Anfang November ist frühester möglicher Baubeginn für das Viersener Kreisarchiv

Kreis Viersen : Kreisarchiv: Bau mit Lehm und ohne Mörtel

Im Kreiskulturausschuss gab es den aktuellen Stand zum Bau des Kreisarchivs. Die Ausschreibungen für den Rohbau sind bekannt gemacht. Anfang November ist frühestmöglicher Baubeginn.

Die EU-weite Ausschreibung für den Rohbau des Kreisarchivs ist am 10. September bekannt gemacht worden. Eröffnungstermin der Angebote ist der 15. Oktober. Frühester möglicher Baubeginn ist damit Anfang November, so Bruno Wesch, Leiter der Abteilung Gebäudemanagement, in einem Papier, das jetzt dem Kreiskulturausschuss Viersen vorgestellt wurde.

 Da Wesch kurzfristig erkrankt war, übernahm Kreisdirektor Ingo Schabrich die Vorstellung des aktuellen Sachstandes im Kreiskulturausschuss. Die Politiker nahmen die Ausführungen zustimmend zur Kenntnis, Diskussionsbedarf gab es kaum. Der Kulturausschuss hatte sich zuletzt in seiner Februar-Sitzung mit dem Thema befasst, aber die Bau-Begleitkommission mit Mitgliedern des Kulturausschusses wurde am 2. Juli über den aktuellen Planungsstand informiert. „Schon etwas Besonderes“, so Schabrich, sei die Ziegelfassade: Die ursprüngliche Idee, gespendete alte Steine zu verwenden, wurde inzwischen von den Planern verworfen. Die Verwendung von öffentlich gespendeten Steinen stelle ein rechtliches Problem bei der Haftung und Gewährleistung dar, so die Verwaltung. Jeder einzelne Spenderstein müsste auf seine Eignung geprüft werden. Ein solches Verfahren sei mehr als fragwürdig, heißt es in der Ausschussvorlage. Was aber weiterhin verfolgt wird, ist der Plan, etwa zwei Quadratmeter Steine von der Burg Kempen im Foyer zu präsentieren. So solle an den vorherigen Standort des Kreisarchivs in Kempen erinnert werden.

Das Gebäude lädt außen durch viel Glas zum Besuch ein. Innen werden die Archivalien in einer Art Tresorraum verwahrt, der einem Bergfried nachempfunden ist. Für diesen inneren Kern wird in den aktuellen Entwürfen eine Fassade aus rotbunten Ziegelsteinen vorgesehen, die unregelmäßig verbunden sind. Das heißt, es wird keine glatte Fläche geben, sondern die Steine variieren die Oberfläche.

Bei den Oberböden wird
auf Gussasphalt gesetzt

Der Clou aber ist, dass die Ziegelfassade ohne Vermörtelung der Fugen hochgezogen wird. Die Steine werden zwar konstruktiv befestigt, bleiben aber für die Zukunft jederzeit wieder verwertbar.

Bei den Fenstern entschied man sich für Aluminiumrahmen. Diese garantieren eine längere Lebensdauer, sind recycelbar und höher belastbar (bis Dreifach-Verglasung). Bei den Oberböden wird auf Gussasphalt gesetzt. Auf Zementestrich wird dann verzichtet. Für den Bodenbelag spricht, dass er schwer entflammbar sei, schalldämmend wirkt und recycelbar ist. Im gesamten Keller wird auf Oberboden und Estrich verzichtet. Die Betonoberflächen werden lediglich geglättet. Die Büroräume erhalten als Oberböden Parkett. Die C2C-zertifizierten Materialien zeichnen sich durch ihre Langlebigkeit und hohe Belastbarkeit aus.

Sehr modern ist ein alter Baustoff: Die Zwischenwände der Büros werden mit Lehm verputzt. Vom Lehm verspricht man sich eine Verbesserung des Raumklimas. Darüber hinaus ist er ein nachhaltiger Baustoff, der wiederverwertet werden kann. Der Hersteller kann den Lehm wieder in Ton und Sand trennen. Der Rohbau für das neue Kreisarchiv am Ransberg 41 soll in 2020 fertig gestellt werden.

Rund 8,6 Millionen Euro soll der Bau kosten. Fünf Millionen sind Zuschüsse des Landes, die aber nur fließen, wenn der Bau rechtzeitig fertig wird. Die Ausschreibungen für Aufzuganlage, Holzbau- und Dachdeckerarbeiten werden gerade erstellt. Die Unterlagen sollen am 1. Oktober versandt werden.

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