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Wahlcheck in Kempen: Braucht St. Hubert einen Kunstrasen?

Wahlcheck in Kempen : Braucht St. Hubert einen Kunstrasen?

Im dritten Teil der Umfrage unter den Kempener Parteien geht es um die Sportplatzsituation in St. Hubert.

Die Sportplatzsituation in St. Hubert – das ist gefühlt schon seit 30 Jahren ein Wahlkampfthema. In der laufenden Legislaturperiode sah es anfangs so aus, als würde das Kendeldorf tatsächlich statt des Aschenplatzes, An Eulen, auf der grünen Wiese einen neuen Kunstrasen bekommen. Doch dann gab es planungsrechtliche Schwierigkeiten und irgendwie darbt das Thema (mal wieder) vor sich hin. Erschwerend hinzu kommt, dass es dem Vereinsfußball von TuS und FC schon mal besser ging. Auch abseits von Corona hat vor allem der TuS St. Hubert in der jüngsten Vergangenheit einige aktive Mitglieder verloren. Laut eigener Homepage hat der Club derzeit nur eine Erste Mannschaft und ein Alt-Herren-Team. Jugend? Fehlanzeige!

Daher stellte die WZ den Parteien und Wählergemeinschaften im Rahmen des Wahlchecks folgende Frage: Braucht St. Hubert überhaupt noch einen neuen Kunstrasenplatz? Das sind die Antworten von CDU, SPD, Grünen, FDP, Freien Wählern Kempen (FWK), Linken, ÖDP-BIKK, Piraten und AfD.

CDU: Abstimmung mit Vereinen und Stadtsportverband

CDU: „Der Rasensport hat für St. Hubert einen wichtigen Stellenwert. In enger Abstimmung mit den beiden St. Huberter Vereinen und dem Stadtsportverband wollen wir im Stadtrat eine Entscheidung darüber herbeiführen, ob der intakte Rasenplatz oder die Umwandlung in einen Kunstrasenplatz den zu ermittelnden Bedarf in St. Hubert abbildet. Dabei müssen die aktuelle Anzahl der Mannschaften, die Bespielbarkeit des Rasenplatzes Stendener Straße, besonders in den milder werdenden Wintermonaten, sowie planungsrechtliche Vorgaben aus Düsseldorf betrachtet und bewertet werden. Vorwärts wird es in jedem Fall bei der Sportstätte an der Stendener Straße gehen: Der Bau einer Umkleidekabine und der Ausbau des Parkplatzes sind mit den Stimmen der CDU bereits beschlossen worden und nun von der Verwaltung umzusetzen.“

SPD prangert fehlendes
Konzept für den Sport an

SPD: „Beim Thema Sport fehlt es an einem konzeptionellen Vorgehen. Es wird Zeit, dass die Planung und der Bau der Sportstätten im Gesamtzusammenhang über alle Stadtteile hinweg durchgeführt werden. Dies fordert die SPD Kempen schon seit 2009. Trotzdem wird von Seiten der Verwaltung und der Mehrheitsfraktion weiterhin auf Zuruf gehandelt. Da die finanziellen Mittel zunächst einmal knapper werden, muss ein Sportstättenentwicklungsplan erstellt werden, der den Bedarf in unserer Stadt aufzeigt. Dies würde Perspektiven für die Vereine bringen. Stattdessen wird den St. Huberter Vereinen seit Jahrzehnten ein (Kunst-)rasenplatz versprochen. Getan hat sich nichts! Zwischenzeitlich werden Landesprogramme bekannt, die eine Förderung bis zu 100 Prozent ermöglichen. Diese Information kommt über den Stadtsportverband in die Entscheidungsgremien, nicht über die Verwaltung, die hier eigentlich Möglichkeiten aufzeigen sollte.“

Grüne fordern Freizeitfläche
mit Kunstrasenplatz

Bündnis 90/Die Grünen: „Wir sehen Sport und Bewegung als Bindeglied unserer Gesellschaft. Sport wird in Kempen, St. Hubert, Tönisberg und Unterweiden/Schmalbroich von Menschen in ihren alltäglichen Lebenswelten wie Familie, Kita, Schule, Stadtteil und Verein gelebt. Die Sportentwicklungsplanung wollen wir nicht nur auf die vorhandenen klassischen Sportstätten reduzieren, sondern auf das Sport-, Bewegungs- und Freizeitleben aller Bürgerinnen und Bürger ausdehnen. Dazu gehört auch, öffentlich zugängliche Sport- und Bewegungsflächen auszuweiten. Vor diesem Hintergrund setzen wir uns bereits seit Oktober 2017 dafür ein, eine Bewegungs- und Freizeitfläche einschließlich Kunstrasenplatz in St. Hubert zu entwickeln, wobei der Rasensportplatz nicht umgewandelt wird und in seiner aktuellen Nutzung erhalten bleibt.“

FDP: Benachteiligung wird
nicht mehr hingenommen

FDP: „Nach jahrelangem Hinhalten ist nun endlich eine gesamtheitliche Lösung für die Sportlerinnen und Sportler in St. Hubert zu schaffen. Die Herausforderungen hinsichtlich des Planungsrechtes konnten seit Jahren nicht gelöst werden. Andere Projekte, wie zum Beispiel der Bau der drei neuen Rathäuser, konnten hingegen zügig umgesetzt werden (falsche Priorisierung). Ob nun der Bau eines neuen Kunstrasenplatzes, die Modernisierung oder Weiterentwicklung des Naturrasenplatzes an der Stendener Straße ausreichend ist, gilt es nun gemeinsam mit allen Vereinen in St. Hubert sowie dem Stadtsportverband zu klären. Es darf nicht sein, dass ein ganzes Dorf seit Jahren benachteiligt wird, weil keine Lösung gefunden wird. Selbst der Bau einer bereits genehmigten Umkleide in St. Hubert, stockt seit Jahren.“

FWK: Neue Möglichkeiten
bringen auch wieder Mitglieder

Freie Wähler Kempen (FWK): „Dass die St. Huberter mittlerweile das Vertrauen in die Verwaltung verloren haben, überrascht niemanden mehr. Zuerst sollte der Kunstrasenplatz an der Südumgehung entstehen, bevor die Bezirksregierung dem Plan eine Absage erteilte. Dann wurde der Bau vier neuer Umkleiden für die Stendener Straße an einen Architekten vergeben, der dieses Projekt leider nicht mehr weiter begleiten konnte. Nun werden die Umkleiden erst 2022 fertig. Pleiten, Pech und Pannen. Die St. Huberter Sportstättensituation ist bereits seit Jahren ein bekanntes Problem. Dieser Stadtteil hat es verdient, dass endlich mit gesunder Anpack-Mentalität und dem Willen zur Verbesserung zeitgemäße Strukturen geschaffen werden. Dann kommen auch wieder die Mitglieder zurück.“

Die Linke liefert
eine Art Maximalforderung

Die Linke: „Unglaublich es erneut zu schieben! St. Hubert braucht seit 35 Jahren Ersatz für den Aschenplatz. Das ist ein Muss und unaufschiebbar. Allein der Verwaltungswille hat bisher gefehlt und wurde von der CDU gedeckt. Wir sind dafür, das gesamte Areal der Kiesgrube von Herrn Klösters anzukaufen und ja, auch zu einem hohen Preis. Dann muss das Areal einer Sport- und Freizeitplanung zugeführt werden. Zu allererst müssen dort ein Rasen- und ein Kunstrasenplatz gebaut werden. Platz für eine Tennishalle muss bereitgestellt werden und die Breiten- und Freizeitsport-Betreiber müssen ausreichend berücksichtigt werden. Die Linke ist nicht bereit, erneut die St. Huberter Bürger zu vertrösten. Im Sport zeigt die Rote Karte, dass man ausgeschlossen wird. Nun zeigt sie bitte am 13. September!“

ÖDP: Kunstrasen für künftige Generationen muss her

Ökologisch-Demokratische Partei/Bürgerinitiative (ÖDP-BIKK): „Ja. Das jahrelange Hin und Her mit dem Kunstrasenplatz und den Umkleidekabinen in St. Hubert hat tiefe Spuren in den St. Huberter Vereinen hinterlassen. Viele St. Huberter Sportler fühlen sich vernachlässigt und schon lange nicht ernst genommen. Aus diesem Grund verlassen viele Mitglieder die Vereine und melden sich eben anderswo an. Ein Kunstrasenplatz ist mittlerweile Standard geworden und gewährleistet einen durchgehenden Spielbetrieb für die Vereine. Ausreichend Sport und Bewegung sind unverzichtbare Bestandteile einer gesunden Lebensweise. Die Verwaltung muss in der kommenden Ratsperiode das Thema angehen. Durch noch längeres Hin und Her werden die Vereine weitere Mitglieder verlieren. Ein intaktes Vereinsleben muss in St. Hubert langfristig gewährleistet werden. Sport in St. Hubert muss auch für kommende Generationen attraktiv sein.“

Piraten: Kunstrasen zur Stärkung der Vereine in St. Hubert

Piraten-Partei: „Massive Planungsfehler, die über viele Jahre in St. Hubert begangen wurden, haben dazu geführt, dass sich der für den Umbau vorgesehene Ascheplatz inzwischen an einem nicht mehr geeigneten Standort befindet. Dass gemeinnützige Vereine, denen keine angemessene Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird (u.a. auch marode Umkleiden), nicht mehr wettbewerbsfähig sind und Mitglieder verlieren, ist daher nicht verwunderlich. Zur Stärkung der Vereine sollte ein Kunstrasenplatz an einem neuen Standort gebaut werden. Dabei muss ein nachhaltiger Kunstrasen verwendet werden, bei dem umweltfreundliches Korkgranulat zum Einsatz kommt, statt des weit verbreiteten Gummigranulats. Das Grundstück des Aschenplatzes, An Eulen, könnte dann beispielsweise für den Bau von Sozialwohnungen verwendet werden.“

AfD: Stadt muss ihr
Versprechen einlösen

Alternative für Deutschland (AfD): „Es steht wohl außer Frage, dass der Aschenplatz nicht mehr zeitgemäß und daher auch unattraktiv ist. Sollte auch dies einer der Gründe für sinkende Mitgliederzahlen sein, sollte die Stadt endlich ihr Versprechen einlösen. Wenn Bürokratie mal wieder das Problem für eine zeitgerechte Umsetzung ist, sollte auch endlich einmal nicht nur über einen Abbau gesprochen werden, sondern dieser auch durchgesetzt werden. Vereinssport ist allemal eine begrüßenswerte Alternative zu einem Leben vor welchem Bildschirm auch immer.“

(tkl)