Nettetaler Krankenhaus setzt Manchester-Triage-System zur Ersteinschätzung in der Notaufnahme um

Lobberich : Neue Skala hilft bei der Einschätzung von Patienten

In der Nettetaler Notaufnahme wird das „Manchester-Triage-System“ umgesetzt. 

Im Nettetaler Krankenhaus werden Patienten der Notaufnahme seit Jahresanfang anhand der sogenannten Ersteinschätzung nach den Manchester-­Triage-System behandelt. Dieses soll sicherstellen, dass die Behandlungsreihenfolge der medizinischen Dringlichkeit entspricht. Im Prinzip habe es dieses Vorgehen auch vorher schon gegeben, sagt Krankenhaussprecherin Kerstin Guré, allerdings bislang nach einem hausinternen System. Seit Januar ist die neue Erst­einschätzung verpflichtend.

Bisher habe eine Pflegekraft im Wartebereich der zentralen Patientenaufnahme (ZPA) festgestellt, wer mit seinem Anliegen wie dringlich ist. Ihre Einschätzung habe sie den Kollegen gemeldet, sagt Guré, danach kamen die Patienten an die Reihe. Nun melden sich die Patienten an einem Tresen, der immer besetzt ist, an. Eine Pflegekraft begutachtet sie in einem separaten Raum und schätzt ebenfalls ein, wie dringend die Person behandelt werden muss. Neu ist: Der Patient wird nun in eine von fünf Dringlichkeitsstufen eingeordnet. Für jede davon ist festgelegt, wann der sogenannte ärztliche Erstkontakt erfolgen muss, also „der späteste nächste Kontakt mit einem Arzt und einer Schwester oder einem Pfleger“, sagt Guré. Jede Stufe hat eine Farbe: Über blau, grün, gelb und orange steigt sie mit der Dringlichkeit auf rot.

Das neue System sei schon länger Thema im Krankenhaus gewesen, berichtet Guré. Allerdings hätten bei internen Umstrukturierungen und dem neuen Anbau, der derzeit entsteht, andere Dinge im Vordergrund gestanden als die Umsetzung. „Das alte System war bewährt“, sagt Guré. Darum habe man es weiter laufen lassen. „Die Patienten werden nun nicht besser oder schlechter behandelt als zuvor.“ Das neue System sei transparenter. Einige Pflegekräfte wurden in der Anwendung des Manchester-Triage-Systems bereits geschult, das gesamte Pflegeteam soll folgen.

2018 waren in der Notaufnahme mehr als 20 000 Patienten

Ein Problem, dass sich auch durch die neue Ersteinschätzung wahrscheinlich zunächst nicht lösen lässt, ist die empfundene Wartezeit der Patienten. „Sie sehen, dass andere nach ihnen kommen, aber früher dran sind“, sagt Guré. „Die Dringlichkeit wird nicht wahrgenommen.“ Dabei passiere viel hinter den Kulissen; etwa bringe der Rettungswagen einen schwer Verletzten, der sofort behandelt werden müsse, oder es gebe einen Notfall auf einer der Stationen, wovon die Wartenden nichts mitbekämen. Zudem gebe es Sprechstunden oder Funktionsdienste wie für die Messung der Lungenfunktion, für die Patienten ebenfalls in der ZPA warten. „Werden sie dann aufgerufen, ist es für die anderen Wartenden nicht ersichtlich, dass sie eben einen Termin haben“, sagt Guré. Sie arbeite an Schildern, die Patienten das Vorgehen des Krankenhauspersonals erklären sollen.

Durchschnittlich arbeiten vier Pflegekräfte in der ZPA, während Sprechstunden sind es laut Krankenhausangaben mehr, nachts weniger. Es gibt insgesamt zehn Behandlungsräume, dazu kommen ein Schockraum sowie ein Raum zur Ersteinschätzung. Die erste Stoßzeit beginnt um 7 Uhr und erreicht bis zum Mittag ihre erste Spitze. Danach flacht sie ab. Um 18 Uhr ist in der Regel eine zweite Spitze bei dem Patientenaufkommen zu verzeichnen. Insgesamt haben im Jahr 2018 mehr als 20 000 Patienten die Notaufnahme aufgesucht. Das neue Jahr hat der ZPA im Nettetaler Krankenhaus am Sassenfelder Kirchweg in Lobberich eine weitere Änderung gebracht: Die frei gewordene chirurgische Oberarztstelle in der Notaufnahme teilen sich ab sofort Dorothea Feinen und Nicole Janssen.

Beide sind seit rund 20 Jahren im Nettetaler Krankenhaus tätig. „Sie kennen die Abläufe des Hauses sehr gut und können dadurch die Strukturen in der Zentralen Patientenaufnahme festigen und zusammen mit dem restlichen Team weiterentwickeln“, sagt Geschäftsführer Jörg Schneider. Während Feinen und Janssen die chirurgischen Patienten betreuen, kümmern sich die Oberärztinnen Sonja Hilkes und Martina Schmidt um die internistischen Fälle. „Diese Verstärkung ist wichtig“, sagt Michael Leenen, ärztlicher Leiter der ZPA.

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