Nele heuschling aus Schwalmtal ist die Hunderetterin von Kreta

Nele Heuschling aus Schwalmtal : Hunderetterin aus Leidenschaft

Edmee Heuschling lebt nur einen Teil des Jahres im Kreis Viersen. Die übrige Zeit kümmert sie sich um herren- und hilflose Hunde und Katzen auf Kreta.

Edmee Heuschling hat ein Herz für Tiere. Vor 60 Jahren in Luxemburg geboren und mit Tieren aufgewachsen, kümmert sie sich heute um Hunde und Katzen auf Kreta, die ohne ihre Hilfe nicht überleben würden. Zurzeit gibt sie in dem kleinen Dorf Flathiakes im Landesinneren 25 Tieren ein Zuhause. Doch dort sollen sie nicht bleiben: „Ich suche für die Hunde passende Familien“, sagt Heuschling.

Dass das funktioniert, zeigte jetzt ein Treffen vieler Hunde-Besitzer in Schwalmtal: 60 Hunde, die Heuschling aus Kreta vermittelt hat, waren dabei. Viele Hundehalter sind miteinander befreundet. „Ich freue mich sehr, wenn mich manche Hunde wiedererkennen“, sagt die Tierretterin von Kreta. „Hunderte“ habe sie schon vermittelt.

Mit ihrem Mann lebt Edmee Heuschling, die die meisten unter ihren Spitznamen Nele kennen, einen Teil des Jahres in einer umgebauten Scheune in Schwalmtal-Leloh. Wer sie dort besucht, hört das Trippeln vieler Hundepfoten auf dem Boden. Neben der schwarzen Luna, die Heuschling vor 16 Jahren aus dem Tierschutz in Ungarn holte, laufen unter anderem Malteser-Mix Lilly, Labrador-Mix Hektor und Mischling Fleur, alle in unterschiedlichen Beige-Schattierungen, durch das Haus.

 „Fleur ist mit einem weiteren Hund über drei Jahre in einem Raum eingesperrt gwesen“, erzählt die Schwalmtalerin. Erst durch die Androhung einer Anzeige konnten die beiden Tiere befreit werden. Für Fleur sucht Heuschling zurzeit ein Zuhause. Sie ist geimpft, entwurmt und entfloht, gechipt, hat einen EU-Ausweis, leidet aber unter Husten und einem Herzklappenfehler. Rund 400 Euro müssen die neuen Besitzer für einen Findelhund
aufbringen.

Jeder Hund soll das für ihn
passende Zuhause bekommen

„Ich möchte für jeden meiner Hunde das passende Zuhause finden, ein Zuhause für immer“, sagt die 60-Jährige. Dabei beobachtet sie zunächst ihre Findelhunde genau, stellt Fotos und Beschreibungen auf die vereinseigene Facebook-Seite, lässt einen Fragebogen ausfüllen und führt Gespräche mit potenziellen neuen Besitzern. Dabei sei deren Lebenssituation und -erfahrung mit Hunden entscheidend: „Wer zehn Stunden am Tag arbeitet, dem fehlt die Zeit, sich um einen Welpen zu kümmern.“

Vor zwei Jahren hat Nele Heuschling den Verein „Nestra“ , eine Abkürzung für Neles Straßentiere, gegründet. Zuvor hat sie sich um herrenlose Hunde auf Kreta gekümmert. Dort hatte sie aus gesundheitlichen Gründen immer wieder Urlaub gemacht. Bis sie sich entschloss, mehr Zeit auf der griechischen Insel zu verbingen, um Hunde und Katzen zu retten. Inzwischen wohnt sie zeitweise im 50-Seelen-Dorf Flathiakes in einem Haus mit großen Grundstück. Dort leben Hunde ohne Kette und
Zwinger. 

Die ersten Hunde, um die sich Heuschling kümmerte, waren die Welpen eines Nachbarhundes. Bald sprach sich herum, dass die Deutsche Tiere aufnahm. „Mal wurden mir Welpen über den Zaun geworfen, mal im Karton vor die Tür gestellt“, erzählt sie. Nach ihrer Erfahrung sei das Verhältnis der Griechen zu Hunden anders als in Deutschland, sie würden nicht als Familienmitglied gesehen.

16 Hunde leben dauerhaft bei Heuschling. Sie sind wegen Alter oder Krankheit nicht zu vermitteln. Für sie sucht die Schwalmtalerin jetzt Paten. „Wir sind bei unserer Arbeit auf Spenden angewiesen“, sagt die Tierretterin. Und auf ehrenamtliche Hilfe, etwa bei der Pflege der Homepage oder des Facebook-Auftritts. Außerdem gibt es zahlreiche Katzen, die laut Heuschling nicht zu vermitteln seien. Denn auch für sie seien bis zu 400 Euro bei einer Vermittlung zu zahlen – und auch in deutchen Tierheimen gebe es viele Katzen, die ein neues Zuhause suchen würden und näher verfügbar seien.

Heuschling ist als Tierretterin auf Kreta in einem rechtlich unsicheren Raum tätig. Denn Tiere würden in Griechenland dem Staat gehören. In Deutschland arbeite sie eng mit den Veterinärämtern zusammen, die ihre Tätigkeit aber auch nur dulden könnten. Ein weiteres Problem: Es gebe immer weniger Fluggesellschaften, die Hunde transportieren.

Kommt ihr ihre Tätigkeit nicht manchmal wie ein Tropfen auf dem heißen Stein vor? „Ja, aber jeder Tropfen zählt“, sagt Nele Heuschling. „Ich könnte jedenTag fünf Hunde einsammeln, aber ich weiß, dass ich nicht alle retten kann.“ Deshalb konzentriere sie sich auf hilflose Tiere.

Bald wird sie wieder nach Kreta fliegen und in ihrem Haus den kalten, kretischen Winter verbringen. Doch ihre Hunde werden sie wärmen. Und auch ihr Herz.

Mehr von Westdeutsche Zeitung