Berichte über massive Umweltprobleme führen zu einem Umdenken

Müllvermeidung : Kempener verzichten auf Plastik

Studien und Berichte über massive Umweltprobleme führen zu einem Umdenken. Das zeigt eine Umfrage der WZ bei Händlern und Kunden.

12 734,52 Tonnen Plastikmüll fielen 2018 im Kreis Viersen an. Das teilte die Kreisverwaltung auf WZ-Anfrage mit. Nach Angaben von Umweltorganisationen produziert ein Deutscher im Durchschnitt 37 Kilogramm Plastikmüll pro Jahr. Rund 150 Millionen Tonnen Plastik befindet sich mittlerweile in unseren Meeren, so das Europäische Parlament auf seiner Homepage. Diese Zahlen belegen, dass die Menschheit ein massives Umweltproblem hat. Wie gehen wir vor Ort damit um? Hat sich in Sachen Plastikkonsum schon etwas verändert. Die WZ hat in Kempen mit Kunden und Händlern gesprochen.

„Meine Frau und ich versuchen, Plastik – soweit es geht – zu vermeiden. Man sieht ja in den Medien, wie schlimm sich Plastik auf die Umwelt auswirkt“, sagt Lothar Messerschmidt bei seinem Einkauf auf dem Kempener Wochenmarkt. Dort ist die Wahrnehmung: Immer mehr Menschen verwenden Stoffbeutel anstatt Plastiktüten. „Ich nähe mir meine Einkaufstaschen selber, um keine Plastiktüten kaufen zu müssen. Es ist nicht mehr zu übersehen, dass die Welt ein Problem mit Plastik hat“, sagt eine weitere Marktbesucherin.

Bei Edeka gibt es inzwischen Papiertüten für Obst und Gemüse

Seine Lebensmittel auf dem Wochenmarkt einzukaufen, ist eine gute Alternative zu Supermärkten, denn dort sind viele Produkte zusätzlich mit Plastik verpackt. Doch auch bei den großen Ketten gibt es ein Umdenken – zum Beispiel bei Edeka am Kempener Hessenring. An Stelle von Plastik- bietet das Unternehmen in der Obst- und Gemüseabteilung inzwischen Papiertüten an.

In Deutschland hat eine Plastiktüte eine Gebrauchsdauer von 25 Minuten – und in Europa werden nur sieben von 100 Tüten recycelt, wie das Unternehmen Care-Elite veröffentlicht hat. Doch in Modegeschäften bemerkt man eine positive Veränderung. Die Kunden scheinen vermehrt auf Plastiktüten zu verzichten – auch in Kempen. „Der Verkauf von Plastiktüten ist in letzter Zeit extrem zurückgegangen.“, sagt Sarah Bach, Verkäuferin bei „Gina Laura“ an der Engerstraße. „Wir bieten bevorzugt wiederverwendbare Taschen an, aber viele Kunden bringen ihre eigenen Beutel mit.“ Mindestens die Hälfte der Käufer würde ihre eigenen Taschen verwenden, berichtet die Verkäuferin einer weiteren Filiale einer Modekette. „Wir bieten nur Papiertüten an“, sagt die Mitarbeiterin. Aber auch da gilt zu beachten: Obwohl sich Papiertüten in der Natur besser zersetzten, sind sie nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks in der Herstellung sogar umweltbelastender als Plastiktüten. Die beste Alternative ist letztendlich der Jutebeutel.

Neben den Plastiktüten sind auch Einwegbecher ein Thema. 7,6 Millionen Einwegbecher werden in Deutschland pro Tag weggeworfen, so die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Ebenfalls eine Zahl, die bei den Kunden ein Umdenken einsetzen lässt. „Es kommt zwar selten vor, aber bei uns darf man den Kaffee in seinen eigenen Coffee-to-go-Becher füllen lassen“, sagt Markus Laufmanns vom Café Himmlisch an der Judenstraße.

Den Beteiligten, mit denen die WZ gesprochen hat, ist klar, dass die Zeit knapp wird, um die Folgen der Umweltkatastrophe einzudämmen. Damit der Plastikkonsum reduziert wird, muss jeder etwas tun. Das bringt die Redaktion zur Frage an Sie, liebe Leserinnen und Leser: Was tun Sie, um Plastikmüll zu vermeiden? Ist das Problem ein Thema bei Ihnen zu Hause? Wie gehen Sie und Ihre Familie damit um? Schicken Sie uns Ihre Erfahrungen und vielleicht auch Tipps, um den Plastikmüll zu vermeiden:

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