1. NRW
  2. Kreis Viersen
  3. Kempen und Grefrath

Kempen: Kommentar zur Rhetorik von VT-Chef Detlev Schürmann

Meinung : Rhetorischer Fehlgriff

Beim verbalen Kampf um den Ludwig-Jahn-Sportplatz wurde am Sonntag eine Grenze überschritten.

In der Debatte um die Zukunft des Ludwig-Jahn-Platzes und die dringend notwendige Neuaufstellung der Kempener Schullandschaft kann man unterschiedliche Positionen haben. Und man muss sicher nicht gut finden, dass diese traditonsreiche Sportstätte womöglich für einen Schulneubau aufgebeben wird. Insofern ist es das legitime Recht eines Vorsitzenden, sich für die Belange des Vereins starkzumachen. Bei der VT und ihrem Chef Detlev Schürmann ist die Lage nun mal so, dass der Jahn-Platz erhalten werden soll. Und Schürmann ist dafür bekannt, dass er den Kampf um diesen Platz mit harten Bandagen führen wird. Ob er sich dabei im aktuellen Wahlkampf 100-prozentig an die in der Satzung festgeschriebene politische Neutralität des Vereins hält, haben die Mitglieder zu entscheiden. Die 20 von rund 1900, die am Sonntag zugegenen waren, haben ihrem Vorsitzenden jedenfalls Rückendeckung gegeben.

Bei allem Verständnis für den schier unbändigen Willen, diesen Sportplatz zu erhalten, gibt es aber auch Grenzen. Und an einem Punkt hat Detlev Schürmann diese Grenzen am Sonntag verbal überschritten. So bezeichnete er das Vorgehen der Politik, die Vereine offenbar bislang nicht befragt zu haben, als „schon fast diktarorisch“. Dieser Vorwurf wird dem Ablauf des bisherigen Verfahrens, allen demokratisch legitimierten Ratsvertretern und der Stadtverwaltung nicht gerecht. Denn das Verfahren im politischen Raum, das mit der Mehrheit von CDU, FDP, Freien Wählern, Linken und Teilen der SPD zu einer Machbarkeitsstudie geführt hat, war demokratisch. Nicht mehr und nicht weniger. Denn für so einen demokratischen Ablauf ist ein Kommunalparlament gewählt worden – auch von den Mitgliedern der Sportvereine, die in Kempen wohnen und zur Wahl gegangen sind.

Daher ist Schürmanns Vergleich mit diktatorischen Zügen ein rhetorischer Fehlgriff. Gerade in politisch aufgewühlten Zeiten, die wir derzeit erleben.

tobias.klingen@wz.de