Nettetal verliert Grundschüler an Nachbarkommunen

Immer mehr Schüler wandern ab : Schüler verlassen Nettetal

84 Viertklässer aus Nettetal wechseln zu weiterführenden Schulen in Nachbarkommunen.

Unterschiedlich sind die Reaktionen auf die Zahl der Viertklässler, die zum nächsten Schuljahr an weiterführende Schulen in den Nachbarkommunen wechseln. „Der Anteil der auspendelnden Schüler ist noch akzeptabel“, meinte Jochen Müntinga, Geschäftsbereichsleiter Familie, Bildung und Soziales im jüngsten Ausschuss für Schule und Sport. „Wir teilen diese Einschätzung der Verwaltung nicht“, konterte Robin Meis (WIN) und löste eine Diskussion aus über die Gründe, warum so viele Nettetaler Kinder Schulen außerhalb der Seenstadt besuchen.

„Ein Viertel unserer Schüler verlässt Nettetal“, bemängelte Meis und verwies auf die Statistik, die die Verwaltung vorgelegt hatte. Danach schließen 339 Kinder zum Schuljahresende ihre Zeit an den neun Nettetaler Grundschulen ab. 252 von ihnen wechseln zu den weiterführenden Schulen in Nettetal – Gesamtschule in Breyell, Realschule in Kaldenkirchen und Werner-Jaeger-Gymnasium in Lobberich. Für drei Schüler steht eine andere Schullaufbahn an – Förderschule etwa – und 84 werden pendeln, also auswärtige Schulen besuchen, hauptsächlich in Viersen und Grefrath.

Auffällig: Die Zahl der auspendelnden Schüler steigt seit 2016 stetig an. Damals waren es rund zehn Prozent, 2017 dann 15 Prozent, im vergangenen Jahr mehr als 20 Prozent, und zum Schuljahr 2019/2020 werden rund 25 Prozent der Nettetaler Viertklässler über die Stadtgrenze pendeln. Bevorzugte Ziele sind die Realschule in Viersen-Süchteln mit 28 Neuaufnahmen aus Nettetal, das Gymnasium Liebfrauenschule in Grefrath-Mülhausen (22), das Albertus-Magnus-Gymnasium Viersen-Dülken (14) und die Sekundarschule Grefrath (14) sowie weitere Schulen (6). Gleichzeitig sinkt die Zahl einpendelnder Schüler: Vergangenes Jahr waren es 29, in diesem nur noch Jahr 23.

„Wir befinden uns in einer unruhigen Situation in der Schullandschaft“, sagte Müntinga und führte als Beispiele den Umstieg auf Inklusion und die Schließung der Hauptschule an. Seiner Einschätzung nach sei die Entscheidung von Eltern, welche weiterführende Schule sie für ihr Kind wählen, „oft stimmungsabhängig“, da könne man „nicht reinreden“.

Vertreter der Schulen verwiesen auf Erfahrungswerte, so entschieden sich mitunter „ganze Cliquen gemeinsam für eine Schule“, manche Eltern wählten aus Tradition das Gymnasium für ihre Kinder, das sie selbst schon besucht hatten.

Johannes Peters (FDP) gab sich überzeugt: „Es liegt nicht an der Qualität unserer Schulen.“ Es gelte, andere Gründe zu erfragen. Allerdings hatten 2015 bei der Aufstellung des Schulentwicklungsplans externe Berater gefordert, die weiterführenden Schulen in Nettetal müssten „ihr Profil schärfen“, um mehr Nettetaler und auch auswärtige Schüler zu gewinnen. Von den anwesenden Schulleitern im Ausschuss war zu hören, die Realschule Süchteln habe „einen sehr guten Ruf“ und versuche zudem, mit Werbezetteln in Lobberich Eltern für ihre Schule zu interessieren – offensichtlich mit Erfolg. Dennoch gab sich Jürgen Boyxen (CDU) überzeugt, dass die Verkehrsanbindung eine entscheidende Rolle spiele: „Für Schüler aus Lobberich-Ost ist Kaldenkirchen eben weiter weg als Süchteln.“

Dem widersprach Meis: „Bessere Verkehrsanbindung? Das hören wir schon seit Jahren, da müsste man mal über die Busverkehre reden, aber das ist mir zu einfach.“ Man müsse auch nach anderen Gründen forschen, mit Eltern und Lehrern reden. Konkret forderte Renate Dyck (SPD): „Wir wollen eine genaue Analyse.“

Die anderen signalisierten Zustimmung zu Dycks Aussage. Vorsitzender Holger Michels (CDU) formulierte eine „Bitte an die Verwaltung“ bis zur nächsten Sitzung des Ausschusses „an eine Analyse zu gehen“, warum sich so viele Eltern und Schüler aus Nettetal für auswärtige Schulen entscheiden.