die Vorweihnachtszeit mit Gesang zu feiern.

Auf so viele war Verlass - schon vor der Konzertstunde unter freiem Himmel: auf die Shantys aus Linn, die sich mit ihrem Vorsitzenden Theo Roßkothen und fast 20 Mann auf den Weg nach St. Tönis gemacht hatten. Sie hatten sogar neue Liedhefte für das 2019er Repertoire drucken und binden lassen. Verlass war auch auf  Sänger des MGV Forstwald, die mit einer Abordnung diesen Termin  wieder nicht verpassen wollten.  Verlass war auch auf Rolf Giesen von der Kolpingsfamilie, der nach der öffentlichen  WZ-Einladung  zum Weihnachtssingen ein Gedicht formuliert hatte, auf das noch einzugehen sein wird.

Verlass war auch auf die katholische Grundschule St. Tönis, die sich mit den Klassen 2 b und 4 a auf den Weg von der Schulstraße aus gemacht hatte, um das Lied von der Schlittenfahrt und dem  Nikolaus mit dem weißen Bart vorzutragen.  Mehrfach bekamen sie verdienten Applaus.

Zum ersten Mal gesellten sich Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte Hoppetosse dazu. Shanty-Sänger und Moderator Heidulf Schulze  hatte großen Spaß an den jungen Sängern, die vor dem großen Publikumskreis bewiesen, wie textsicher sie sich in der Weihnachtsbäckerei bewegen. Und seitdem ist auch sicher, von wem dieses Lied  stammt: „Vom Nikolaus“, verriet ein Mädchen zum großen Vergnügen der Umstehenden, die daraufhin noch enthusiastischer in den Refrain einstiegen: „In der Weihnachtsbäckerei...“  Besonders hervorgehoben sei aus der Kita-Gruppe der Junge namens Greatness, der Strophe für Strophe ins hingehaltene Mikrophon sang.

„O Tannenbaum“, „Alle Jahre wieder“, „Leise rieselt der Schnee“ und das bei bis zwölf Grad plus. Stimmungsvoll wurde es an diesem gut besuchten Markttag in der St. Töniser Innenstadt. Über „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ schienen sich die Schüler besonders zu freuen. Als das Lied angekündigt wurde, jubelten sie.

„Winter Wonderland“ in der deutschen Version ist ein Lied, das die  St. Töniser  – und nicht nur sie – lieben. Auch Willicher und Kempener entschlossen sich zur kredenzten Sanges-Pause am Einkaufsmorgen. Zuhören, mitsingen, eine Sekundenentscheidung ohne Eintrittskarte oder Schlangestehen. Spontaner kann man zum Singen vor dem Mittagessen nicht zusammenkommen.

Immer wieder wurden Smartphones hochgehalten, wurde das Singen gefilmt, fotografiert oder mitgeschnitten.  „Süßer die Glocken nie klingen“ – das sollte festgehalten werden.

Festgehalten wurde auch, dass  Frank Scholzen, der musikalische Leiter des Shanty-Chores Linn, die große unbekannte Sangesschar auch ohne vorherige Proben im Griff hatte. Bei dem Vers „Alle aufjauchzen mit einem Gesang“ bat er per Handzeichen um Zurückhaltung, um  die Zeile „Glocken im heiligen Klang“ umso lauter anstimmen zu können. Das klappte wie am Schnürchen. Heidulf Schulze: „Das musste er mit dem Chor mindestens fünf Mal üben.“

Nicht nur „Der kleine Trommelmann“ sorgte für Gänsehaut-Momente. Wenn hunderte Menschen „Param pam pam pam“ singen, bekommt das Lied seine wunderbare, weihnachtliche  Wucht.

„Stille Nacht, heilige Nacht“ durfte im Repertoire nicht fehlen. Seemannslieder zur Weihnachtszeit ebenfalls nicht. Und so beschloss ein wehmütiges, rührendes  „Weihnachten bin ich zu Haus“ den Morgen vor der Zugabe.

Ein Morgen, bei dem Gedichte nicht fehlen durften. Elisabeth Hambüchen trug eines über eine Puppe auf Platt vor. Und Rolf Giesen wünschte sich gereimt das Weihnachtsgefühl von früher ins Heute zurück: „Es gab sie noch, die besinnliche Weihnachtszeit, so besonders, friedlich und mit Gemütlichkeit. Ach kehrte sie noch mal zurück, für viele wär’s dann das größte Glück.“

Für die WZ und die Shantys war’s eine große Freude. Das nächste Singen ist 2020 für den letzten Donnerstag vor Heiligabend bereits gesetzt. Auch dann singen die Shantys wieder. Auch im Namen ihres früheren, in diesem Jahr verstorbenen Mitglieds Rolf Schumacher, der die Linner nach St. Tönis geholt hat.