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Der Verein „Denk mal an Kempen“ präsentiert seine Idee einer Bürgerstiftung für eine „Bürgerburg“

„Denk mal an Kempen“ : Feuer für die Burg entfachen

Der Verein „Denk mal an Kempen“ präsentiert seine Idee einer Bürgerstiftung für eine „Bürgerburg“.

Zu teuer und zu kompliziert. Angesichts der finanziellen Lage der Stadt Kempen könnte man so – arg verkürzt – zusammenfassen, wie die Chancen einer zwischen zehn und 20 Millionen Euro teuren Burg-Sanierung aus öffentlicher Hand stehen. Daher hat sich der Verein „Denk mal an Kempen“ auf den Weg gemacht, um ein Konzept zur Zukunft der Burg aufzustellen. Ein Konzept, an dem die Stadt zwar beteiligt werden, bei dem sie aber vor allem finanziell nicht die erste Rolle spielen müsste. „Im Kern geht es um eine Bürgerstiftung“, sagt Marcel Rau von „Denk mal an Kempen“. Er und seine Mitstreiter wollen sich nun auf diesen Weg machen, um die Burg weitgehend losgelöst vom städtischen Haushalt sanieren und betreiben zu können.

Frage der Finanzierung muss
als erstes geklärt werden

„Aufgebaut ist unser Projekt auch so, dass als erstes die Finanzierung geklärt werden muss“, sagt Heinz Wiegers. Der scheidende SPD-Ratsherr ist Vorsitzender des Vereins, der aus der Initiative rund um das Projekt Peterstraße 20 hervorgegangen ist. „Wir wollen eine Bürgerburg, getragen von einer Bürgerstiftung“, so Wiegers. Von diesen Stiftungen gebe es inzwischen etwa 400 in Deutschland. Diese Stiftungen würden meist über drei Äste finanziert. Zum einen gebe es ein sogenanntes Ewigkeitsvermögen, das fix vorhanden sein müsse. Aus den entsprechenden Erträgen könne man den Zweck finanzieren. „Ein Modell, das sich angesichts der aktuellen Zinslage für unseren Auftakt nicht eignet“, ergänzt Wiegers. Zweitens könne so eine Stiftung auch von Spenden leben, die direkt einem entsprechenden Zweck zugeführt werden könnten. „Das wird für uns der erste Ansatz sein.“ Und drittens gebe es in diesen Konstrukten weitere Unterstützungen, beispielsweise zweckgebundene Nachlässe und Erbschaften.

Ein ganz wichtiger Aspekt zur Finanzierung ist laut Marcel Rau das Thema Fördermittel. „Damit steht und fällt das ganze Projekt“, sagt Rau. Daher habe „Denk mal an Kempen“ bereits einen Austausch mit dem Krefelder Verein „Freischwimmer“ gehabt. Dieser will in Krefeld für die Sanierung und eine neue Nutzung des Stadtbads sorgen. „Dort haben wir zum Beispiel die Empfehlung bekommen, uns mit dem Programm des NRW-Heimatministeriums ,startklar’ zu beschäftigen.“

Der Grüngürtel der Altstadt soll ins Konzept einbezogen werden

Um sich mit Blick auf Fördermittel aufzustellen, soll die Burg ein Kulturraum für Künstler aller Art werden. „Aber nicht nur die Burg. Wir wollen den gesamten Grüngürtel der Altstadt einbinden“, sagt Wiegers. So könnten vereinzelte Freilicht-Bühnen für kleine Kultur-Events entstehen. „Die Idee ist grundsätzlich, dass die Burg und der Grüngürtel mehr in den Fokus geraten“, so der Vorsitzende. Derzeit konzentriere sich alles auf den Buttermarkt. „Wir wollen der Ecke rund um die Burg bis zum Bahnhof mehr Gewicht verleihen.“ Und beim Thema Grüngürtel kommt auch die mögliche Landesgartenschau 2026 ins Spiel, für die sich Grefrath bewerben will. Sollte sich Kempen mit Burg und Grüngürtel dranhängen können, gebe es womöglich weitere Fördermittel. „Darauf wollen wir uns aber nicht verlassen. Schließlich ist offen, ob die Landesgartenschau wirklich in Grefrath stattfinden wird“, sagt Rau.

Für die Nutzung der Burg, die nach dem Wegzug des Kreisarchives nach Dülken in städtische Hand übergeht, hat der Verein recht konkrete Vorstellungen. „Aber nur um einen Aufschlag zu machen. Um in Kempen Feuer für das Thema zu entfachen“, so Wiegers. In den Diskussionen mit Politik und Bürgerschaft sei man für alles offen.

Gastronomie und Standesamt gelten als gesetzt

Erfüllen will der Verein den großen Wunsch von Politik und Verwaltung, dass im Erdgeschoss der Burg Platz für das Standesamt und einen gastronomischen Betrieb geschaffen werden soll. „Bei Gastronomie und Fördermitteln muss man aber schon behutsam vorgehen“, sagt Marcel Rau. „Deshalb bietet sich vielleicht eine integrative Gastronomie an.“ Das hieße, dass in dem Betrieb bespielsweise Menschen mit Handicap angestellt werden.

Im ersten Obergeschoss stellt sich der Verein eine Menge Raum für die Kempener Stadtgeschichte vor. „Denn diese geht mit dem Wegzug des Archivs nach Dülken verloren“, sagt Heinz Wiegers. In diesem Zusammenhang könnte man die Stelle eines Stadtschreibers schaffen. Das könnte ein Projekt sein, in dem jeweils ein Jahr lang ein Historiker beauftragt wird, Stadtgeschichte zu begleiten und zu dokumentieren. „Da wollen wir Kontakte zu Hochschulen knüpfen.“

Neben der Tatsache, dass das jährliche Martinsfeuerwerk erhalten bleibt, soll Kempens inoffizieller Stadtpatron auch in der Burg gewürdigt werden. Wiegers: „Warum sollten wir nicht einem Raum für St. Martin schaffen?“ Auch der tatsächliche Namenspatron Kempens soll bedacht werden. „Wir wollen auf den Thomas-Verein zugehen, um das Thomas-Archiv in der Burg zu beheimaten.“

Und dann soll es mehrere Möglichkeiten für Kulturschaffende und Vereine in der Burg geben. „Vereine, die etwas in Kempen und für Kempen bewegen, könnten in der Burg einen Treffpunkt bekommen. Die Räume könnte man innovativ über eine App buchen“, erläutert Marcel Rau einige der vielen Ideen. Ebenso will man Möglichkeiten für Schulen bieten, damit Kinder und Jugendliche sich mit örtlicher Kultur und Geschichte auseinandersetzen können.

Der Idee, dass die VHS eine Art Ankermieter für die neue Burg sein könnte, können die Mitstreiter von „Denk mal an Kempen“ indes nicht viel abgewinnen. „Wir wollen eine offene Nutzung für alle Bürger schaffen. Wenn ein Großteil der Räume durch Kurse belegt ist, funktioniert das aus unserer Sicht nicht“, sagt Wiegers. Dennoch bestehe großes Interesse daran, die VHS als Partner einzubinden.

Konkreten Wahlkampf will der Verein mit der ehemaligen kurkölnischen Landesburg nicht machen, wie Wiegers und Rau betonen. „Wir haben uns jetzt aber dennoch bewusst diese Zeit zur Präsentation ausgesucht. Ansonsten hätten wir Angst, dass das Thema wegen der Fülle der Aufgaben der Stadt Kempen nach der Wahl in Vergessenheit gerät“, sagt Marcel Rau. „Wir wollen eine Alternative zur steuerlichen Finanzierung bieten und alle mitnehmen.“

Keinerlei ablehnende Haltung
aus der Politik erfahren

Es ist kein Geheimnis, dass sich die Ideen von „Denk mal an Kempen“ mit denen vom parteilosen Bürgermeisterkandidaten Christoph Dellmans decken. „Weil wir alle einbinden wollen, haben wir unser Konzept in den vergangenen Tagen allen Kandidaten und Parteien vorgestellt“, so Marcel Rau. Mit dem Ergebnis, dass alle Politiker ihre Unterstützung zugesagt hätten. „Verständlicherweise gab es zwar vereinzelt Bedenken wegen der Finanzierbarkeit. Aber eine ablehnende Haltung gab es nirgendwo. Und wir wollen ja nun auch erst erarbeiten, was wie finanziert werden könnte.“

Um Ideen zur Finanzierung und Nutzung zu sammeln, soll es in Kürze erste Veranstaltungen – sogenannte Burg-Gespräche – geben. Der Verein befinde sich dazu noch in Abstimmung mit den Behörden. „Bei diesen Terminen wollen wir großes Interesse wecken. Ein Interesse daran, dass so ein Großprojekt mit Stadt, „Denk mal an Kempen“ und den Bürgerinnen und Bürgern gestemmt werden kann“, sagt der Vorsitzende. „Vielleicht gelingt es uns ja, eine Art Aufbruch zu schaffen. So wie es bei der Altstadtsanierung war. Ich nenne es mal ,Hülshoff reloaded’.“