NWB sucht nach einer Lösung des Personalproblems

Verkehr : Zu wenig Lokführer: Nordwestbahn plant den Einsatz von Bussen

An einzelnen Tagen oder über längere Phasen will das Unternehmen auf Züge verzichten. Stattdessen laufen nun Gespräche mit Busunternehmen.

Im Zuge seiner Personalkrise erwägt das Unternehmen Nordwestbahn (NWB) nun eine neue Lösung. Wie die Nachrichtenagentur dpa meldet, will die NWB auf ihren Linien teilweise Busse statt Bahnen einsetzen. Um die zahlreichen Zugausfälle wegen fehlender Lokführer auf sechs Linien in Nordrhein-Westfalen in den Griff zu bekommen, werde diese Lösung nun geprüft. Laut Firmensprecher Steffen Högemann geht es um die Linien im Münsterland und im Ruhrgebiet sowie am Niederrhein – also auch um den Niers-Express (RE 10) zwischen Kleve und Düsseldorf.

Geplant sei, die jeweilige Linie komplett mit Bussen externer Unternehmen zu bedienen, so der Sprecher. Die freigewordenen Lokführer sollen dann auf den anderen Linien eingesetzt werden. Ob dies nur an einzelnen Tagen der Woche, etwa am Wochenende, sein werde, sei aber noch offen. Die Planungen würden noch mindestens zwei Wochen in Anspruch nehmen. Erst dann könnten konkrete Pläne veröffentlicht werden.

Krankenstand liegt teilweise
bei über zehn Prozent

Grund für die massiven Ausfälle seit Mitte Dezember sind nach Angaben des Sprechers neben dem Mangel an Triebfahrzeugführern viele Krankmeldungen. Anfang des Jahres berichtete eine NWB-Sprecherin gegenüber der WZ, dass teilweise mehr als zehn Prozent der Fahrzeugführer erkrankt seien. Das führt immer wieder dazu, dass die NWB kurzfristig Verbindungen streichen muss. Die Pendler müssen sich online darüber informieren. Entsprechend angespannt ist die Laune der Reisenden zwischen Kleve und Düsseldorf. Vor allem die Bahnhöfe Kempen und Krefeld sind beliebte Einstiegspunkte auf der Strecke in Richtung Landeshauptstadt und zurück.

Die aktuelle Misere – seit 2010 gibt es auf der Strecke bekanntlich viele Probleme – führte nun zu einer Abmahnung seitens des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR). Wie schon berichtet, verlangt der VRR als Auftraggeber Verbesserungen. Dabei solle unter anderem ein externer Berater helfen. Der VRR bezeichnete die aktuelle Situation auf den Linien der NWB als „desaströs“. Eine Abmahnung hat der VRR schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr ausgesprochen, wie eine Sprecherin der WZ bestätigte.

Nordwestbahn-Sprecher Högemann betonte nun gegenüber dpa, dass man bereits vor der VRR-Abmahnung über den Einsatz von Bussen nachgedacht habe. Daneben sei man zudem bemüht, neue Fachkräfte anzuwerben. Der Markt sei aber „leergefegt“, was auch andere Transportunternehmen spürten. Nachgedacht werde deshalb über sogenannte Leih-Treibfahrzeugführer und auch darüber, NWB-Fahrer aus anderen Regionen Deutschlands in NRW einzusetzen.

NWB-Geschäftsführer bedauert die aktuellen Schwierigkeiten

Nach der Abmahnung durch den VRR hat NWB-Geschäftsführer Rolf Erfurt inzwischen eine Stellungnahme abgegeben. „Wir nehmen die Abmahnung sehr ernst. Wir sind mit unserer Leistung in jüngster Zeit nicht zufrieden und bedauern, dass wir unseren Kunden leider keinen verlässlichen Service bieten konnten, trotz des hohen Einsatzes zahlreicher Mitarbeiter, die zusätzliche Dienste übernommen haben“, so Erfurt. Die Verärgerung der Fahrgäste könne man „selbstverständlich nachvollziehen“.

Die NWB ist nach eigenen Angaben dabei, „mit höchster Priorität“ Sofortmaßnahmen einzuleiten, um die Situation für die Fahrgäste schnellstmöglich zu verbessern. „Zu diesen Maßnahmen werden wir kontinuierlich und transparent mit dem Aufgabenträger, den Fahrgästen und der Presse kommunizieren“, betont Geschäftsführer Erfurt. „Wir und unsere Mitarbeiter haben ein großes Interesse daran, dass wir einen guten und stabilen Betrieb für unsere Fahrgäste bereitstellen. Das ist unser Anspruch und dafür werden wir alle an einem Strang ziehen.“

Die Nordwestbahn bedient die Niers-Express-Strecke zwischen Kleve und Düsseldorf (unter anderem mit den Haltepunkten Kempen, Krefeld-Hauptbahnhof, Oppum und Meerbusch-Osterath) seit 2010. Der laufende Vertrag endet im Jahr 2025. Für die technische Ausstattung der Strecke (Schienen etc.) ist eine Tochter der Deutschen Bahn zuständig. Auch in diesem Bereich liegt vieles im Argen. Teilweise verläuft die Strecke nur eingleisig. Ein Betrieb von doppelstöckigen Wagen ist nicht möglich.

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