Syrischer Regisseur schildert in Viersen Flüchtlingsschicksale

Interkulturelle Woche in Viersen : Flüchtlings-Dokufilm rührt Viersener zu Tränen

Der aus Syrien stammende Regisseur Ma’an Mouslli diskutierte mit den Zuschauern

„Ich möchte am liebsten einen Unfall haben und alles vergessen, was bisher in meinem Leben passiert ist.“ Es waren Aussagen wie diese, die die Besucher des Auftakts der interkulturellen Woche in Viersen zum Teil zu Tränen rührten. Der vor sechs Jahren aus Syrien geflüchtete Regisseur Ma’an Mouslli zeigte seinen Dokumentarfilm „Newcomers“ über Flüchtlinge in der „Königsburg“.

Mit der Filmvorführung bereitete die Arbeitsgemeinschaft „Migration und Vielfalt“ der Kreis-SPD den Auftakt zur interkulturellen Woche. Die Vorsitzende Annalena Rönsberg begrüßte rund 30 Besucher, darunter viele Viersener mit ausländischen Wurzeln. „Ich freue mich, dass so viele den Weg hierhin gefunden haben,“ betonte sie und wies gleich daraufhin, dass nach dem Film Gelegenheit zu Austausch und Diskussion untereinander sowie mit dem Regisseur sei.

Der syrische Filmemacher stellte mit „Newcomers“ seinen vierten Dokumentarfilm vor, den er seit seiner Flucht in Deutschland realisieren konnte. Begrifflich dockte er bei der Titelgebung an Hannah Ahrendt an, die sich mit ihrer Emigration in die USA selbst als Newcomerin bezeichnete.

In seinem Film lässt Mouslli Menschen ihre Geschichten erzählen. Man sieht die Gesichter, die Mimik, alles sehr fokussiert und deshalb besonders eindringlich – die Übersetzung nicht als Untertitel sondern direkt neben den Gesichtern. Menschen aus Syrien, Afghanistan, Palästina oder Guinea, aber – überraschend – auch aus Deutschland, wo Fluchterfahrungen heute vergessen scheinen. Geschichten werden da erzählt, die vom Alltag handeln, von Kindheitserinnerungen, von Familienkonstellationen, von Gewohnheiten bis hin zu traumatischen Erlebnissen, die mit Folter und sexualisierter Gewalt verbunden sind. „Während der Dreharbeiten war immer ein Arzt da, der eingreifen konnte, wenn die Erzählungen alte Traumata berührten“, berichtete der Regisseur.

Kinder, Erwachsene und Alte schilderten ihre Lebenssituationen, die nichts anderes als Flucht realistisch erscheinen ließen. Unberührt blieb keiner von diesen Geschichten, was sich auch im anschließenden, sensibel von Frank Jessen moderierten Gespräch, zeigte. Wie kann Integration gelingen? Mouslli betonte, dass die Flüchtlinge oft aus intensiven sozialen und familiären Zusammenhängen kämen und hier plötzlich allein seien. Sein Credo: Wenn Freundschaften entstehen, gelingt Integration. Parallelen zu den Vertriebenen des Zweiten Weltkriegs oder den Gastarbeiternachfahren wurden eindrucksvoll geschildert, aber auch der Gewinn durch doppelte Kulturzugehörigkeit erwähnt und als unverzichtbar der respektvolle Umgang miteinander angemahnt.

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